Baggerfahrer Hans Schlickenrieder hebt einen Graben in einer Moorfläche in der Nähe von Benediktbeuern aus.
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Baggerfahrer Hans Schlickenrieder hebt einen Graben in einer Moorfläche in der Nähe von Benediktbeuern aus.

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Wasser für Moorböden: Wichtig für den Klimaschutz

Fast alle Moore in Bayern sind entwässert. Doch wenn Torfboden nicht voller Wasser ist, entweichen klimaschädliche Gase. 55.000 Hektar Moorfläche will die Staatsregierung wiedervernässen. Das ist wichtig, um klimaneutral zu werden.

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Ein Raupenbagger reißt einen Graben in den gefrorenen Boden. Der besteht nicht aus Erde, sondern aus einer braunen, faserigen Substanz: Torf. Es ist eine Moorfläche in der Nähe von Benediktbeuern. Der Boden bebt. Was brachial aussieht, ist eine Arbeit, die Baggerfahrer Hans Schlickenrieder mit Gefühl ausführt. Denn er bewegt sein acht Tonnen schweres Gefährt auf einer empfindlichen Torfschicht, die renaturiert werden soll. Eine Maßnahme für den Klimaschutz.

Dämme sollen Entwässerung rückgängig machen

Schlickenrieder hebt dafür einen sechs Meter breiten Graben aus, in dem er längs und quer Holzstämme einsetzt und mit Torf zu einem Hügel auffüllt. Dadurch entsteht ein Damm, der dafür sorgt, dass das Wasser auf der Moorfläche bleibt, anstatt abzufließen. 59 solcher Dämme hat Hans Schlickenrieder bereits angelegt. Dass hier Moorboden wieder vernässt wird, ist möglich, weil das Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern insgesamt 6,2 Hektar Land erworben hat.

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Ein fertiger Graben, den Hans Schlickenrieder mit seinem Bagger ausgehoben hat.

Erste Hürde: Flächeneigentümer finden, die Grundstücke zur Verfügung stellen

"Es war ein glücklicher Zufall, dass wir elf kleinere Grundstücke nebeneinander ankaufen konnten", so Gebietsbetreuer Jonathan Hehr. "Die können wieder vernässt werden, ohne dass benachbarte Flächen beeinträchtigt werden".

Die Voraussetzungen waren günstig: Die Flächen wurden schon lange nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Sie waren sich selbst überlassen und sind mit Gehölzen zugewachsen. "Wir hatten auch Unterstützung von den Eigentümern, denen die Wiedervernässung ein wichtiges Anliegen war", erklärt Moormanagerin Elisabeth Pleyl.

Moore wieder vernässen: wichtig für den Klimaschutz

Moor-Renaturierung ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Denn wenn der Torf nicht unter Wasser steht, entweicht der darin gespeicherte Kohlenstoff in Form von klimaschädlichen Verbindungen in die Atmosphäre.

"Dadurch, dass wir wieder vernässen, können wir allein auf dieser Fläche jedes Jahr 60 Tonnen CO₂-Äquivalente vermeiden", so die Moormanagerin des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bayern kommt bei der Moorrenaturierung nur schleppend voran

In Bayern gibt es insgesamt etwa 220.000 Hektar Moorböden. Die sind zu etwa 95 Prozent entwässert und werden meist land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Dadurch entweichen jährlich etwa 6,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Diese Menge entspricht etwa acht Prozent der bayerischen fossilen Gesamtemissionen.

Ziel der Staatsregierung ist, 55.000 Hektar wieder zu vernässen. Im Zeitraum von 2018 bis 2024 waren es im Freistaat insgesamt 6200 Hektar land- und forstwirtschaftlich genutzte Moorflächen.

Lebensraum für seltene Arten und Schutz vor Hochwasser

Das ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, es entsteht auch wieder mehr Lebensraum für besonders seltene Tiere. In den Loisach-Kochelseemooren zum Beispiel für den Hochmoor-Glanzflachläufer. Ein bronzefarbener Käfer, der hier noch zu finden ist. Aber auch für Pflanzen, wie den rundblättrigen Sonnentau, so Jonathan Hehr. "Eine sehr faszinierende, fleischfressende Pflanze, die mit ihren klebrigen Tentakeln Insekten fängt."

Ein intaktes Moor schützt außerdem vor Hochwassergefahren. Denn die Torfmoose saugen bei Starkregen Wasser wie ein Schwamm auf und geben es langsam wieder ab.

2025: Nur ein kleiner Teil der geplanten Projekte wurde umgesetzt

Doch die renaturierte Fläche ist nur ein kleiner Teil in einem riesigen Moorgebiet. Die Loisach-Kochelseemoore erstrecken sich über mehr als 3.000 Hektar. Moormanagerin Elisabeth Pleyl ist seit vielen Jahren damit beschäftigt, Flächen für die Wiedervernässung aufzutun.

Doch im vergangenen Jahr mussten bereits geplante Projekte zurückgestellt werden, weil staatliche Fördermittel für die Landschaftspflege überraschend gekürzt wurden, so Elisabeth Pleyl. "Oberbayernweit wäre im Jahr 2025 die zehnfache Fläche für Wiedervernässung möglich gewesen, als wir tatsächlich renaturieren konnten."

Wieder mehr Geld für Naturschutz in Aussicht

Im Doppelhaushalt der Bayerischen Staatsregierung ist für 2026/2027 wieder mehr Geld für den Naturschutz vorgesehen. Doch für die von der Staatsregierung geplanten Ziele bei der Moor-Renaturierung dürften die nicht ausreichen, rechnen Naturschutzverbände vor. Elisabeth Pleyl und Jonathan Hehr sind daher froh, dass sie für die frisch renaturierte Fläche Gelder von einer Stiftung erhalten haben.

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Elisabeth Pleyl und Jonathan Hehr

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