Drei Frauen, die für den Stadtrat in Kaufbeuren kandidiert haben.
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Annette Kohlbauer, Maren Levin und Verena Finsterwalder von "Buronia ruft!" (von links).

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Gremien wenig weiblich: Kaufbeurer Frauen kämpfen um Mitsprache

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik – dafür haben sich in Kaufbeuren knapp 50 Frauen zu einer überparteilichen Aktion versammelt. Unter dem Motto "Buronia ruft!" wollen sie ein Netzwerk aufbauen und mehr weibliche Ideen in den Stadtrat einbringen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

In Kaufbeuren in Schwaben haben sich knapp 50 Frauen zusammengetan, um gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen: mehr Frauen in die Kommunalpolitik bringen. Auf die Idee für dieses neue Frauennetzwerk kam Initiatorin Annette Kohlbauer von den Freien Wählern durch "Bavaria ruft". Seit 2024 soll das überparteiliche Bündnis mehr Frauen dazu bewegen, sich in der Politik zu engagieren. Name des Netzwerks: "Buronia ruft!" – in Anlehnung an den lateinischen Namen der Stadt.

Zahl der weiblichen Stadträte gleich geblieben

Bei einem Glas Wasser tauscht sich Kohlbauer mit zwei weiteren Frauen des neuen Bündnisses zur Kommunalwahl aus. Alle drei standen für unterschiedliche Parteien auf den Stimmzetteln: Maren Levin für die Grünen, Annette Kohlbauer für die Freien Wähler, Verena Finsterwalder für die CSU. Die Letztgenannte hat es in den Stadtrat geschafft und der Frauenanteil in Kaufbeuren ist konstant geblieben: Nach wie vor sind elf der 41 Stadträte Frauen.

Fünfzig Prozent Frauen ist das Ziel

Zufrieden wären die frischgebackene CSU-Stadträtin Verena Finsterwalder und ihre Mitstreiterinnen erst ab zwanzig Stadträtinnen. "Es sollte ausgeglichen sein, ist meine Meinung", sagt sie. Als Mutter von zwei Grundschulkindern will sie sich unter anderem für das Thema Kinderbetreuung einsetzen. Viele Frauen müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen – ihrer Erfahrung nach für viele ein Hindernis, politisch aktiv zu werden.

Respekt vor Männerdominanz im Stadtrat

Als weiteren Punkt, der ihrer Erfahrung nach viele Frauen abhält, nennt Finsterwalder: "Ein gewisser Respekt – ganz blöd gesagt – vor den Männern. Dass man vielleicht Bedenken hat, unterzugehen im Stadtrat, weil der ja doch schon sehr männerdominiert ist und sich die Frauen dort erstmal auch durchsetzen müssen."

Um gemeinsam Stärke zu zeigen, haben sich vor der Kommunalwahl knapp fünfzig Frauen, die für den Kaufbeurer Stadtrat angetreten sind, vor dem Rathaus versammelt. Laut Initiatorin Annette Kohlbauer war eine "super Energie" spürbar. Nun ist das Ziel, sich beispielweise bei einem regelmäßigen Stammtisch besser kennenzulernen.

Themen der Frauen betreffen auch Männer

Wofür sich alle einsetzen wollen, ist beispielweise Kinderbetreuung, die gleiche Bezahlung wie Männer im Job, Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt und Unterstützung bei der Care Arbeit, also bei der Arbeit in der Familie. Verena Finsterwalder betont, dass davon auch Männer profitieren können: "Es gibt ja auch durchaus Männer, die beispielsweise Care-Arbeit leisten, die aber auch nicht so stark vertreten sind im Stadtrat. Und von dem her denke ich, dass wir da auch eine Stimme für Männer haben, nicht nur für Frauen."

Neue Perspektiven und kreative Ideen

Maschinenbauingenieurin Maren Levin von den Grünen findet, dass Frauen im Stadtrat eine wichtige Perspektive einbringen. Ihr zufolge haben sie auf manche Probleme vor Ort einen anderen Blickwinkel und können so zu kreativen und besonders passenden Lösungen beitragen. Nach einem ersten Durchschnaufen nach der Kommunalwahl wollen die Kaufbeurer Frauen ihre Kräfte jetzt weiter bündeln, damit der Kaufbeurer Stadtrat in Zukunft immer weiblicher wird.

Landesfrauenrat: Frauenanteil "erschreckend"

Die Präsidentin des bayerischen Landesfrauenrats bezeichnet den geringen Anteil von Frauen in kommunalen Spitzenämtern nach der jüngsten Kommunalwahl als "erschreckend": Keine der 25 kreisfreien Städte im Freistaat werde derzeit von einer Frau geführt – 2020 seien es noch drei gewesen, so Monika Meier-Pojda. Auch bei den Landratsämtern seien Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

Meier-Pojda setzt sich dafür ein, dass vor allem auf kommunaler Ebene die Perspektive von Frauen stärker eingebracht wird. Das bestehende Ungleichgewicht spiegele nicht die gesellschaftliche Realität wider, sagt sie: Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus.

Landesfrauenrat: "Wir bleiben dran"

Als Gründe für die Unterrepräsentierung nennt Meier-Pojda unter anderem männlich geprägte Strukturen, traditionelle Rollenbilder sowie die Sorge vor Anfeindungen und Konflikten. "Wir sind hartnäckig, wir bleiben dran", verspricht Meier-Pojda. "Nach den nächsten Kommunalwahlen in Bayern müssen wir einer anderen Realität ankommen."

Der Landesfrauenrat ist ein Zusammenschluss von derzeit 58 Frauenverbänden und Frauengruppen. Er agiert nach eigenen Angaben überkonfessionell, überparteilich und unabhängig.

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