Philipp Raimund
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Raimund über Hassrede und Rassismus: "Hat nirgends was verloren"

Viele Sportler sind auf Instagram Hasskommentaren ausgesetzt. Bei "Blickpunkt Sport" erzählen die frischgebackenen Medaillengewinner Philipp Raimund, Coletta Rydzek und Laura Gimmler von ihren Erfahrungen, von skurrilen Nachrichten und purem Hass.

Über dieses Thema berichtet: Blickpunkt Sport am .

Heutzutage kann die ganze Welt 24/7 kommentieren, wie Philipp Raimund skispringt, was Coletta Rydzek im Interview sagt, wie klein oder groß Laura Gimmlers Rückstand auf die Erstplatzierte ist. Social Media erlaubt es jedem User, in Echtzeit die Meinung darüber zu teilen, was auf der sportlichen Bühne passiert. Eine omnipräsente Flut an Nachrichten, Meinungen und Kommentaren, denen Sportler und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ausgesetzt sind.

Langläuferin Laura Gimmler, die bei den Olympischen Spielen gemeinsam mit Coletta Rydzek Bronze gewonnen hat, erzählte in der Sendung "Blickpunkt Sport" im BR Fernsehen: "Nach einer Staffel war es ziemlich unglücklich, da sollte man das Handy besser weglegen."

Philipp Raimund: "Meinungen, die absolut nichts verloren haben"

Selbst diejenigen können auf Social Media mitreden, die sich bei der jeweiligen Disziplin kein bisschen auskennen. In einem Hasskommentar auf Coletta Rydzeks Instagram-Account etwa habe sich ein User gar in der Sportart vertan: "Er hat uns mit Biathlon verwechselt", sagte die Langläuferin und lachte: "Der hat unter einen Post geschrieben: 'Und das mit Schießfehler.'"

Doch zum Lachen sind längst nicht alle Kommentare, vor allem nicht, wenn sie in die Kategorie Hate Speech fallen: "Wenn es in Richtung Hassrede oder Rassismus geht, das hat einfach nirgendwo etwas verloren und da bin ich auch voll dagegen", sagt Philipp Raimund. Der frischgebackene Goldmedaillengewinner im Skispringen spricht aus Erfahrung.

Ob Erfolg, Misserfolg, Leistungs-Hoch oder Leistungs-Tief - der junge Skispringer bekam Hassnachrichten ab. "Ich bin der Meinung, dass sich heutzutage sehr viele zu viele Rechte rausnehmen und ihre Meinungen kundtun, die absolut nichts verloren haben, nichts im Sport, allgemein nicht in der Gesellschaft", sagt der 25-Jährige bei "Blickpunkt Sport".

Opfer von Hate Speech wehren sich

Mittlerweile werden Hassnachrichten immer mehr zum Thema. Sportler teilen beleidigende Nachrichten, die in ihrem privaten Instagram-Postfach ankommen, in ihren Storys. Athletinnen sprechen offen über Hate Speech.

Auch Felix Bitterling, Sportdirektor des deutschen Biathlon-Teams, prangerte während Olympia die zunehmende Verunglimpfung seiner Athletinnen auf Social Media an: "Das ist total inakzeptabel" und "unter der Gürtellinie". Die hochdekorierte Biathletin Franziska Preuß sprach von "Psychoterror". Preuß verriet, dass Mitmenschen ihr mittlerweile dazu raten: "Schau ja nicht in Social Media, was über dich geschrieben wird."

KI-Tool soll Hasskommentare herausfiltern

Kritik ist erwünscht, Hatespeech völlig daneben, da sind sich Bitterling, Preuß und Raimund einig. "Wir reden hier über Sport und es sollte auch Sport bleiben. Man kann uns gerne kritisieren für das, was wir nicht gut machen, aber bitte auf einem gewissen Niveau", sagte Bitterling.

Dass Hate Speech zum Thema wird, dass Athleten und Trainer, die Opfer von Hate Speech werden, darüber in der Öffentlichkeit sprechen, interpretiert Skispringer Raimund als positive Entwicklung. Bei "Blickpunkt Sport" sagt er: "Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht wird."

Mittlerweile hat auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagiert: Er stellte den Sportlern ein KI-Tool zur Verfügung, das Hasskommentare aus den Social-Media-Accounts der Athleten herausfiltern kann. Die Sportler sollten sich mit dieser Hilfe wieder vollkommen auf ihren Wettkampf konzentrieren können. Die Beleidigungen werden quasi in Echtzeit eliminiert.

Coletta Rydzek: "Schade, dass man gleich verurteilt wird"

Denn vor allem in Phasen des Misserfolgs ploppen beleidigende Nachrichten auf dem Handy-Display der Sportler auf. Vor allem dann, wenn es - wie bei Olympia - nur um Gold, Silber, Bronze geht, wird jeder Platz abseits der Top drei als Niederlage aufgefasst.

Langläuferin Rydzek sagt bei "Blickpunkt Sport" dazu: "Alle, die da (Anm.: bei Olympia) mitmachen, geben jeden Tag alles, aber es klappt halt nur für drei Leute - und das ist schade, dass man dann gleich auch so verurteilt wird, wenn man es nicht so gut gemacht hat oder Vierter wird."

Die Oberstdorferin wünscht sich mehr Begeisterung und Zuspruch für die Leistungen der Athleten im Allgemeinen, nicht nur für die wenigen Medaillengewinnerinnen. Raimund pflichtete Rydzek bei: "Die Leistungen werden in vielen Hinsichten geschmälert, wenn es ein vierter Platz ist. Wir geben alles, wir werden nicht freiwillig Vierter."

Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten - und Hilfsangebote

Doch bei all den negativen Inhalten, mit denen sich Sportler und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, konfrontiert sehen, gibt es natürlich auch viele Glückwünsche und wohlgesonnene Nachrichten, erzählt Rydzek - und sogar Hilfsangebote.

Denn Rydzek hatte nach dem Bronze-Rennen verraten, dass sie sich vor lauter Nervosität übergeben hätte. Der Instagram-Account eines gängigen Magen-Darm-Heilmittels habe daraufhin eine Nachricht hinterlassen: "Sie haben gesagt: Beim nächsten Mal soll ich mich melden!"

Und auch Raimund kann über vieles schmunzeln, was geschrieben wird: "Es kommen immer wieder ein paar Leute, wo man es nicht direkt einschätzen kann: 'Ist es jetzt ein Kompliment, was ihr meint, oder was ist die Idee dahinter? Aber im Endeffekt meinen es die meisten immer gut."

Dieser Artikel ist erstmals am 23.02.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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