"Das ist nur der Anfang", schrieb Bara Sapoko Ndiaye vor eineinhalb Monaten unter einem Bild in den sozialen Medien, welches ihn bei seinem ersten Einsatz für die Profis des FC Bayern München zeigte. Es waren die ersten Schritte eines 18-jährigen Mittelfeldspielers, eines Rohdiamanten - für den sich nur wenige Wochen später ein weiterer Lebenstraum erfüllen sollte.
Zwei Tage nach seinem Debüt für die senegalesische Nationalmannschaft am vergangenen Sonntag gegen die USA (2:3) wurde Ndiaye von Trainer Pape Thiaw für die am 11. Juni startende Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA nominiert. Sein bisheriger Aufstieg ist einzigartig.
Leihe, Verletzungen, FIFA-Regeln: Ndiayes schwerer Einstieg
Durchaus überraschend verpflichtete der FC Bayern Ndiaye im Januar auf Leihbasis. Aufgefallen war der Teenager dem deutschen Rekordmeister aufgrund seiner Entwicklung bei den Gambino Stars Africa. Dabei handelt es sich um eine Fußballakademie in Gambia, welche seit 2023 mit Red&Gold Football kooperiert, einem Joint Venture des FC Bayern mit dem Los Angeles FC.
"Bara ist jetzt der Erste, der wirklich oben ankommt. Er soll sich einfach adaptieren und den europäischen Fußball kennenlernen", meinte Sportdirektor Max Eberl damals. Die ersten Schritte in Europa hätten für Ndiaye jedoch kaum kniffliger verlaufen können.
So laborierte der Youngster nach seiner Ankunft noch an einer Blessur, anschließend sah er sich mit einem Trainingsrückstand und einer weiteren kleinen Verletzung konfrontiert. Normalerweise würden dann die ersten Schritte im Nachwuchs oder in der zweiten Mannschaft folgen - im Fall von Ndiaye war dies jedoch ein Tabu.
Aufgrund der strengen FIFA-Regularien, welche keine Nicht-EU-Ausländer im Jugendbereich sowie in der zweiten Mannschaft erlauben, war das Profi-Team der Münchner die einzige Option, um Spielpraxis zu sammeln. Trainer Vincent Kompany schenkte seinem neuen Schützling das Vertrauen.
Blitzschnell und souverän: Ndiaye hinterlässt bei Bayern Eindruck
Beim 5:0-Auswärtssieg der Bayern am Millerntor gegen St. Pauli wurde Ndiaye in der 84. Minute eingewechselt, eine Woche später kam er beim 4:2 gegen den VfB Stuttgart in der heimischen Allianz Arena sogar auf 14 Minuten. Ende April folgte schließlich der absolute Höhepunkt: Zum ersten Mal in seiner Karriere wurde er in die Startelf einer Profi-Mannschaft berufen. Beim furiosen 4:3-Erfolg beim 1. FSV Mainz 05 spielte er 77 Minuten - und wusste seine Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Trainer Vincent Kompany gibt Bara Sapoko Ndiaye Anweisungen auf dem Feld.
Temporekord am Campus: Wie Ndiaye bei Bayern überzeugt
Sein Passspiel gegen Mainz zeugte bereits von einer auffälligen Souveränität (93,65 Prozent angekommene Pässe), darüber hinaus stellt er dank seiner beeindruckenden Laufbereitschaft ein starkes Bindeglied zwischen Mittelfeld und Offensive dar. Zu den Trümpfen des Top-Talents zählt auch sein Tempo: Am FC Bayern Campus brach Ndiaye mit einer gemessenen Geschwindigkeit von über 36 Stundenkilometern den dortigen Temporekord.
Marktwert explodiert: Jetzt wartet die WM auf Ndiaye
Eins steht fest: Ndiaye hat die Gelegenheit am Schopfe gepackt - und sich mit nur insgesamt vier Pflichtspieleinsätzen für die Bayern auf das Radar von Senegals Nationaltrainer Thiaw gespielt. Allein seine Berufung in den vorläufigen WM-Kader war nahezu eine Sensation, seine 90 Minuten auf dem Rasen im USA-Testspiel mündeten jedoch in einen abermaligen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere.
Zum WM-Auftakt gegen Titelfavorit Frankreich wird sein Name etwa neben Sadio Mané und Nicolas Jackson im Kader aufscheinen - und vielleicht sogar in der Startaufstellung.
Durch die nun deutlich erhöhte Aufmerksamkeit wird sein Marktwert gewiss eine weitere Steigerung erfahren. Bereits in den vergangenen fünf Monaten ist dieser regelrecht explodiert. Von 300.000 Euro im Januar stieg Ndiayes Wert laut dem Online-Portal Transfermarkt auf vier Millionen Euro an. Eine Steigerung von 1.233 Prozent, die auch die Frage aufkommen lässt, wie es mit Ndiaye weitergeht.
Mit dem FC Bayern feierte er jüngst die Deutsche Meisterschaft sowie den DFB-Pokalsieg, im Juni begibt er sich auf ein wohl unvergessliches WM-Abenteuer - und dann? Seine Leihe ist bislang nur bis 30. Juni datiert, laut Informationen der Münchner tz soll der FC Bayern aber einen langfristigen Ansatz bei seinem Juwel verfolgen.
Darauf lassen auch die Aussagen Eberl schließen, welche der 52-Jährige bereits im Februar - also weit vor Ndiayes ersten Auftritten im Rampenlicht - traf: "Nach dem halben Jahr werden wir entscheiden, was der nächste, beste Schritt ist. Schafft er es sogar bei Bayern München? Darüber würden wir uns immens freuen."
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