Viele Menschen in Deutschland wissen nicht, wie sie die Rechnungen für Strom, Heizung oder einen neuen Kühlschrank zahlen sollen. Die Armutsquote liegt nach einem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverband auf einem neuen Höchststand.
Ältere, Frauen und Alleinerziehende besonders betroffen
Von 2024 zu 2025 stieg der Anteil laut dem Armutsbericht um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent der Bevölkerung. "13,3 Millionen Menschen leben hierzulande in Armut – betrachtet man allein die relative Einkommensarmut", so der Verband.
Rund 13,3 Millionen Menschen sind demnach von Armut betroffen. Die Armutsquote steige damit auf 16,1 Prozent, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht von "alarmierenden Befunden", die soziale Spaltung in Deutschland verschärfe sich.
Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen laut Verband fast jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent.
Niedrigste Armutsquote in Bayern
Die Unterschiede zwischen den Regionen sind dabei groß. So gebe es in Bayern mit seiner starken Wirtschaftsstruktur die niedrigste Betroffenenquote mit 12,6 Prozent. Schwaben und Oberbayern gehörten deutschlandweit zu den Regionen mit der geringsten Armut.
Die höchsten Anteile an Betroffenen gibt es laut dem Bericht in Bremen (27,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent) sowie den Stadtstaaten Hamburg (18,9 Prozent) und Berlin (18,7 Prozent). Armut sei damit "längst auch eine Frage des Wohnortes".
70 Prozent mit deutscher Staatsangehörigkeit
"Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Armut insbesondere dort zunimmt, wo strukturelle Benachteiligungen bestehen", erläutern die Autoren des Verbands, "etwa bei geringer Bildung oder eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt". Vier von fünf Betroffenen sind demnach nicht erwerbstätig. 70 Prozent der Betroffenen haben laut dem Armutsbericht die deutsche, 30 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Als arm gelten Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Bei Alleinlebenden lag diese Grenze zuletzt bei netto 1.446 Euro im Monat, für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro.
Appell an Bundesregierung
Die Folgen seien längst im Alltag angekommen - am Küchentisch, beim Einkauf, bei der Frage, ob eine vollwertige Mahlzeit noch bezahlbar ist, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes Joachim Rock. "Dass ältere Menschen nach einem langen Erwerbsleben und Haushalte mit Kindern besonders betroffen sind, zeigt die schon jetzt bestehenden Defizite im Sozialstaat."
Rock richtete einen Appell an die Politik: "Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet."
Im Video: Armut und Ausgrenzung in Deutschland
RESPEKT: Armut
Mit Informationen von dpa, AFP und KNA
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