Yahya Abdul-Mateen II
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Yahya Abdul-Mateen II beim Launch Event der Disney+ Miniserie 'Wonder Man' im TCL Chinese Theatre. Los Angeles, 22.01.2026

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Neue Serie "Wonder Man" – Schluss mit den Marvel-Helden

Superkräfte, dunkle Geheimnisse und jede Menge Action – das Marvel-Universum hat längst die Serienwelt erobert. Doch was macht einen echten Superhelden aus? Die neue Marvel-Serie "Wonder Man" auf Disney+ räumt mit dem klassischen Heldenbild auf.

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Sind wir nicht alle ein bisschen gelangweilt von Superhelden? Wie wäre es, das Genre neu zu erfinden und das Publikum zu schocken? Das fragt sich der weltbekannte Filmemacher Von Kovak, der ein aufwändiges Remake von "Wonder Man" drehen will. Er braucht nur noch die richtigen Hauptdarsteller.

Schauspieler mit Superkräften

Schauspieler Simon Williams bewirbt sich in der Story um die Hauptrolle. Der bislang eher erfolglose Darsteller und Stuntman hat ein Geheimnis: Er besitzt tatsächlich Superkräfte. Während des Castings zum Film lernt Simon den bekannten Schauspieler Trevor Slattery kennen, der ihm hilft, die Rolle seines Lebens zu bekommen und der selbst für die zweite Hauptrolle vorspricht. Die beiden werden Freunde und cruisen zusammen durch die Hollywood Hills.

"Wonder Man" als Normalo

Wie wäre es, das Superhelden-Genre neu zu erfinden und das Publikum zu schocken? Die neue "Wonder Man"-Serie probiert es aus. Und das mit Erfolg. So cool, gelassen und unnormal normal war noch kein Marvel-Superheld. Simon Williams aka "Wonder Man" trägt Pulli und Jeans und versteckt die destruktiven Auswirkungen seiner Superkraft hinter einem Vorhang in seiner Wohnung.

Simon, gespielt von Yahya Abdul-Mateen II, ist ein Normalo und damit eine echte Identifikationsfigur: Er hat Versagensängste, weiß nicht, wohin in dieser Welt, denkt viel zu viel nach und letztlich oft nur an sich selbst. Wird er wütend, dann knallt es, aber die Wirkung verpufft ganz schnell. Der Glaube, dass jemand die Welt im Alleingang retten kann, wird in "Wonder Man" persifliert. Heldentum ist hier verräterisch und wird zur Rolle, zur Lachnummer, was auch der von Ben Kingsley gespielte Sidekick Trevor Slattery verkörpert.

Sind Helden noch zeitgemäß?

Statt Action bietet die Serie absurden Witz, statt Superkräften Freundschaft, statt eines großen, pathetischen Erzählbogens viele kleine Geschichten. Das ist erstaunlich bodenständig und ehrlich, mitunter melancholisch und ernüchternd.

Würde nicht vor jeder halbstündigen Episode das große Marvel-Logo erscheinen, würde man nie auf die Idee kommen, dass man hier eine Superhelden-Serie aus dem Marvel-Universum sieht. Mit diesem Meta-"Wonder Man" befragt sich die Franchise selbst, schaut in den Spiegel und schafft sich ein kleines Stück selbst ab. Sind Helden noch zeitgemäß? Sind sie nur ein leeres Versprechen? Vielleicht sogar gefährlich? Brauchen wir sie? Kann es sie noch geben? Fragen, auf die dieser "Wonder Man" letztlich keine Antwort weiß. Er ist ja einer von uns, ein normalsterblich Unwissender, und er spielt nur den Superhelden in Hollywoods Traumfabrik – einen allzu menschlichen.

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