Wenn Mieter nicht zahlen, bleibt den Vermietern nur der Klageweg. Doch der gestaltet sich häufig als langwierig, teuer und belastend.
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Wenn Mieter nicht zahlen, bleibt den Vermietern nur der Klageweg. Doch der gestaltet sich häufig als langwierig, teuer und belastend.

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Albtraum Mietnomaden: Wenn Vermieter um Haus und Existenz ringen

Wenn Mieter nicht zahlen, bleibt den Vermietern nur der Klageweg. Doch der gestaltet sich häufig als langwierig, teuer und belastend. Vor allem, wenn sogenannte Mietnomaden den Prozess geschickt in die Länge ziehen.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Eine Frau steht vor einem Reihenmittelhaus im Landkreis Fürstenfeldbruck, das erst vor zwei Jahren gebaut wurde. Seit Monaten hat sie keine Mietzahlungen mehr erhalten. Jetzt wird das Haus von Polizei und Gerichtsvollzieher geräumt, die Mieter sind in der Nacht verschwunden. Aus Angst vor den ehemaligen Mietern möchte sie ihren Namen nicht nennen – darf erstmals wieder in ihr Haus und ist "erleichtert, dass ich drin bin und wir das Haus wieder zurückhaben".  

Doch sie steht vor massiven Schäden. Ursprünglich war im Wohnzimmer eine Glaswand, die wurde von den Mietern ersetzt durch eine nachträglich eingezogene Wand. Hinzu kommt ein Wasserschaden: Aus der Dusche im Keller ist Wasser in die Bodenplatte gelaufen, auch Nachbarhäuser sind betroffen. 

Vermieter bleiben häufig auf Kosten sitzen

Die Vermieter kündigen im vergangenen Mai fristlos. Doch das Räumungsverfahren dauert, Termine werden verschoben. Die Gegenseite, eine Familie, so findet die Frau heraus, ist auch schon bei ihren vorherigen Vermietern ähnlich vorgegangen: "Die Mieten werden eine Zeit lang gezahlt und dann nicht mehr. Dann dauert es bei Gericht. So lange dürfen sie da drin leben."

Ende Februar 2026 verkündet das Amtsgericht Fürstenfeldbruck das Urteil: Die Familie muss ausziehen und Miete, Gerichts- und Anwaltskosten zahlen. "Ich bin erleichtert, dass es zu Ende ist", sagte die Frau damals. Doch auch nach dem Urteil muss sie Geld für den Gerichtsvollzieher vorstrecken, um die Räumung durchzusetzen: "Ohne Gerichtsvollzieher komme ich nicht rein, also es bleibt gar keine andere Möglichkeit." Ob sie das Geld jemals wieder sieht – mehr als fraglich.

Räumungsklagen dauern oft lange

Häufig braucht es Monate bis Jahre, bis das Gericht final über eine Räumungsklage entscheidet. Dass sich Verfahren so lange hinziehen, hat System – sagen Vermieter. Mit Befangenheitsanträgen, Gegenklagen und immer neuen Schriftsätzen beschäftigen sogenannte Mietnomaden die Gerichte, bleiben derweil in den Wohnungen und zahlen nicht.

Helmut Haller vom Bodensee kämpft seit drei Jahren mit einer besonders gewieften Mieterin. Die Wohnung in München ist zwar inzwischen geräumt, doch jetzt klagt die Frau auf Wiedereinzug. Haller muss für jeden Prozesstag vom Bodensee nach München fahren: "Wir machen jetzt das Verfahren schon seit drei Jahren. Das hat unheimlich viel gekostet. Mal abgesehen davon, dass sie keine Miete bezahlt hat, fallen natürlich auch immer Gerichtsgebühren an und Anwaltskosten."

Bereits Vorvermieterin Silvia S. musste die Frau aus der Wohnung klagen, wegen Mietschulden. Doch damit nicht genug: "Sie hat mich gestalkt und immer wieder irgendwelche Gegenklagen eingereicht, ich würde hier und da nicht rechtmäßig handeln. Das ist im Endeffekt sehr anstrengend, wenn man monatlich noch die Wohnung abzahlt, den Kreditvertrag hat und deswegen auf die Mieteinnahmen angewiesen ist."

Gerichte im Spannungsfeld

Zurück nach Fürstenfeldbruck: Die Räumungsklage für das Reihenmittelhaus wurde am Amtsgericht Fürstenfeldbruck verhandelt. Pressesprecherin Alexandra Marinelli erläutert: "Der Mieter, der verliert den Wohnraum, das ist doch ein erheblicher Eingriff. Deswegen muss letztlich dem die Möglichkeit gegeben werden, auch seine Rechte zu vertreten." Doch genau diese Rechte werden von Mietnomaden genutzt, um Verfahren zu verzögern.

Der BR hat mit den betroffenen Mietern aus beiden hier genannten Fällen Kontakt aufgenommen und sie um eine Stellungnahme gebeten. Diese haben entweder nicht geantwortet oder wollten sich zum Vorwurf nicht äußern.

Für Rudolf Stürzer vom Haus- und Grundbesitzerverein München zeigt sich hier ein Trend: "Das sind alles so kleine Mosaiksteine, die letztlich in den letzten zehn, 15, 20 Jahren zu einer massiven Verschlechterung der Vermieterposition geführt haben und die halt auch auf den Neubau durchschlagen. Warum wird denn nichts mehr gebaut? Oder für die Mietwohnungen nichts mehr gebaut?" 

Das Bundesjustizministerium teilt auf Anfrage des ARD-Politikmagazins report München mit, man sehe keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf. 

Für die betroffenen Vermieter bleibt das Gefühl, dass sie in Deutschland schlecht geschützt sind. "Man weiß leider, sie ziehen jetzt zum Nächsten. Man kann da wirklich eigentlich gar nichts gegen tun."

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