"Ich weiß, was komisch ist. Also wurde Lachen mein Beruf", sagt Jochen Busse. Trotz dieses unfehlbaren Instinkts für das Komische zeigen die meisten Figuren, die Jochen Busse über die Jahrzehnte gespielt hat, wenig Neigung zum Lachen. Und wenn, dann tun sie es meist nur schmallippig, mit unverkennbar süßsäuerlicher Miene. Eben mit diesem charakteristisch missmutigen Gesichtsausdruck unterm meist akkurat gescheitelten Haar, der so gar nichts von einem gewinnenden Filmstar-Lächeln hat, aber Busse gerade deshalb unverwechselbar macht.
"Ich war nicht gerade von der Physis begnadet und dachte: irgendwas musst Du haben, dass sie Dich mögen", dachte sich Jochen Busse schon als Schüler. Und so wurde seine Karriere die Geschichte von einem, der auszog, anderen mit Leichenbittermiene das Lachen zu lehren. Geboren in Iserlohn im – wie könnte es auch anders sein bei einem, für den das Sauertöpfische zum Markenzeichen werden sollte – geboren also im Sauerland, wurde Busse zu Beginn seiner Karriere gerne als Finsterling besetzt. Etwa 1970 im ZDF-Krimi-Dreiteiler "11 Uhr 20", damals ein echter Straßenfeger. Auf die Bösewichte folgten später aber vor allem die Biedermänner, Büromenschen und Amtsschimmelreiter.
Als Schauspieler Bösewicht, als Komiker Büromensch
Der Bauamtsleiter Hagen Krause in der Sitcom "Das Amt" zum Beispiel – das war so eine für Busse maßgeschneiderte Figur. Wobei das Wort maßgeschneidert nicht ohne Ironie ist. Busses Spießbürgercharaktere tragen in der Regel ja eher Konfektionsware. Die Rollen aber sitzen meist wie angegossen.
Busses Paragrafenreiter sind in der Regel behäbig, aber mit Hang zur cholerisch anschwellenden Halsschlagader, wenn ihnen etwas gegen den pedantischen Strich geht, und gerade deshalb so komisch, weil sie vorzugsweise auf die Spaßbremse treten. Dieser Prototypus ist natürlich für Kabarett und Comedy wie geschaffen. Nach seiner privaten Schauspielausbildung in München schloss sich Busse denn auch bald dem Studentenkabarett "Die Knallfrösche" an. Es folgten Engagements unter anderem am Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" und schließlich in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Womit für Busse ein Jugendtraum in Erfüllung ging.
"Damals hatte ich gerade die Lach- und Schieß auf ihrer ersten Tournee in Iserlohn in einem Kino gesehen und hab gedacht: Das wär’s! Das hatte mir gefallen mit meinen 18 Jahren!", erzählt Jochen Busse im Interview.
Das Fernsehen machte Jochen Busse berühmt
Mit dem Ensemble der Lach und Schieß tourte Busse durch die Republik, bundesweit populär machte ihn aber vor allem TV-Comedy-Formate wie "Nur für Busse" oder die satirische Wochenrückblicks-Show "Sieben Tage, sieben Köpfe".
Dass er auch ein formidabler Charakterdarsteller sein kann, bewies Busse in Theaterrollen in Stücken von Arthur Miller oder Carl Zuckmayer und – besonders herausragend! – 1984 als NS-Funktionär Georg Leibbrandt in "Die Wannseekonferenz" – einem Fernsehfilm, der von der geradezu bürokratischen Planung des Holocausts durch die Nazis erzählte. Die Rolle war so etwas wie das abgründige Pendant zu Busses sonst so lächerlich hyperkorrekten Schreibtischtäter-Figuren.
Persönlich indessen hält es sich Jochen Busse zugute, dass er sich vor allem da stets korrekt verhalten hat, wo es wirklich angezeigt und keine bloße Korinthenkackerei war: "Ich war mein ganzes Leben lang ein höflicher Mensch. Und das habe ich durchgehalten, wann immer es ging. Und es ging!"
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

