Die Drohne ist schnell. Sie schießt durch die Luft, vor und zurück, von oben nach unten. Am Boden steht ein bayerischer Polizist und verfolgt die Flugbahn konzentriert. Er steuert die Drohne. Gerade soll er den Luftraum über dem Fliegerhorst in Erding schützen. Nicht weit von ihm entfernt hat sich eine Menschentraube versammelt. In der ersten Reihe stehen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU). Sie schauen in die Luft. Aus der Ferne nähert sich eine unbekannte Drohne. Der Polizist muss entscheiden: Wie geht er mit ihr um?
Unbekannte Drohnen über Flughäfen, Kasernen und Infrastruktur
Das Szenario ist nicht echt. Es ist eine Simulation, mit der die bayerische Polizei zeigen möchte, wie sie Drohnen abwehren kann. Der Anlass: Heute hat Ministerpräsident Söder in Erding offiziell das Bayerische Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) eröffnet. "Ein wichtiger Schutz für Bürgerinnen und Bürger, für die Infrastruktur", sagt Söder.
In der Vergangenheit wurden in ganz Europa immer wieder unbekannte Drohnen gesichtet – über Flughäfen, Kasernen oder kritischer Infrastruktur. Bis zum 25. September wurden im vergangenen Jahr laut Nachrichtenagentur dpa landesweit 22 Fälle registriert. Allerdings: Nicht immer handelt es sich bei einer Drohnensichtung auch um eine gefährliche oder feindliche Drohne. Mittlerweile halten sich Behörden und Ministerien mit konkreten Zahlen und Daten zurück – aus Gründen der inneren Sicherheit. Bayerns Innenminister Herrmann warnt trotzdem: Die gezielten Störungen seien Angriffe auf die kritische Infrastruktur, verursachten erhebliche wirtschaftliche Schäden und verunsicherten die Bevölkerung.
Kompetenzen an einem Ort bündeln
Das Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) soll helfen, dagegen vorzugehen. Bisher sind die Spezialeinheiten der bayerischen Polizei für die Drohnenabwehr zuständig, außerdem eine spezielle Arbeitsgruppe beim Polizeipräsidium München und regionale Verbände. Das DKAZ soll diese Strukturen ergänzen und Kompetenzen bündeln. So sollen die Mitarbeiter etwa Einsatzkräfte schulen, Technik zur Verfügung stellen, neue Systeme erproben und den Schutz von Großveranstaltungen mit planen. Etwa 40 Stellen sind dafür zunächst vorgesehen. Perspektivisch sollen es 100 werden.
Expertin: Bessere Ausstattung der Polizei nötig
Für die Juristin und Expertin für Drohnenabwehr an der Universität der Bundeswehr München Verena Jackson ist das Zentrum eine "gute Plattform der Vernetzung". Hier könnten sich die Akteure austauschen, Abläufe vorbereiten, Probleme besprechen. Aber: "Es kann nicht andere Reformen ersetzen", sagt Jackson. Auf bayerischer Ebene sei das vor allem die Ausstattung der Polizei.
Tatsächlich hat auch Innenminister Herrmann im Oktober im Innenausschuss des bayerischen Landtags für mehr Geld und Personal für die Drohnenabwehr geworben. 2024/25 hat die Staatsregierung zusätzlich 1,5 Millionen Euro für Drohnendetektion und -abwehr bereitgestellt. 2026/27 wird diese Summe steigen. Anfang des Jahres investierte die Staatsregierung bereits fünf Millionen für entsprechende Einsatzmittel. Weitere Beschaffungen sind geplant. Zum Vergleich: Hessen rechnet 2026/27 mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, Rheinland-Pfalz plant bis 2027 mit Investitionen von etwa sieben Millionen Euro.
Verschiedene Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr
Neben der Ausstattung kritisiert Jackson aber auch einen zweiten Aspekt: die verschiedenen Zuständigkeiten in der Praxis. Denn für die Abwehr von Drohnen sind in Deutschland Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien zuständig – vor allem abhängig davon, wo eine Drohne gesichtet wird. Jackson sagt: Auf dem Papier seien die Zuständigkeiten zwar relativ klar. In der Praxis könne eine Drohne aber sehr schnell ihren Ort wechseln. "Im Worst Case stehen dann zwei verschiedene Abwehrpersonen unten auf dem Grund und versuchen, die Drohne abzuwehren, und es ist nicht klar, wer was darf."
Söder sagt in Erding: "Also wir haben da ein sehr enges Miteinander. Wir sprechen ja miteinander." Auch schnell genug? Auf Bundesebene hat im Dezember ebenfalls ein Drohnenabwehrzentrum den Betrieb gestartet. Dort sitzen Vertreter der Sicherheitsbehörden zusammen, um Einsatzmaßnahmen zu koordinieren. Recherchen von WDR und NDR haben aber gezeigt, dass die Abwehr von Drohnen bislang noch selten gelingt.
Abwehr geglückt
Als sich die unbekannte Drohne am Fliegerhorst in Erding nähert, geht die Abwehr hingegen schnell. Der Polizist ist bereit, seine Drohne schießt blitzschnell auf die andere zu und rammt sie. Söder klatscht als erster. Gefahr beseitigt. Ohne Unvorhergesehenes klappt das perfekt.
Bayerns Polizei soll besser gegen Drohnen vorgehen können
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