Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird an einem OP-Saal vorbei getragen (Symbolbild).
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Soeren Stache

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird an einem OP-Saal vorbei getragen (Symbolbild).

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Vom Schicksal zur Mutmacherin: Organspende schenkt Leben

Barbara Hobmeier aus Altötting bekam vor über 30 Jahren als erstes Kind in Bayern eine Spenderleber – was damals eine riskante Operation war, ist heute medizinischer Alltag. Ein Problem bleibt: Es gibt zu wenig Spenderorgane.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Barbara Hobmeier feiert ihren Geburtstag zweimal im Jahr. Einmal ganz normal mit ihrer Familie – und ein zweites Mal am 2. Juni. An diesem Tag, im Jahr 1994, bekam sie als erstes Kind in Bayern eine Spenderleber.

Als Kind lange krank

Heute lebt Barbara Hobmeier in Altötting ein glückliches, aktives Leben: Sie hat zwei Kinder, ist verheiratet, macht regelmäßig Sport – und betont trotzdem: "Ich habe mit zehn Jahren das Leben geschenkt bekommen, das wäre aus gewesen."

Die heute 42-Jährige kam mit einer Fehlbildung der Gallengänge auf die Welt. Auf lange Sicht brauchte sie eine neue Leber. Ihr Vater ist Kinderarzt und ermöglichte ihr so über Jahre einen möglichst normalen Alltag. Erst in der Grundschule merkt Barbara, dass sie anders ist: "Ich hatte einen riesigen Wasserbauch. Die Haut war gelblich und später kam natürlich auch der Schwefelgeruch dazu, weil das Gehirn schon so vergiftet war."

Organspende auf Höchststand – aber Lücke bleibt

Ihre Geschichte ist das Gesicht hinter einer Statistik, die in diesen Tagen wieder mehr Hoffnung macht: 2025 haben in Deutschland 985 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet – 32 mehr als 2024. Das ist ein Plus von 3,4 Prozent und laut Deutscher Stiftung Organtransplantation der höchste Stand seit 2012.

In den Transplantationszentren wurden insgesamt 3.256 Organe aus Deutschland und dem Eurotransplant-Verbund übertragen; 3.150 Patientinnen und Patienten konnte so geholfen werden.

Dennoch reichen die Spenderorgane bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken. Ende 2025 standen bundesweit 8.199 Menschen auf der Warteliste. In Bayern zeigt sich sogar ein Rückgang der Spender: die Zahl der Organspender ist 2025 auf 143 gesunken – 14 weniger als im Vorjahr. Im Freistaat warten aktuell 1.100 Menschen auf ein Spenderorgan. Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) wirbt erneut für die Widerspruchslösung – Organspende wäre dann der Regelfall, wenn man nicht zu Lebzeiten widersprochen hat.

"Organspende schenkt Leben" – Infoabend in Altötting

Barbara Hobmeier kennt das Warten. Heute möchte sie deshalb anderen etwas zurückgeben. Sie hält Vorträge, besucht Schulen, berichtet über ihr Schicksal. Unterstützt wird sie dabei von Ärzten, wie beispielsweise Florian Heinz, Transplantationsbeauftragter, RoMed-Klinik Rosenheim.

Gemeinsam führten sie durch den Abend "Organspende schenkt Leben" am Maria-Ward-Gymnasium Altötting. Heinz geht es vor allem darum, Ängste und Sorgen rund um das Thema zu nehmen. "Viele Menschen befürchten, zum Beispiel, ins Krankenhaus zu kommen und dann wird ihnen nicht mehr geholfen", erklärt der Mediziner. Es gehe immer primär darum, Menschen zu helfen.

Jutta Weiss, Deutsche Stiftung Organtransplantation, war ebenfalls vor Ort und betonte: "Wir wollen keine Werbung machen, wir wollen aufklären, wir wollen, dass sich die Menschen unterhalten." Die Geschäftsführende Ärztin der Region Bayern zeigte auch die enge Zusammenarbeit mit den Spenderfamilien. Wünsche würden sehr ernst genommen, wie beispielsweise Kuscheltiere oder persönliche Bilder im Operationssaal.

Gemeinsam wollen sowohl Barbara Hobmeier als auch Florian Heinz und Jutta Weiss das Thema Organspende aus der Tabuzone holen und den Menschen ans Herz legen, sich zu Lebzeiten Gedanken zu machen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!