"Die Augenbohne ist eine tolle Proteinquelle", schwärmt Klaus Fleißner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die Augenbohne – auch Schwarzaugenbohne oder Kuhbohne genannt – besteht bis zu 25 Prozent aus Protein und bis zu 60 Prozent aus Kohlenhydraten. Dabei ist sie natürlicherweise sehr fettarm und als Pflanze sehr trockentolerant.
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Ein neues "Superfood" für Bayern? In afrikanischen und asiatischen Ländern steht die Augenbohne schon regelmäßig auf dem Speiseplan. Hierzulande nicht. Doch der Agrartechnologe Klaus Fleißner sieht für die kleine weiß-schwarze Bohne auch "eine große Zukunft in Bayern".
Von Namibia nach Niederbayern: Tests mit der Augenbohne
Fleißner selbst war es, der die Augenbohne aus Namibia nach Bayern gebracht hat. Über fünfzehn Jahre lang hat er in Entwicklungsprojekten auf dem afrikanischen Kontinent mit der Pflanze gearbeitet. "2018 war in Bayern ein sehr trockenes und warmes Jahr", erinnert er sich. Sein Gedanke: zwischen Juni und September sind das doch auch hier ideale Bedingungen für die Augenbohne. Seit gut sieben Jahren experimentiert er deshalb auf einem Forschungsfeld im niederbayerischen Ruhstorf an der Rott.
Das Ziel: die passendste Sorte für bayerische Bedingungen zu finden. In diesem Jahr wurden vierzehn Augenbohnensorten gesät, die auf Keimfähigkeit, Ertrag oder Robustheit geprüft werden. Einige von ihnen wachsen schon sehr gut. Derzeit im Rennen ganz weit vorn: eine Art, die "fast lady" (zu Deutsch: schnelle Dame) genannt wird.
Erdnuss, Reis und Augenbohne: "Future Crops" in Bayern
Neben der Erdnuss, Reis, Sesam und Schwarzkümmel gilt die Augenbohne als sogenannte "Future Crop" in Bayern. Also als mögliche neue Kulturart, die auch in Zeiten des Klimawandels von Landwirtinnen und Landwirten angebaut werden könnte.
Doch einige Probleme gibt es noch, bis die Augenbohne betriebswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann. Blattkrankheiten sowie Schädlinge können der Augenbohne zusetzen. Wenn es zu Kälteeinbrüchen kommt, dann stirbt die Pflanze gar ganz ab. Schwierigkeiten sehen die Experten von der LfL auch bei der Ernte: manche Sorten reifen ungleichmäßig, sodass sie nicht auf einmal geerntet werden können. Neben der perfekten Sorte suchen Fleißner und sein Team deswegen auch nach Lösungen für diese Probleme beim Anbau.
Augenbohne: Potenzial als Mehl-, Milch- und Fleischalternative
Trotz landwirtschaftlicher Herausforderungen – die Professorin für Pflanzenproteine und Ernährung an der Technischen Universität München, Ute Weisz, bewertet die Augenbohne ebenso mit großem Potential. Zum einen analysiert sie die verschiedenen Sorten der Landesanstalt für Landwirtschaft auf ihren Proteingehalt. Zum anderen entwickelt sie auch Produkte aus der Augenbohne. Zum Beispiel Mehl, als Zusatz zu Backwaren, Milch- und Fleischalternativen oder extrahiert als Proteinkonzentrat.
Die Vorteile der Augenbohne für die Lebensmitteltechnologen: sie schmeckt vergleichsweise neutral, ist weiß und somit flexibel einsetzbar und enthält weniger antinutritive Substanzen. Also Inhaltsstoffe, die die Pflanze schlecht verdaulich machen. Im Vergleich zu anderen Leguminosen (Hülsenfrüchten) stehe die Augenbohne "ziemlich weit vorn auf unserer Liste", so die Expertin.
Im Audio: Die Augenbohne: Eine neue, proteinreiche Kulturart für Bayern?
Die Augenbohne: Eine neue, proteinreiche Kulturart für Bayern?
Steigende Importmengen von Augenbohnen
In den vergangene Jahren verzeichnete die Augenbohne zwar steigende Importmengen, so die LfL. Doch gibt es die Augenbohne nicht flächendeckend, sondern nur etwa in indischen, türkischen oder asiatischen Supermärkten.
So ist es wenig überraschend, dass viele Münchnerinnen und Münchner die Augenbohne noch gar nicht kennen. Bei einer Verkostung im "Klimawandelgarten" München, in dem die Augenbohne zu Anschauungszwecken angebaut wird, sind die Reaktionen jedoch recht positiv. Für einige schmeckt die Augenbohne neutral, ähnlich wie andere Bohnen, erdig oder nussig.
Erdig, neutral, proteinreich: Rezepte mit Augenbohnen
Die Lebensmitteltechnologin Ute Weisz isst die Augenbohne meist wie andere Gemüse, gekocht im Salat. Klaus Fleißner hat ein Lieblingsrezept aus Nigeria mitgebracht: Akara. Bällchen aus Augenbohnen-Mehl, in Fett ausgebacken. Außerdem isst er die Augenbohne im Eintopf.
Bis die Augenbohnen in den Gerichten von Bayerns Äckern stammen, könnte es jedoch noch etwas dauern. Mindestens fünf Jahre, schätzt Klaus Fleißner. Aber wenn, dann gibt es bestimmt einige Abnehmerinnen und Abnehmern mit Ideen, was man daraus machen könnte.
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