Ein belgischer Bischof sorgt für Aufregung in der katholischen Kirche: Antwerpens Oberhirte Johan Bonny kündigte in einem Hirtenbrief Mitte März an, bis 2028 bewährte verheiratete Männer zu Priestern zu weihen.
Nun hat er dem BR ein Interview gegeben. Darin begründet Bonny seinen Vorstoß unter anderem mit einem "eklatanten Priestermangel" in seiner Diözese. Das Bistum Antwerpen habe in der Vergangenheit 1.500 aktive Priester gehabt, "jetzt haben wir weniger als hundert", so Bonny. Die Hälfte davon seien Priester aus dem Ausland, etwa aus Afrika, Asien und Osteuropa.
Verheiratete Priester sind in der katholischen Kirche wegen des Zölibats - also der Verpflichtung sexuell enthaltsam zu leben und nicht zu heiraten - eigentlich nicht vorgesehen. Doch es gibt Ausnahmen: Priester aus den katholischen Ostkirchen etwa oder Geistliche aus anderen Konfessionen, die zur katholischen Kirche konvertiert sind. Dann nämlich gilt der Zölibat laut katholischem Kirchenrecht nicht.
Bonny: Vatikan ist "zu intelligent", um Nein zu sagen
Auch auf diese Ausnahmen verweist Bonny. Derzeit stimme er sich mit der Belgischen Bischofskonferenz und dem Vatikan ab. "Wenn ein 'Nein' vom Papst kommt, gehe ich nicht gegen ein Verbot vor. Das ist klar, ich bin katholischer Bischof", so Bonny. Aber er wolle "alles machen, was möglich ist, um ein 'Ja' zu bekommen".
Bonny ist überzeugt, der Vatikan sei "zu intelligent". Man wisse dort, "in welcher Situation wir leben". Der Bischof von Antwerpen, der sich selbst nicht als "progressiv" beschreibt, setzt zudem auf den weltweiten synodalen Prozess. Im Abschlussdokument der Weltsynode aus dem Jahr 2024 hatten sich Geistliche und Laien auf Synodalität und Spielräume in den Ortskirchen verständigt. Ein Prozess, der aktuell läuft und 2028 bei einem weiteren internationalen Treffen überprüft werden soll.
Was sagen die bayerischen Bischöfe zu dem Vorstoß?
Mit seinem Vorhaben hat Bonny die grundsätzliche Debatte über den Pflichtzölibat noch einmal befeuert. Könnten demnächst also in Europa verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden? Und würde dann womöglich der Pflichtzölibat fallen?
Aus dem Vatikan ist zum Vorstoß Bonnys bislang noch nichts zu hören. Und aus Bayerns Diözesen? Auf BR-Anfrage haben nur wenige Bistümer geantwortet. Das Erzbistum Bamberg schreibt, die Weihe von bewährten verheirateten Männern könne "eine sinnvolle Möglichkeit sein, Berufungen zu fördern", müsse aber "auf Ebene der Weltkirche entschieden" werden. Auf Letzteres verweisen auch die Bistümer Eichstätt und Würzburg.
Würzburgs Bischof Franz Jung argumentiert, Priester würden in der Nachfolge Jesu stehen. Das bewege auch ihn als Bischof: "Und natürlich, was ich von jedem verlange, der als Priester dienen möchte, dass er sich bewusst für diese Lebensform Jesu Christi entscheidet."
Ein Ende des Pflichtzölibats sei für ihn auch nicht die Lösung des Problems Priestermangel: "Selbst wenn dieser Schritt käme, würden uns die Männer wahrscheinlich nicht die Tür einrennen", so Bischof Jung.
Gibt es wegen des Zölibats zu wenig Priester?
Der Erlanger Pfarrvikar Christoph Uttenreuther ist da ganz anderer Meinung. Uttenreuther war Mitglied der katholischen Reformdebatte Synodaler Weg in Deutschland und ist erklärter Kritiker des Pflichtzölibats.
Seiner Erfahrung nach sei der Pflichtzölibat eine Hürde, die viele Männer, die gerne Priester wären, nicht überwinden wollten oder könnten. Der katholische Priester erzählt, er sei 1988 gemeinsam mit zehn Mitbrüdern zum Priester geweiht worden: "Von denen haben in den ersten Jahren vier das Priesteramt wegen des Zölibats aufgegeben". Und er fügt hinzu: "Das waren nicht die schlechtesten, das waren sehr fähige Männer, die wir auch heute noch sehr gut brauchen könnten."
Pfarrer Uttenreuther hofft nun, dass Bischof Bonny keine Steine in den Weg gelegt werden, seinen Plan durchzuziehen: Dass 2028 in Belgien und vielleicht auch andernorts tatsächlich bewährte, verheiratete Männer, zum Priester geweiht werden.
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