Eine Frau blickt auf einen Bildschirm
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Eine Kriminaloberkommissarin sitzt in einem Büro vor einem Computer auf der Suche nach Kinderpornografie und Fällen von sexuellem Missbrauch.

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Sexualisierte Deepfakes: Das können Betroffene tun

Sexualisierte Gewalt findet längst auch digital statt. Nahezu alle Deepfakes sind pornografisch, fast alle zeigen Frauen. Was unvorstellbar klingt, wurde für die bayerische Schauspielerin Teresa Rizos Realität. Was bedeutet das für Betroffene?

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

Als die bayerische Schauspielerin Teresa Rizos, bekannt aus Servus Baby, ein gefälschtes Nacktbild von sich in einer Suchmaschine entdeckt, ist ihre erste Reaktion Scham: "Man denkt 'Oh Gott, habe ich vielleicht mit meinem Verhalten oder meinem Aussehen dazu beigetragen, dass jemand auf so eine Idee kommt und so etwas macht?' Gleichzeitig fand ich es dadurch, dass es schlecht gemacht war, einfach nur lächerlich."

Von Deepfakes, also KI-generierten Inhalten, sind nicht nur Prominente betroffen. Für die Erstellung reicht ein Bild, wie solche, die Menschen auf Social Media posten. Was kann also getan werden, wenn ein Deepfake im Internet landet?

Es braucht Zeit und Geld

Betroffene können eine Strafanzeige stellen oder diesen Schritt an einen Rechtsanwalt abtreten. Dr. Jessica Flint ist Rechtsanwältin. Sie empfiehlt, die Plattformen zu kontaktieren, um die Inhalte zu entfernen. In der Praxis sei dies jedoch schwierig, vor allem falls das Bild plattformübergreifend geteilt wurde: "Teilweise ist es dann notwendig, dass man tatsächlich damit vor Gericht geht, um da wirklich einen weitreichenderen Schutz zu erreichen."

Unterstützung kann man sich in diesem Prozess von Hilfsorganisationen oder kommerziellen Anbietern holen. Aus psychologischer Sicht sei es außerdem klug, sich die Deepfakes nicht selbst anzuschauen, sowie die Tätersuche der Polizei zu überlassen.

Ein rechtliches Problem

Was sie gegen das gefälschte Nacktbild hätte machen können, wusste Teresa Rizos damals nicht. Nach einer Weile war das Bild aus dem Internet verschwunden. Von Fällen sexualisierter Gewalt aus ihrem direkten Umfeld weiß sie: "Wenn es überhaupt zur Anzeige kam, ist es eigentlich nie zu einer wirklichen Bestrafung gekommen."

Dr. Jessica Flint kennt das Problem von ihren Mandanten: "Wir sehen in der Praxis leider, dass tatsächlich Betroffene von Deepfakes oft auf sich allein gestellt sind. Gerade was das Strafrecht angeht. Da sind die Polizeien und auch Staatsanwaltschaften teilweise überfordert und auch nicht richtig ausgestattet mit den richtigen rechtlichen Grundlagen."

Auf eine Anzeige solle man laut ihr trotzdem nicht verzichten. Das mache die Fälle erst sichtbar und sende eine klare Botschaft an die Politik.

Änderungen in Aussicht

Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann wird der Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt breit diskutiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat ein Gesetz gegen digitale sexualisierte Gewalt geplant. Auch auf EU-Ebene wird es Änderungen geben. Vor wenigen Tagen stimmte das Europaparlament für ein Verbot von KI-Systemen, mit denen Porno-Deepfakes erstellt werden können.

Auch in der vergangenen Münchner Runde im BR Fernsehen begrüßte der Bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) die Verschärfung des Strafrechts beim Thema Deepfakes und nahm auch die Plattformen in die Pflicht.

Keine Scham

Teresa Rizos weiß, wie es ist, Betroffene eines sexualisierten Deepfakes zu sein. Betroffenen von sexualisierter Gewalt – digital oder nicht – möchte sie deshalb Folgendes mitgeben: "Versucht, von einer Scham oder Schuldgefühlen, die euch klein fühlen lassen, in eine Wut zu kommen. Und zwar nicht, um die auszuagieren und Rache zu nehmen, sondern um euch zu wehren und Grenzen zu ziehen."

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016) bietet anonyme Hilfe. Hilfe für Betroffene. Weitere Informationen unter www.hilfetelefon.de

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