- In Teil 1 unseres Bayern-Rückblicks 2025: Terror in Bayern, ein Wahlkampf im Schnee und die Frage, wie sehr Künstliche Intelligenz bayerische Realitäten ins Rutschen bringt.
"Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirre sie": könnte als Motto über dem Jahr 2025 stehen, stammt aber aus alten Kater-Garfield-Büchern. Wobei erst jetzt auffällt, dass man die mit "KGB" abkürzen kann. Zufall? Und warum heißt Putins KGB nicht mehr KGB, sondern SWR, wie unsere Rundfunkanstaltskollegen im Südwesten?
Wie die Staatsregierung gegen Falschinformationen vorgeht – und echte einspart
Gut, dass Bayerns Staatsregierung seit dem bald vergangenen Jahr mit einem Internetangebot vor Fake News warnt – etwa jenem vielgeteilten Post, der behauptet, Katzen seien in Wirklichkeit eine außerirdische Spionageeinheit. Name des neuen Portals: "Gelogen?! Lass dich nicht manipulieren" (externer Link).
Weniger gut, dass die Staatsregierung sich zugleich seriöse Information erspart. Etwa den jährlichen Klimabericht. Greenpeace sieht einen Zusammenhang mit dem fast zeitgleich aufgegebenen Ziel bayerischer Klimaneutralität bis 2040, vergleicht das Vorgehen mit – ups – Donald Trump. Abgeschafft wird auch der Gleichstellungsbericht. Im letzten von 2018 konnte man lesen, dass der Frauenanteil im öffentlichen Dienst mit zunehmender Besoldungsstufe abnimmt. Aktueller: In Bayerns Regierung sitzen neben Markus Söder 13 Männer und vier Frauen.
- Gelogen?! Neues Internetportal gegen Fake News
- Bayern will Gleichstellungsbericht und Klimabericht kippen
Wurst und Unwurst: Das große Umbenennen
Die Staatsregierung selbst spricht nicht von Informations-, sondern von "Bürokratieabbau" im Rahmen des "4. Modernisierungsgesetzes". Woran man sehen kann, wie wichtig der richtige Name ist. Besonders, wenn's um die Wurst geht.
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen im Supermarkt eine "vegane Bratwurst" - und stellen daheim fest, dass gar kein Fleisch drin ist! Derartiger Unwurst will das EU-Parlament einen Riegel vorschieben, was im BR24-Forum grillrostheiß diskutiert wird. Mit angeschoben hat übrigens CSU-Agrarminister Alois Rainer (Söder-Kosename: "Der schwarze Metzger") - der seine Zustimmung später aber in "Ablehnung" umbenannte.
Audio: Metzgerverband in Feierlaune. Oder?
Markus Söder nimmt beim Frühschoppen der CSU München-West in Aubing eine kleine Aufmerksamkeit der bayerischen Metzgerinnung entgegen.
"Nicht total sexy": BAFöG in Bayern
Dass die CSU von Brüssel die Umbenennung von Scheuermilch fordert, ist Fake News. Fakt hingegen ist die Erkenntnis von Forschungsministerin Dorothee Bär, dass der Name des Bundesausbildungsförderungsgesetzes BAFöG "nicht total sexy" klingt.
Der BAFöG-Höchstsatz liegt bei 855 Euro. Ein WG-Zimmer kostet im bayerischen Durchschnitt über 600 Euro; allein in München-Oberbayern warten 8.800 Studierende auf einen Wohnheimplatz. Ein neuer Begriff, etwa in die Richtung "Stipendiensystem", könnte vielleicht helfen, sagt Bär. Über Vorschläge wäre sie dankbar. Studentenfutter? Schlaukopfkissenpauschale? Überlegenswert auch eine Umbenennung von Dorothee Bär (Oppositions-Kosename: Problem-Bär) in "Dorothee Koala". Von Friedrich Merz in ein hochsommerliches "Friedrich August". Von Markus Söder in … Doch wir schweifen ab.
Im Audio: Notunterkunft für Studierende: Das kostet ein Zimmer ohne Bett
Haus 14 in der Münchner Studentenstadt: Hier wohnt Studentin Olena in einer Notunterkunft.
(K)ein Prosit der Gemütlichkeit
Für herbstliche Abkühlung sorgt das Oktoberfest, das zwar auch in diesem September wieder Oktoberfest heißt – aber nicht immer so aussieht. Gleich dreimal wird die Wiesn geschlossen. Am zweiten Wiesn-Samstag und abermals am Tag der Deutschen Einheit wollen so viele rein in die Zelte und raus aus den Zelten, dass es weder vor- noch zurückgeht und die Festleitung die Wiesn zeitweise dichtmacht.
"Das war ganz krass, so habe ich das noch nie erlebt. Wir haben Angst gehabt und keine Luft mehr gekriegt". Wiesnbesucherin zu BR24
Die dramatischste Sperrung beginnt mit einem brennenden Haus und Explosionen im Münchner Norden: Ein tödlicher Familienstreit (alles dazu hier), dessen Urheber ein "bombiges Erlebnis" auf dem Oktoberfest androht. Die Folgen: Großeinsatz, Notfallalarm auf Handys, wieder Vollsperrung.
