Bild eines Tieres mit langem Hals und langem Schwanz, das einer Eidechse ähnelt.
Bildrechte: Gabriel Ugueto

Die Vorfahren der Schildkröten sahen eher Eidechsen ähnlich.

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Verwandt mit Vögeln und Krokodilen: Neue Studie zu Schildkröten

Experten gingen davon aus, dass es sich bei einem in Südafrika gefundenen Fossil um die Ur-Schildkröte handelt. Ein internationales Forscherteam kommt aber zu anderen Erkenntnissen – an den Analysen war auch ein fränkischer Wissenschaftler beteiligt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Die Schildkröten, die wir heute kennen, haben den charakteristischen Panzer. Doch die Vorfahren der Tierart hatten ihn nicht. Aus welchen Tieren haben sich Schildkröten tatsächlich entwickelt? Wer waren ihre Vorfahren? Bislang galt ‘Eunotosaurus africanus’, ein rund 260 Millionen Jahre altes Fossil aus Südafrika, als mögliche "Ur-Schildkröte".

Ein internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, dass es sich dabei nicht um einen Schildkröten-Vorfahren handelt, sondern um eine Tierart, die lediglich Ähnlichkeiten mit dem Panzertier aufweist. Die Ergebnisse ihrer Studie hat die Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift "Current Biology" (externer Link) veröffentlicht.

Schildkröte mit Vögeln und Krokodilen verwandt

In dem Artikel "The phylogenetic origin of turtles" heißt es, dass die evolutionären Ursprünge der Schildkröten nach wie vor ein Rätsel der Biologie seien. Erbgutanalysen zeigten eine Verwandtschaft zwischen Schildkröten und Archosauriern. Bei letzterer handelt es sich um eine Gruppe, zu der Vögel und Krokodile gehören.

Bei morphologischen Merkmalen, also Eigenschaften, die sich auf die Form, Gestalt, Struktur oder den äußeren Aufbau der Tiere beziehen, zeigten sich jedoch Widersprüche – sowohl zu anderen heute lebenden Reptilien als auch zu ihren nächsten fossilen Verwandten. Der Eunotosaurus aus Südafrika weist zwar anatomische Ähnlichkeiten mit der Schildkröte auf, die sind aber nach Meinung der Forscher nicht auf einen gemeinsamen genetischen Stammbaum zurückzuführen, sondern haben sich parallel zur Evolution der Schildkröte entwickelt.

Panzer hat womöglich andere Entstehungsgeschichte

Die detaillierten Analysen der Anatomie lieferten auch neue Erkenntnisse zur Lebensweise ursprünglicher Schildkröten, heißt es in der Pressemitteilung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Die ursprünglich vermutete Ur-Schildkröte Eunotosaurus war wahrscheinlich eher eine grabende Echse. Das zeigten Anpassungen des Skeletts wie verbreiterte Rippen oder robuste Krallen, wie etwa bei Gürteltieren.

Die verbreiterten Rippen galten als Ursprung des Panzers, waren aber eine anatomische Entwicklung, die der Anpassung an den Lebensraum diente. Die Vorfahren der Schildkröte hatten dagegen einen langen Hals. Ihr Aussehen glich eher dem einer Eidechse. Möglicherweise habe sich der Schildkrötenpanzer erst im Wasser entwickelt, vermuten die Forschenden.

Fränkischer Paläontologe an Studie beteiligt

Zu dem internationalen Expertenteam, das zu den Vorfahren der Schildkröte forschte, gehörte unter anderem Serjoscha Evers, der Leiter des Urwelt-Museums Oberfranken in Bayreuth. Es ist eines von zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).

Die aktuelle Verwandtschaftsanalyse liefert erstmals belastbare Beweise für die genetisch vorhergesagte Nähe der Schildkröten zur Vogel-Krokodil-Gruppe. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schildkröten tatsächlich die nächsten lebenden Verwandten der Archosaurier sind", sagt Paläontologe Evers zu den Ergebnissen der Studie. "Zugleich können wir die zeitliche Einordnung ihrer Entstehung vor 255 Millionen Jahren gegen Ende des Perms präzisieren."

Fossilien mit CT-Technologie untersucht

Das Forschungsteam untersuchte die Fossilien mithilfe hochauflösender Computertomografie und analysierte die anatomischen Merkmale im Detail. "Wir haben ein sehr breites Spektrum potenzieller Schildkröten-Verwandter in unsere Studie einbezogen", sagt Evers. "Entscheidend war die Kombination aus moderner CT-Technologie und der Expertise eines interdisziplinären Teams."

An der Studie waren 15 Forschende aus den USA, Südafrika, Großbritannien, Frankreich und Deutschland beteiligt. Geleitet wurde sie von Xavier Jenkins vom American Museum of Natural History in New York.

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