Mit einer neuen Klimamessstation, direkt auf dem Schulgelände, können Schülerinnen und Schüler am Ostendorfer Gymnasium in Neumarkt in der Oberpfalz reale Klimadaten analysieren. Die Station misst: Lufttemperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit sowie Windgeschwindigkeit und -richtung. Nicht nur für die Schüler ein Gewinn.
Schüler beobachten regionales Klima
Auch die Bodentemperatur wird von der schuleigenen Station erfasst. Damit erhalten die Schülerinnen und Schüler eine umfangreiche Datengrundlage, um das regionale Klima genau zu untersuchen. "Es ist zwar erstmal ungewohnt mit der ganzen Technik zurecht zu kommen, aber ich finde es echt interessant zu wissen, was in Neumarkt mit dem Wetter los ist", sagt Zehntklässlerin Marie.
Zehnte Klasse soll Klimadaten vergleichen
Die zehnte Klasse am Ostendorfer Gymnasium hat von Erdkundelehrerin Barbara Pohlers die Aufgabe bekommen, die aktuellen Messwerte von diesem Februar mit historischen Daten aus den Jahren 1961 bis 1990 zu vergleichen. Am Ende soll jede Arbeitsgruppe die Ergebnisse präsentieren.
So soll der Klimawandel greifbar werden: Erste Auswertungen zeigen, dass der Februar in diesem Jahr deutlich milder und feuchter war als noch vor rund 35 Jahren. Um aber wirklich festzustellen, ob der Klimawandel schon in Neumarkt spürbar ist, muss die Klimastation über einen wesentlich längeren Zeitraum Daten sammeln.
Lernen mit echten Daten stärkt Verständnis
Für Geografie-Lehrerin Barbara Pohlers ist die Arbeit mit realen Messwerten ein großer Gewinn. Die Schülerinnen und Schüler können Klimaveränderungen nicht nur theoretisch nachvollziehen, sondern direkt vor Ort beobachten und auswerten. Das soll ein tieferes Verständnis für komplexe Zusammenhänge fördern.
Auch die Jugendlichen selbst profitieren: Sie entwickeln eigene Forschungsfragen und lernen, Daten kritisch zu analysieren. Gleichzeitig wird kreatives Denken gefördert, wenn sie mögliche Ursachen und Folgen der Veränderungen diskutieren, sowie Lösungsansätze erarbeiten.
Teil eines deutschlandweiten UNESCO-Projekts
Die Klimastation in Neumarkt ist Teil eines größeren Netzwerks: Insgesamt 14 Schulen in Deutschland beteiligen sich an dem Unesco-Klimastationen-Netzwerk. In Bayern ist das Ostendorfer Gymnasium Vorreiter.
Alle gesammelten Daten laufen zentral in Heidelberg zusammen, am Unesco-Lehrstuhl für Erdbeobachtung und Geokommunikation der Pädagogischen Hochschule. Dort werden sie aufbereitet und stehen den Schulen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung.
Austausch zwischen Schulen bringt neue Perspektiven
Ein besonderer Vorteil des Projekts ist die Zusammenarbeit zwischen den Schulen. So will sich das Ostendorfer Gymnasium beispielsweise enger mit einem Gymnasium im norddeutschen Emden vernetzen. In Videokonferenzen sollen die Schülerinnen und Schüler zukünftig ihre jeweils gemessenen Daten vergleichen können. "Ich find das sehr cool – auch dass wir eine eigene Klimastation haben. Die hat ja nicht jeder", sagt Zehntklässlerin Antje. Man beschäftige sich viel mehr mit dem Thema, fügt sie noch hinzu.
Die klimatischen Unterschiede zwischen Emden und Neumarkt liegen auf der Hand: Während es im Norden häufiger regnet, sind die Bedingungen in Bayern anders geprägt. Dieser Vergleich eröffnet neue Perspektiven und macht regionale Unterschiede im Klimageschehen sichtbar.
Klima-Camp fördert gemeinsames Lernen
Einmal jährlich treffen sich alle teilnehmenden Schulen zu einem Klima-Camp. Dort diskutieren die Schülerinnen ihre Ergebnisse und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen.
In virtuellen Laboren beschäftigen sie sich etwa mit Themen wie Bodenerosion oder dem Wachstum von Bäumen, erklärt Professor Alexander Sigmund vom Unesco-Lehrstuhl in Heidelberg. Dabei stellen sie sich den Fragen, die auch für die Forstwirtschaft relevant sind.
In Zukunft sollen noch mehr Schulen profitieren
In Neumarkt sollen auch andere Schulen von der Klimastation profitieren und mit den Daten arbeiten können. Das benachbarte Willibald-Gluck-Gymnasium soll beispielsweise Zugang zu den Klimadaten erhalten.
Video: Unesco-Klimastation am Gymnasium
Neumarkt i.d. Opf: Unesco-Klimastation am Gymnasium
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