Die steigenden Lebensmittelpreise infolge des Iran-Kriegs werden zum Thema für die Bundesregierung. Die Taskforce von Union und SPD, die sich zuletzt bereits mit den in die Höhe geschnellten Spritpreisen beschäftigt hatte, werde sich nun die Kosten für Lebensmittel vornehmen, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Esra Limbacher der "Rheinischen Post" (Samstag).
Inflation: Politik will gegensteuern
"Tag für Tag wird es offensichtlicher, dass der Krieg im Iran kein schnelles Ende finden wird", sagte Limbacher. "Über höhere Preise für Dünger und Transport drohen in der nächsten Stufe auch steigende Lebensmittelpreise." Daher werde die Taskforce in der kommenden Woche "inflationsbremsende Maßnahmen" beraten. Der Iran-Krieg treibt die Kosten für Energie, Dünger und Transport in die Höhe – das kann sich auch auf die Lebensmittelpreise auswirken, wie Experten warnen.
Backwaren, Fisch, Getränke: Steigende Preise erwartet
Handelsexperte Carsten Kortum rechnet vor allem bei energieintensiven Produkten wie Backwaren, Milchprodukten sowie verarbeiteten Lebensmitteln wie Tiefkühlkost oder Getränken mit steigenden Preisen. Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden, sagte der Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. "Zunächst sind einzelne Spezialitäten sowie Obst und Gemüse betroffen, mittelfristig zieht der Preisdruck jedoch durch weite Teile des Lebensmittelkorbs."
Laut Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis besonders kritisch – wegen hoher Düngemittelpreise. "Hier sind Preissteigerungen wahrscheinlich", sagte die Ökonomin. Da Soja und Mais auch als Futtermittel verwendet werden, könne auch Fleisch teurer werden.
Als Reaktion auf die US-amerikanischen und israelischen Angriffe hat der Iran die Straße von Hormus faktisch blockiert. Die Meerenge zwischen dem Iran und dem Golfstaat Oman ist nicht nur für den weltweiten Ölhandel von großer Bedeutung, sondern auch für die Versorgung mit synthetischen Düngemitteln: Laut UN-Daten ist sie für rund ein Drittel des globalen Handels auf dem Seeweg verantwortlich.
Experte: Handel wird Zusatzkosten an Verbraucher weitergeben
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erwartet ebenfalls Folgen für die Preise. Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu, sagte Geschäftsführer Olivier Kölsch. Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund erklärte, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise zu höheren Produktionskosten in der Getränkebranche führen könnten. Branchenexperte Kai Hudetz vom IFH Köln erwartet, dass der Handel Zusatzkosten mindestens teilweise an Verbraucher weiterreichen wird.
Limbacher brachte ein Sofortprogramm für heimische Düngerproduzenten sowie Steuererleichterungen im Nahrungsmittelbereich ins Spiel. "Inflation ist Gift für die Menschen mit normalen Einkommen und für unsere Wirtschaft. Wir müssen uns schützend vor unsere Bevölkerung stellen", sagte er. Steuere die Politik nicht gegen, werde das Leben für viele Menschen spürbar teurer.
Mit Informationen von dpa und epd
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