Wer in diesen Tagen einen Schokohasen kauft, könnte fast meinen, er sei mit Blattgold überzogen und nicht nur in goldglänzende Folie gewickelt. Nach Daten des Statistischen Bundesamts kostete Schokolade im Februar 2026 durchschnittlich 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das fügt sich in einen längeren Trend: Schon 2024 lagen die Preise 40 Prozent über dem Niveau von 2020.
Gerade vor Ostern fällt die Preissteigerung besonders auf, weil ausgerechnet Schokolade für viele ganz selbstverständlich ins Nest gehört. Der wichtigste Preistreiber war dabei in letzter Zeit nicht Zucker, nicht Milch und auch nicht die Verpackung – sondern der Kakao. Das zeigen die amtlichen Vorstufenpreise deutlich.
Kakao wieder billiger, aber zu spät
Zwar meldete das Statistische Bundesamt für Januar 2026 bereits eine kräftige Entspannung: Rohkakao war im Import 46 Prozent günstiger als im Januar 2025, Kakaobutter, Kakaofett und Kakaoöl 44 Prozent. Doch an der Ladenkasse kommt das nicht sofort an. Zwischen Rohstoff, Verarbeitung und Regal liegen Monate, oft auch ältere Verträge und teurere Lagerbestände. Hinzu kommt: Nicht alle anderen Kosten sind gleichzeitig gefallen. So waren importierte geschälte Haselnüsse im Januar 2026 mehr als 55 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Statistik zeigt also zweierlei zugleich: Kakao ist zuletzt billiger geworden – aber zu spät, um die Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher rechtzeitig vor Ostern nach unten zu ziehen.
Ostereier 15,9 Prozent teurer als 2025
Bei den Eiern wiederum ist die Lage noch einmal anders als bei der Schokolade. Hier geht es vor allem um eine Schieflage von Angebot und Nachfrage. Der Anstieg von Geflügel und Eiern in Höhe von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt in erster Linie an wiederholten Ausbrüchen der Vogelgrippe bei Geflügel in Deutschland, darunter auch in hühnerhaltenden und Legehennen-Betrieben. Parallel dazu stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft 2025 um vier Eier auf 252 Eier. Auch hier kann der Osterhase also weniger für den Preisanstieg als die angespannte Marktlage.
Keine "Oster-Inflation"
Gegen eine generelle Oster-Inflation bei Lebensmitteln spricht dagegen das Gesamtbild. Nahrungsmittel insgesamt lagen im Februar 2026 nur ein Prozent über dem Vorjahresmonat, im Januar waren es noch zwei Prozent gewesen. Das Statistische Bundesamt spricht daher ausdrücklich von einer abgeschwächten Teuerung bei Nahrungsmitteln. Der Einkauf wird vor Ostern also nicht auf breiter Front deutlich teurer.
Neben Schokolade und Eiern mussten Verbraucherinnen und Verbraucher zuletzt auch für Rind- und Kalbfleisch spürbar mehr bezahlen. Andere Produkte wurden dagegen günstiger, etwa Butter, Kartoffeln oder Molkereiprodukte. Die Statistik erzählt also keine Geschichte von einem generell teuren Ostern, sondern von wenigen Produkten, die besonders stark herausstechen.
Gefühlte Inflation im Osternest
Ein Blick auf den Trend der vergangenen sechs Jahre zeigt, dass die Preise für Lebensmittel vor allem im ersten Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in die Höhe geschnellt sind – und weil der Krieg mittlerweile ins fünfte Jahr geht, auch nicht wieder gesunken sind. Auf den generellen Verbraucherpreisindex schlägt sich dieser politische Hintergrund weniger deutlich nieder.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Osterpreise: Im großen Warenkorb der Inflation sind Schokolade und Eier keine Schwergewichte. Wenn ausgerechnet die Produkte teurer werden, die viele am selben Wochenende kaufen, fühlt sich Ostern schnell besonders kostspielig an. Gefühlt sitzt die Inflation dann nicht im Einkaufskorb – sondern im Osternest.
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