Zum Auftakt des Mordprozesses um eine erschossene Mutter dreier Kinder hat sich der Angeklagte Gino F. vorerst nicht zur Tat geäußert. Der 29-Jährige verfolgte die Verlesung der Anklage und die Tatort-Schilderungen der Polizisten vor dem Landgericht Augsburg am Montagmorgen äußerlich völlig ungerührt. Auch als Fotos der Leiche gezeigt wurden, blickte der Angeklagte nur kurz auf den Bildschirm.
Vier Schüsse in den Kopf der Mutter
Die Stimmung im vollbesetzten Gerichtssaal war angespannt. Denn dem Deutschen aus dem Raum Landsberg wird Mord aus Heimtücke vorgeworfen: Er soll an einem späten Abend im Mai 2025 die 30-jährige Nina H. in deren Wohnung in Augsburg-Haunstetten mit vier Schüssen in den Kopf getötet haben. Zwei der drei Kinder der Frau waren während der Tat im Haus. Die achtjährige Tochter rief zunächst ihre Oma an, die Mutter der Getöteten. "Es ist alles voller Blut, der Mama geht’s nicht gut", soll die Tochter am Telefon ihrer Oma gesagt haben, die daraufhin die Polizei alarmierte.
"Zuerst hörte ich kindliche Hilfeschreie", sagte einer der Polizisten, die als erste am Tatort eingetroffen waren. "Tochter und Sohn standen dann weinend vor uns." Ein weiterer Polizist berichtete, dass die beiden Kinder "zwei Meter hinter der Verstorbenen standen. Ich habe die Tochter dann in den Arm genommen und bin über die Tote gestiegen. Sie war apathisch, sehr eingeschüchtert, mit starrem Blick", sagte der Beamte weiter aus. Bezüglich des mutmaßlichen Täters habe das Mädchen gesagt, dass der Mann wie Papa ausgesehen habe.
Angeklagter soll Frau ausgespäht haben
Der Fall hat eine komplexe Vorgeschichte. Nina H. hatte drei Kinder. Die älteste Tochter, die die Oma anrief, stammte aus einer früheren Beziehung. Die beiden jüngeren Kinder hatte sie jedoch mit einem älteren Mann, zu dem sie die Beziehung erst wenige Wochen vor der Tat beendete.
Dieser Ex-Partner soll sehr eifersüchtig gewesen sein und zwanghaft versucht haben, Nina H. zu kontrollieren. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft beauftragte der Kindsvater deshalb seinen Ziehsohn Gino F., seine Ex-Partnerin auszuspähen. Dafür sei F. extra in die Nähe der Getöteten gezogen. Nina H. habe sich von Gino F. belästigt gefühlt, so die Anklage.
Am Abend der Tat soll der Angeklagte dann zunächst seinen Beobachtungsposten vor dem Haus der Mutter bezogen haben. Anschließend habe er sich Zutritt zur Wohnung verschafft und die Frau aus nächster Nähe erschossen. Die Tatwaffe habe er in einem Bach entsorgt.
Langwieriger Indizienprozess
Welches Motiv der Angeklagte für die Tat gehabt haben könnte und welche Rolle sein Ziehvater, der nicht mitangeklagt ist, dabei spielte, steht im Zentrum des komplexen und wohl langwierigen Prozesses. Denn: Es gibt nur Indizien wie DNA-Spuren, die mutmaßliche Tatwaffe und Aussagen aus dem Umfeld. Insgesamt 20 Verhandlungstage sind angesetzt, im Juni könnte ein Urteil fallen.
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