Seit 25 Jahren regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die feste Einspeisevergütung für Photovoltaik. Doch das könnte sich ändern.
Was plant die Bundesregierung?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vertritt schon seit längerer Zeit die Meinung, dass die garantierte Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen im Haushaltsmaßstab überflüssig sei, weil sie sich auch ohne diese Unterstützung lohnen würden. Seit einigen Wochen ist auch ein Referentenentwurf aus ihrem Ministerium bekannt, der tatsächlich die Abschaffung der Einspeisevergütung für Anlagen mit einer Nennleistung unter 25 Kilowatt vorsieht. Das würde aber nur für Neuanlagen gelten. Haushalte sollen sich stattdessen selbst darum kümmern, was mit Solarstrom passiert, den sie nicht selbst verbrauchen können. Ein Kabinettsbeschluss zu dieser Gesetzesnovelle liegt jedoch noch nicht vor. Der Koalitionspartner SPD lehnt den Plan ab.
Wie wichtig ist die Einspeisevergütung für private Photovoltaikbesitzer?
Das kommt darauf an: Schon seit Jahren ist es interessanter, möglichst viel vom eigenen Photovoltaikstrom selbst zu verbrauchen, anstatt ihn einzuspeisen. Die Einspeisevergütung liegt für neue Haushaltsanlagen derzeit bei etwa sieben Cent pro Kilowattstunde. Jede durch Eigenverbrauch gesparte Kilowattstunde aus dem allgemeinen Stromnetz bringt, je nach dem Strompreis des jeweiligen Versorgers, leicht viermal so viel. Für Haushalte mit hohem Eigenverbrauch tritt die Einspeisevergütung deshalb inzwischen in den Hintergrund. Wer nur einen kleineren Anteil des Stroms vom eigenen Dach selbst verbrauchen kann, für den wird sich die Anlage ohne Einspeisevergütung nicht mehr lohnen.
Wie schaffe ich mehr Eigenverbrauch?
Für neue Photovoltaikanlagen ist die Kombination mit einer Solarbatterie inzwischen Standard. So kann Sonnenstrom auch nachts verwendet und der Eigenverbrauch damit erhöht werden. Richtig interessant wird es jedoch vor allem mit der Anschaffung einer Wärmepumpe oder eines Elektroautos – vor allem, wenn man das Auto auch tagsüber laden kann. Mit elektrischen Heizstäben im Wassertank können auch Haushalte ohne Wärmepumpe Solarstrom zur Warmwasserbereitung nutzen.
Ein Weg könnte theoretisch auch sein, die Photovoltaikanlage kleiner zu dimensionieren, so dass ein geringerer Anteil des Stroms nach dem Eigenverbrauch "übrig bleibt". Das ist jedoch heute deutlich weniger ratsam als früher, weil die Modulpreise stark gefallen sind. Wenn erstmal die Handwerker anrücken und ein Gerüst steht, verursacht es nur noch vergleichsweise geringe Zusatzkosten, das Dach "voll zu machen". Und auch wo aktuell noch nicht elektrisch geheizt oder gefahren wird, kann sich das in den kommenden Jahren ja noch ändern.
Wie kann ich den Strom aus meiner PV-Anlage selbst vermarkten?
Bisher gibt es kaum Dienstleister, die den Strom aus Anlagen im Haushaltsmaßstab vermarkten, weil die Prozesse zu wenig standardisiert sind und damit die Kosten der Vermarktung die möglichen Erlöse meist übersteigen. Die im Gesetzentwurf des Reiche-Ministeriums vorgesehene Pflicht zur Selbstvermarktung könnte deshalb durchaus dazu führen, dass Strom, der nicht im Haushalt verbraucht werden kann, abgeregelt werden muss.
Bedroht die Reform Deutschlands Solarbranche?
Die Konjunktur für Solar-Handwerker hat sich schon jetzt merklich abgekühlt. Nach einem Boom in den Jahren 2022 und 2023 ist der Zubau von Anlagen im Heimsegment zuletzt deutlich zurückgegangen: Um 21 Prozent im Jahr 2024, und noch einmal um 29 Prozent 2025. Der Branchenverband BSW Solar wertet das als Zeichen, dass von einer "Überförderung" der privaten Photovoltaik keine Rede sein könne.
Nach einer Befragung im Auftrag des Verbands erwarten Immobilieneigentümer von einem Solardach zum Großteil Amortisationszeiten von maximal zehn Jahren. Diese wären laut Verband aber selbst bei hohen Eigenverbrauchsquoten nicht mehr darstellbar, wenn die Einspeisevergütung wegfällt. BSW Solar rechnet für den Fall einer Umsetzung des Reiche-Entwurfs mit einem Einbruch der Nachfrage im Photovoltaik-Heimsegment von zuletzt fünf Gigawatt Zubau (2025) auf unter zwei Gigawatt in 2027.
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