Der Führerschein in Deutschland soll weniger Geld kosten – das ist das erklärte Ziel einer Reform, die ab kommendem Jahr greifen soll. Ein Baustein ist die sogenannte Laienausbildung: Wer die Theorieprüfung bestanden und schon sechs Fahrstunden absolviert hat, soll mit den eigenen Eltern oder anderen nahestehenden Menschen im öffentlichen Straßenverkehr üben dürfen. In mehreren anderen europäischen Ländern gibt es das so ähnlich bereits, etwa in Österreich oder Schweden.
Die Erwartung: Durch diesen privaten Unterricht braucht es weniger Stunden in der Fahrschule – die Fahrerlaubnis wird günstiger. Aber geht diese Rechnung wirklich auf? Oder wird im Umkehrschluss die Kfz-Versicherung spürbar teurer, wenn Jugendliche noch vor der offiziellen Fahrerlaubnis auf den Straßen versichert fahren sollen? Und welche Vorgaben soll es für die Laienausbildung geben?
Ministerium: "Notwendige Regelungen getroffen"
Das Bundesverkehrsministerium ist von der Idee überzeugt. Auf BR24-Anfrage betont eine Sprecherin: Die notwendigen Regelungen seien getroffen worden, "damit Fahrschülerinnen und Fahrschüler das neue Angebot nutzen können und bei Fahrten mit einer Bezugsperson das Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr als verantwortliche Fahrzeugführer fahren dürfen."
Vorgesehen ist unter anderem, dass bei entsprechenden Fahrten (voraussichtlich ab 2027, wenn der Bundestag zustimmt) zwei "L"-Zeichen für Lernfahrt/Learning am Auto angebracht sein müssen – sowie ein Schild mit der Aufschrift "Übungsfahrt". Möglich sein soll das Modell nur mit Menschen, die ihren Führerschein schon mindestens seit sieben Jahren haben und ohne schwere Verkehrsverstöße sind. Ob es die Laienausbildung in allen Bundesländern geben wird, ist offen.
Inwiefern die Kfz-Versicherung dadurch teurer wird, dazu sagt das Ministerium nichts. Über Tarife entscheide der Markt, eine pauschale Aussage sei "nicht seriös" möglich.
Kfz-Versicherungen: "Zu früh" für detaillierte Einschätzung
Je jünger und unerfahrener Fahrerinnen und Fahrer sind, desto teurer wird die Kfz-Versicherung. Das bestätigen mehrere Versicherer auf BR24-Anfrage. Und: Neben dem Alter bestimmen weitere Faktoren den Beitrag – in erster Linie Regionalklasse, Typklasse, Schadenfreiheitsrabatt und Zahlweise.
Gefragt nach konkreten Preisveränderungen durch die Laienausbildung, hält sich die Branche bislang bedeckt. Der Gesamtverband der Versicherer hat nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse und Zahlen. Ein Sprecher der HUK Coburg teilt mit: Beiträge müssten "risikogerecht" sein. "Das heißt, jeder Kfz-Versicherer wird sich ansehen müssen, ob und wie gegebenenfalls die neuen Regelungen für betroffene Kundinnen und Kunden das Risiko beeinflussen können, und danach dann die Beiträge ausrichten." Für eine detaillierte Einschätzung sei es aber noch zu früh.
Ähnlich äußert sich ein Sprecher der Versicherung "Die Bayerische". Zunächst benötige man Erfahrungen und Daten, Haftungsfragen seien ebenfalls offen. "Auch die durchaus positiven Erfahrungswerte aus dem Ausland werden bei der Bewertung eine Rolle spielen." Zwar könnten Fahrten bei der Laienausbildung ein erhöhtes Risiko bedeuten. Andererseits könne sich mehr Praxis "langfristig positiv auf die Verkehrssicherheit und das Schadensrisiko auswirken". Eine "Aussage zu konkreten Produktlösungen oder möglichen Beitragsauswirkungen" wäre demnach derzeit verfrüht.
ADAC: "Vorziehen" der Versicherungskosten
Der Automobil-Club ADAC sieht die bald auch hierzulande geplante Laienausbildung als Chance, nicht zuletzt für niedrigere Führerscheinkosten. Eine Sprecherin teilt auf BR24-Anfrage mit: "Was das Thema Versicherungen angeht, kann man hier in die Länder schauen, die dieses Modell bereits umgesetzt haben." Dort gebe es vonseiten der Versicherungen spezielle Angebote.
Letztlich gehe es bei der Kfz-Versicherung um ein "Vorziehen" höherer Kosten, sagt die ADAC-Sprecherin. Denn die Versicherung koste immer mehr, wenn sie junge Fahrende umfasse. Konkrete Zahlen nennt auch sie nicht, betont aber, dass der ADAC die Maßnahme grundsätzlich für richtig hält: "Für die Verkehrssicherheit ist das ein Gewinn, weil somit der Anteil der Fahranfänger mit mehr Praxisstunden vor der ersten Alleinfahrt erwartbar steigen wird."
Risiko Sicherheit: Fahrlehrerverbände sehen das völlig anders
Ganz anderer Meinung ist die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Sie betrachtet die Laienausbildung als Sicherheitsrisiko: Die Mitfahrenden hätten keine Bremse, könnten bei gefährlichen Situationen höchstens ins Lenkrad greifen. Zudem bezweifelt der Verband, dass es unter dem Strich durch private Fahrpraxis wirklich eine Kostenersparnis gibt. Stattdessen, so die Vermutung, würde das womöglich gesparte Führerschein-Geld in die teurere Kfz-Versicherung fließen.
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