Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland müssen trotz der neuen Preisregel weiterhin hohe Kraftstoffpreise hinnehmen. Am vergangenen Mittwoch, dem ersten Tag der Einführung des sogenannten Österreich-Models, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,327 Euro und übertraf damit den alten Rekord aus dem März 2022 um 0,6 Cent, wie aus Daten des ADAC (externer Link) hervorgeht. Die Zahl ist nicht inflationsbereinigt.
Eine erste Auswertung des ADAC der Kraftstoffpreisentwicklung in Deutschland zum gestrigen Mittwoch zeigt außerdem: Der Preis für Super E10 stieg im Vergleich zu kurz vor 12 Uhr um 7,6 Cent auf 2,175 Euro, Diesel verteuerte sich um 7,5 Cent auf 2,376 Euro.
Jahreshöchststand am Dienstag
Im Vergleich zu Dienstag, dem 31. März, lag der Tagesdurchschnittspreis für Diesel demnach bei 2,316 Euro, für Super E10 bei 2,107 Euro je Liter. Damit erreichten beide Kraftstoffe am letzten Tag des Monats einen Jahreshöchststand.
Ein wesentlicher Grund für die seit Wochen hohen Spritpreise ist der durch den Iran-Krieg gestiegene Ölpreis. Da der Iran die wichtige Handelsroute Straße von Hormus blockiert, war der Ölpreis seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen. Anfang März lag der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zeitweise bei über 120 US-Dollar. Nach starken Schwankungen liegt er aktuell wieder knapp über 100 US-Dollar.
Neues Gesetz soll Preisgestaltung transparenter machen
Um dem starken Anstieg der Kraftstoffpreise entgegenzuwirken, reagierte die Bundesregierung mit einer neuen Regelung: Seit Mittwoch dürfen an Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise für Benzin und Diesel erhöht werden. So steht es im Gesetz, das die Bundesregierung in der vergangenen Woche als Reaktion auf die stark gestiegenen Spritpreise verabschiedet hat.
Um 12 Uhr wird an den Tankstellen nun ein Preis festgelegt, der zwar beliebig oft gesenkt, aber erst 24 Stunden später wieder erhöht werden darf. Deutschland greift damit eine Regelung auf, die es in Österreich schon länger gibt. Experten bezweifeln allerdings, dass die hohen Spritpreise in Deutschland dadurch tatsächlich sinken werden.
Experten sehen neue Regelung kritisch
Auch ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh äußerte sich kritisch: "Wir haben tatsächlich heute um 12:00 Uhr gesehen, dass die Spritpreise um rund acht Cent angehoben wurden, sowohl was Benzin als auch was Diesel betrifft, obwohl der Ölpreis gesunken ist. Insofern ist das aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt." Sie befürchtet, dass Mineralölkonzerne die eine Möglichkeit, die sie am Tag haben, die Preise zu erhöhen, überreizen werden.
Auch die Verbraucherzentrale-Bundesverband verweist auf Erfahrungen aus Österreich. Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Deutschlands Nachbarland vorübergehend, stiegen aber rasch wieder auf das gewohnte Niveau.
"Verbraucher haben aktuell erst mal noch gar nichts von dieser Umstellung", sagt ADAC-Sprecherin van Randenborgh. Die neue Regelung schaffe mehr Transparenz, könne jedoch nur zusammen mit dem Bundeskartellamt wirken. "Das muss dann aber auch wirklich tätig werden und die Mineralölkonzerne auffordern, nachzuweisen, dass die Preise nicht überhöht sind."
Mit Informationen von dpa
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