Eva Schiffner zieht gerade das Pflegebett ihrer Mutter ab. Die 27-Jährige aus Hammelburg pflegt seit 13 Jahren ihre Mutter, musste schon als Jugendliche viel Verantwortung übernehmen. Während andere Mädchen in ihrem Alter anfangen, sich zu schminken, oder sich einfach nur draußen treffen, muss Eva andere Prioritäten setzen. Viele Dinge mache sie erst bei ihrer Mutter und dann bei sich. Aber immer wieder würden Dinge dann bei ihr selbst hinten runterfallen, sagt sie.
Pflege neben der Schule
Evas Mutter kann nach einer neurologischen Erkrankung nicht mehr alleine leben. Für ihre Mutter da zu sein, heißt, den Alltag zusammen zu verbringen. Eva macht mit ihr Arztbesuche, Eva kauft ein, kocht, wäscht oder hilft ihrer Mutter auch bei der Körperpflege.
Schon in der Schulzeit, seit ihrem 13. Lebensjahr, hatte sie viel um die Ohren: die Pflege, die Schule und das Erwachsenwerden. Sie sei anders erwachsen geworden, sagt sie, manchmal nicht so unbeschwert. "Aber auf der anderen Seite habe ich einfach schon schnell gelernt, wie man Verantwortung übernimmt, wie man sich engagiert, wie man füreinander sorgt, wie man füreinander da ist. Und ich habe halt schnell dann eben gelernt, mich auch selber zu organisieren."
Kein Alltag ohne Kalender
Damals hat ihr Vater noch viel gemacht, Eva vor allem den Haushalt übernommen. Wäsche waschen war für sie mit 14 Jahren völlig normal. So geht es rund 36.000 Kindern in Bayern, schätzt die Fachstelle für Demenz und Pflege in Bayern. Allerdings seien genaue Zahlen kaum möglich.
Eva ist ehrgeizig, das sagt sie selbst, und bringt verschiedenste Dinge unter einen Hut: die Pflege ihrer Mutter, ihre Arbeit an der Uni, ihre Promotion, ihre Liebe zum Fasching und die Feuerwehr. Und das geht nur, weil sie ihren Kalender akribisch führe.
Alleine verantwortlich nach dem Tod des Vaters
2024 stirbt dann ihr Vater, seitdem ist sie für die Pflege ihrer Mutter alleine zuständig. "Ich finde es irgendwie eine schöne Metapher, ich sage immer, ich bin quasi die Arme und Beine von meiner Mama. Dadurch, dass sie halt nicht so gut laufen und sich nicht so gut bücken kann."
Inzwischen gibt es vermehrt Hilfsangebote für junge Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Die Initiative "Young Carer Coach" zum Beispiel bietet Hilfe und Unterstützung an. Die Initiative schätzt, dass in jeder Klasse zwei Kinder ihre Angehörigen pflegen. Und so wie Eva brauchen sie dafür wohl viel Kraft.
Die tankt Eva beim Spazierengehen mit ihrem Hund Lenchen oder beim Tennis. Kraft, die Eva für ihre vielen Aufgaben und die Pflege ihrer Mutter auch braucht.
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