Ein sogenannter "Bayern-Block" hat die großen deutschen Mannschaften, die Weltmeister von 1974, 1990 und 2014 ausgezeichnet. Die Linie begann unter anderem mit Beckenbauer, Maier und Müller 1974, führte über Augenthaler, Reuter und den Ex-Münchnern Brehme und Matthäus 1990 zu Manuel Neuer, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller 2014.
Diese Linie soll - ganz Weltmeister-Omen - nun nach Ansinnen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wiederum weitergezogen werden zu (erneut) Neuer, Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka, Jamal Musiala und Lennart Karl 2026. Deutschlands Fußball-Fans lechzen wieder nach einer erfolgreichen WM-Kampagne.
122 Treffer beim FCB - und nun vier DFB-Tore gegen Finnland
Eben jene Spieler, eben jener Bayern-Block scheint sich just auf der Zielgeraden zur WM auch in der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann zu manifestieren - zumindest trat dies beim vorletzten Testspiel der DFB-Kicker vor der Fußball-WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko zutage, als Nagelsmann auf fünf Münchner Startelfspieler setzte (ein fitter Neuer wäre gar noch hinzugekommen). Die Münchner Nationalkicker drückten dem deutschen Spiel beim 4:0-Kantersieg gegen Finnland ihren Stempel auf, waren entscheidend für drei der vier Treffer. Die Torfabrik produziert (gemeinsam mit dem DFB-Doppeltorschützen Deniz Undav vom VfB Stuttgart statt des Engländers Harry Kane im Verein) also weiterhin ihre Treffer.
Es wirkte zumindest am Sonntagabend gegen das - zugegebenermaßen heillos überforderte und nicht für die WM qualifizierte Finnland - so, als könnten die Münchner die Zeit beim DFB-Team mit dem Saisonhöhepunkt in Amerika nahtlos an ihre Gala-Saison mit 122 Bundesliga-Toren anfügen. Auch in der Fußball-Champions-League waren sie im Halbfinale nur knapp am späteren Sieger Paris St. Germain gescheitert.
Bei Musiala kommt der Spaß nach langer Pause zurück
Besonders elementar erweisen sich dabei zwei Offensivkräfte, mit denen so nicht zu rechnen war, im Team von Trainer Julian Nagelsmann. Da ist einerseits Jamal Musiala, der nach seinem schweren Beinbruch aus dem Sommer 2025 und der damit langen Verletzungspause sowie zuletzt holprigen Wochen wieder zu alter Form findet. Wie als Beweis dafür schoss er bei seinem Comeback nach 15 Monaten ohne Länderspieleinsatz das 4:0 wuchtig aus 16 Metern. "Ich hoffe, es hat jedem Spaß gemacht. Mir schon", sagte Musiala mit einem Lächeln im ZDF. Auch sein "Wusiala"-Pendant Florian Wirtz vom FC Liverpool traf zuvor übrigens.
Für Musiala zählen die kommenden Wochen, das hatte zuletzt auch der Bundestrainer Nagelsmann betont. "Ich habe eine Weile kein Tor geschossen. Das tut mir echt gut, auch ein gutes Gefühl in die nächsten Spiele mitzunehmen", fand der 23-jährige Top-Dribbler, der anders als in den Vorwochen beim FCB auch durchspielen durfte.
Unbekümmerter Senkrechtstarter Karl kriegt Sonderlob
Neben Musiala überzeugten in Abwesenheit des noch an der Wade verletzten Münchners Neuer wenig überraschend auch die Arrivierten Kimmich und Tah. Auch Pavlovic machte einen äußerst stabilen Eindruck als Ballverteiler auf der Doppelsechs. Und der Jüngste, der 18-jährige Lennart Karl, feierte dabei ein Länderspiel-Startelfdebüt nach Maß, zeigte über weite Strecken seine Klasse und narrte seine Gegenspieler.
"Er hat genau das auf den Platz gebracht, was wir von den jungen Spielern brauchen", fand Kapitän Kimmich - und erläuterte näher dazu. "Es bringt keinen vorwärts, wenn man sich nichts traut. Genauso etwas brauchen wir wie den Lenny, der sich viele Dinge zutraut, mutig ist und an sich selbst glaubt."
Karl mit Geistesblitz, Vorlage und Pfostenschuss
Dazu zählte etwa auch, dass er das 1:0 mit einem Geistesblitz einleitete. Karl rannte zur Eckfahne, sah seinen Mitspieler Kimmich und führte die Ecke daher schnell aus, statt auf Kimmich zu warten. Der legte umgehend das Kopfballtor von Undav vor. Die Szene hätte man genau so auch in der Münchner Arena sehen können, nur dass dann Karl und Kimmich rote statt blaue Trikots getragen hätten - und Kane im Zentrum gestanden wäre. Diese Spielintelligenz und die Unbekümmertheit Karls braucht es allerdings für eine solche Situation.
Später traf er noch den Außenpfosten - und legte das 3:0 nach einem feinen Solo und per genau getimten Steilpass für Undav vor. "Ich kenne ja Denizs Laufwege", erzählte Karl nach der Partie gelöst - und fand zu seiner Leistung: "Ich habe einfach Bock zu zocken, ich scheiße mir nix. Ich gebe Vollgas ... Dann kommen ein paar Skills dazu."
Neuer ältester WM-Fahrer, Karl jüngster
Diese Skills, diesem Umstand ist sich der gebürtige Unterfranke bewusst, die hat er - und andere nicht. "Er hat super viele Aktionen in der ersten Halbzeit gehabt. Er hat viel probiert, viel riskiert. Er wird für uns sehr wertvoll sein", sagte Nagelsmann. Der zudem betonte, dass es genau diese Mischung aus erfahrenen Kräften wie Kimmich und jungen wie Karl brauche in seiner Mannschaft.
Im Sinne der alten Weltmeistermannschaften kommt dem Bundestrainer nun vermutlich entgegen, dass er diese Mischung schon in seinem Bayern-Block vorfindet: Neuer ist der älteste und erfahrenste Kicker im WM-Kader, Karl der jüngste und unbekümmertste. Nun muss er eben deren Form aus der Saison weiter konservieren und möglicherweise gar steigern.
FC-Bayern-Spieler Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic im Interview
Deutschland - Finnland
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