Die deutschen Handballer gewinnen im Halbfinale gegen Kroatien mit 31:28 und stehen erstmals seit dem Triumph von Krakau 2016 im Finale einer Europameisterschaft. Nils Lichtlein, Neffe von Handball-Legende Carsten Lichtlein, hat zehn Jahre nach dem EM-Erfolg seines Onkels die Möglichkeit, es ihm nachzumachen.
Nils Lichtlein übernimmt Verantwortung
Der 23-Jährige Nils Lichtlein gilt als eines der größten Versprechen im Welthandball. Sein Förderer und Geschäftsführer der Füchse Berlin, Bob Hanning, sagte über ihn: "Er hat die Begabung, eine Sekunde in der Zukunft zu spielen." In Berlin hat er sich schon zum Spielmacher und Führungsspieler etabliert.
Auch bei der Handball-Europameisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden ist der gebürtige Regensburger zum wichtigen Faktor im DHB-Team geworden. Spätestens seit dem 32:30-Erfolg über Portugal übernimmt er auch Verantwortung.
Siebenmeterschütze Lichtlein
Als der gesetzte Spielmacher Juri Knorr Probleme hatte, sprang Lichtlein ein, sortierte den deutschen Angriff und brachte Ordnung in das Spiel. Außerdem nahm er seinem Teamkollegen Lukas Zerbe eine große Last ab. Der Siebenmeterschütze hatte mit einer Trefferquote von 60 Prozent nicht überzeugen können. Im Spiel gegen Portugal durfte dann auch Lichtlein ran - und traf drei von vier Würfen.
Er war selbst überrascht gewesen, diese Rolle übernehmen zu dürfen. Bundestrainer Alfred Gislason erklärte seine Entscheidung mit Leistung: „Ich habe in den vergangenen Tagen Siebenmeter werfen lassen: drei, vier Leute. Ich sitze dann immer in der Ecke und gucke zu, was die machen. Aus meiner Sicht war Nils mit Abstand der Beste dabei."
DHB-Team mit Teamleistung ins Finale
Doch beim 31:28-Erfolg stand der 23-Jährige Lichtlein mit einem getroffenen Siebenmeter nicht im Fokus, die ganze Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason erbrachte eine überragende Leistung. Mit sieben verschiedenen Torschützen hatte die deutsche Mannschaft zwischenzeitlich einen Vorsprung von sieben Toren.
Aber vor allem die defensive Leistung war ausschlaggebend für den Finaleinzug. Torwart-Wand Andreas Wolff glänzte wieder mit starken Paraden und wurde zum "Man of the Match" gekürt. Trotz einer spannenden Schlussphase, in der Kroatien noch auf zwei Punkte herankam, behielt das deutsche Team die Nerven und sicherte sich den Sieg.
Große Fußstapfen von Onkel Carsten
Durch den Finaleinzug hat Lichtlein nun die Chance, in die Fußstapfen seines Onkels Carsten Lichtlein zu treten. Der gebürtige Würzburger gewann als Torwart mit dem DHB-Team vor zehn Jahren die Europameisterschaft in Krakau. Der heutige Torwarttrainer gilt als Handball-Held, holte neben Krakau 2016 auch den EM-Titel 2004 und wurde 2007 Weltmeister. Dafür wurde er mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.
Große Fußstapfen also, in die sein Neffe Nils nun tritt. Doch mit dem Druck kann der U21-Weltmeister gut umgehen, wie er bei der aktuell laufenden Europameisterschaft bereits unter Beweis gestellt hat.
Im Video: Deutschlands Handballer im Finale der Europameisterschaft
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der EM nicht zu bremsen. Am Sonntag spielt Deutschland gegen Dänemark oder Island.