Im Video: Wiesn wegen Überfüllung geschlossen
Die Theresienwiese ist überfüllt
6,5 Millionen Maß werden trotzdem geleert. Rasch, damit sie nicht lack werden. Also lädschert. Bei Bügelbier- oder "Maurerflaschen" wäre das anders, weil der Verschluss auf- und wieder zugemacht werden kann und ganz ohne EU-Verordnung Müll vermeidet. Womit wir bei Rainer Frank wären.
Ein Plöpp! auf den letzten Bügelbierflaschenzudrücker
Jahrzehntelang hat Frank Bierflaschenbügel zugedrückt – immer montags, wenn in der Brauerei Berghammer, in Oberndorf bei Bad Abbach, abgefüllt wird. 3.000 Flaschen in der Stunde, beidhändig, an die 15 Millionen insgesamt. Heuer wurde er von einer Maschine ersetzt. Ob die schneller ist? Die Abendschau hat's getestet.
Im Video: Keiner war schneller als Rainer
Ende für den Bügelbierflaschenzudrücker.
Abgesänge: Bachauskehr und Beutel leer
Es liegt viel Abschied in der bayerischen Luft 2025. Das einst so pralle Stadtsäckel von Ingolstadt: leer. Tausende Arbeitsplätze, zum Beispiel in Schweinfurt: weg. Der Hersteller von Paul McCartneys Lieblingsbass wie auch der Lieblingsgitarre des verstorbenen Chris Rea: insolvent; genau wie 3.220 andere bayerische Betriebe.
Die historische Kissinger Hütte: abgebrannt. Desgleichen das alte Thurn-&-Taxis-Jagdschloss; beides wenigstens ohne Verletzte und nicht durch Brandstiftung. Die Kühltürme von Gundremmingen: gesprengt. Die Münchner Eisbachwelle: bei der Bachauskehr abgetaucht. Warzenbeißer und Riedteufel im Allgäuer Hundsmoor: am Aussterben.
Ein ziemlich vielstimmiger Abgesang. Was seine Melodielinien verbindet, ist ein Gefühl bedrohter Identität.
"Das war so eine Landmarke. Man hat gewusst, das ist Heimat, wenn man die Türme sieht. Jetzt ist das von heute auf morgen einfach nicht mehr da" Gundremminger nach der Sprengung
Im Video: Das Ende der Kühltürme von Gundremmingen
Rund 30.000 Zuschauer kamen zur Sprengung der beiden Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks in Gundremmingen.
- Rückblicke auf das plötzliche Verschwinden der Eisbachwelle und die Sprengung in Gundremmingen sendet Abendschau - Der Süden am 29. und 30. Dezember
Von der Furzgrundel lernen
Auch der Optimismus ist eine vom Aussterben bedrohte Art. Doch es bestehen Chancen auf Wiederansiedelung. Wie bei der Furzgrundel, welche eine Artverwandte des bissigen Brombachsee-Wallers ist, aber kein Sommerlochtier.
Furzgrundel (auch Schlammpeizger oder Donnerfurzer genannt) lebt in flachen Tümpeln. Wird das Wasser rar, schnappt sie mit dem Hintern – genauer: ihrer Darmschleimhaut – nach Sauerstoff; überschüssige Luft wird mit lautem Geblubber in den Matsch abgelassen. Fast wären ihr Sommerhitze und Bautätigkeit dennoch zum Verhängnis geworden. Jetzt wird sie im Main ausgewildert; 50.000-fach, zusammen mit weiteren Speisefischen, die fast schon vergessen waren.
"Die sieht man nicht, die pfeifen nicht vom Baum. () Aber jede dieser Arten ist ein Puzzleteilchen in der Ökologie des Flusses" Thomas Speierl, Fischexperte in Oberfranken
A bisserl was geht schon noch
Andere Puzzleteilchen fürs Positive: In Gundremmingen entsteht der größte Batteriespeicher Deutschlands. Die Kissinger Hütte wird mit Spendengeldern wiederaufgebaut. Auch für die Eisbachwelle besteht neue Hoffnung. Und, ach ja: In Wombach im Spessart haben sie 2025 den weltallergrößten Kartoffelkloß gekocht.
"Die Leute jammern immer rum und sagen, die Leute halten nicht zusammen. Das stimmt nicht. Wir erfahren für den Wiederaufbau einen Zuspruch – man kann es sich nicht vorstellen" Manfred Egert vom Rhönclub Bad Kissingen, dem Betreiber der Kissinger Hütte
"Und das ist ja die Voraussetzung beim Kloß: Er darf nicht auseinanderfallen." Jürgen Grün, Frankenkloßweltrekordler
Im Video: BR24 vor Ort – Wie der größte Kartoffelkloß der Welt in die Welt kam
465 Kilo! Kartoffelkoß-Weltrekord in Wombach
- Der Reinerlös des Großkloßmampfens kam übrigens der BR-Benefizaktion Sternstunden zugute - für die Sie weiter spenden können.
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