Der achtjährige Felix aus München ist oft und gerne auf dem Spielplatz in Giesing: Es gibt eine große Wiese, er kann schaukeln, Fußball oder Basketball spielen oder durch ein kleines Wäldchen streifen. "In Tirol war ich einmal in einem echten Naturlabyrinth aus Bäumen und Pflanzen, mit einer Schlucht – hier gibt es auch einen kleinen Urwald, wo man sich durchschlagen kann. Wie in einem Actionfilm." Solche Spielorte sind wichtig, damit sich nicht nur Kleinkinder und ihre Eltern wohlfühlen, denn öffentliche Spielplätze sollen auch noch für 12-Jährige attraktiv sein.
Mehr Bewegung durch vielfältige Spiel- und Sportorte
Seit den Corona-Jahren sind rund sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig, zeigte zuletzt die DAK-Studie 2025 [externer Link]. Auch in Bayern fehlt besonders Familien in dicht bebauten Vierteln ein wohnungsnaher Spielplatz.
Unter dem Motto "aktive Stadt" rüsten viele bayerische Kommunen ihre sanierungsbedürftigen Anlagen schrittweise um. Das Ziel: Menschen zur Bewegung im Freien einzuladen. Spielplätze sollen Jungen wie Mädchen ansprechen, damit sie sich in geschützten Bereichen austoben oder von Kita oder Schule erholen können.
Im August 2025 hat die Stadt München an der Theresienwiese einen Megaspielplatz eröffnet. Das Vorzeigeprojekt mit einer rund sieben Meter hohen Riesenrutsche und einem zwölf Meter hohen Spielturm hat sich auch an Wünschen von Kindern aus den benachbarten Schulen orientiert.
Kinder haben andere Bedürfnisse als Eltern
In Umfragen in der Planungsphase wünschten sich Eltern beispielsweise Sitzbänke im Schatten und eine nahe Toilette. Wichtig ist Eltern Sauberkeit, Sicherheit, eine gut überschaubare Anlage und die regelmäßige Spielplatzwartung.
Dagegen wünschten sich Kinder vor allem viel Platz und spannende Spielmöglichkeiten – große Rutschen, Schaukeln, Seilbahnen oder Klettertürme, aber auch Hecken oder Versteckmöglichkeiten, sagt Kinderpsychologin Fabienne Becker-Stoll vom Bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik: "Kleinen Kindern unter drei Jahren reicht ein einziger Spielplatz mit Sandkasten, Schaukel und Minirutsche den sie allmählich erkunden." Im Alter von vier bis etwa acht Jahren sei dann der Bewegungsdrang der Kinder am größten, zeitgleich wachsen Abenteuerlust und Phantasie. "Sich austoben dürfen, rennen, klettern, mit anderen ohne vorgegebene Regeln spielen – das erfüllt ihr Bedürfnis nach Ausprobieren und Entdecken", so Expertin Becker-Stoll.
Wieso Kinder Abenteuer brauchen
Auch ein kribbeliges Risikogefühl motiviert Kinder, eigene Grenzen auszutesten und zu verschieben. Ein "Wagnis" spornt an, weil klar ist, dass man eine neue Herausforderung meistern – aber scheitern könnte, wissen Pädagogen. Dazu kommt, dass Grundschulkinder sich schrittweise auch der Kontrolle entziehen möchten, wie und was sie spielen.
Felix war mit Familie und Freunden deshalb begeistert vom spannenden Mega-Spielplatz in der Innenstadt: "Ein riesiges Klettergerüst und eine coole Rutsche, da sind wir runtergeflitzt, wir konnten Fangen spielen, man hatte einfach viel Spaß."
No risk – no fun? Elternrolle ist wichtig
Zwar werden in Bayern viele barrierefreie und risikoarme Spielmöglichkeiten angelegt. Aber klar ist: Spielende Kinder können sich verletzen – trotz strenger Sicherheitsnormen und Spielplatzkontrollen.
Fabienne Becker-Stoll vom ifp sieht im Smartphone einen unterschätzten Risikofaktor. Für Kinder von Eltern, die sich permanent mit dem Handy beschäftigen, steige das Unfallrisiko, zeigte ihre Untersuchung [externer Link]. Denn diese Eltern übersahen Anzeichen von Übermüdung, oder die Kinder versuchten, durch riskante Aktionen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
Spielplatzexperte Peter Schraml warnt auch vor einer möglichen "Vollkasko-Mentalität". Viele Spielplätze seien heute langweilig: "Weil sie zu sicher sind, dann suchen sich Kinder woanders ein Abenteuer, zum Beispiel an der Straße oder in Hinterhöfen, wo es wirklich gefährlich ist", so Schraml.
Kinder sollten "wachsen dürfen", also lieber nicht schon Kleinkinder auf hohe Spieltürme mit weitmaschigen Kletternetzen heben. Diese Spielstationen hätten absichtlich hohe Einstiege als Barrieren, die erst ältere Kinder aus eigener Kraft und Motivation meistern – und stolz darauf sein können.
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