Ansicht vom verschneiten Berchtesgaden im Halbdunkel mit erleuchteten Fenstern und Straßen, dahinter der verschneite Watzmann. (Archivbild)
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Der bisherige Berchtesgadener Bürgermeister will Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land werden. (Archivbild)

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Kommunalwahl in Oberbayern: Vielerorts ein Neuanfang

In Oberbayern hören mehrere Amtsinhaber nach fast einem Vierteljahrhundert auf. So mancher Bürgermeister will Landrat werden, so mancher Landrat Bürgermeister. Und wer zapft im September beim Oktoberfest an?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Fast 18 Jahre lang war Franz Rasp (CSU) Bürgermeister in Berchtesgaden. Jetzt stellt er sich zwar wieder zur Wahl, aber nicht als Bürgermeister – er will Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land werden. Gleichzeitig will der bisherige Landrat Bernhard Kern Bürgermeister werden – allerdings nicht in Berchtesgaden, sondern im Allgäu.

Landrat will Bürgermeister werden

Kern, der seit 2020 Landrat war, bewirbt sich ohne Gegenkandidat auf das Bürgermeister-Amt in der Gemeinde Halblech im Ostallgäu – als Parteiloser, obwohl er CSU-Mitglied ist. Seinen Hauptwohnsitz wird er im Allgäu haben, aber einen Zweitwohnsitz in der Berchtesgadener Heimat behalten.

Landrat will Bürgermeister werden: Das gibt es auch in Neuburg an der Donau. Obwohl erst seit 2019 im Amt, tritt Landrat Peter von der Grün (bis 2024 bei den Freien Wählern, jetzt FDP-Mitglied) nach Differenzen mit einigen Bürgermeistern nicht mehr an. Stattdessen kandidiert er als Oberbürgermeister für die Stadt Neuburg. Ihm werden allerdings kaum Chancen eingeräumt.

Amtsinhaber nehmen Abschied: Ein Vierteljahrhundert ist genug

24 Jahre - das sind in der Regel vier volle Amtszeiten. Nach dieser Zeit – fast einem Vierteljahrhundert – sehen viele Amtsinhaber die Zeit für einen Abschied gekommen. Einer von ihnen ist Bernhard Gmehling, Oberbürgermeister der Stadt Neuburg an der Donau. Er hört aus Altersgründen auf – Gmehling ist 66 Jahre alt.

Sein Amtskollege Peter Kloo, Bürgermeister in Kolbermoor im Landkreis Rosenheim, ist mit 63 Jahren fast ebenso alt – auch er tritt nicht noch einmal an. Auch Michael Kölbl hört nach 24 Jahren als Bürgermeister von Wasserburg am Inn auf – er ist bereits 73 Jahre alt. Damit endet im Landkreis Rosenheim auch eine doppelte SPD-Ära – sowohl Kloo als auch Kölbl sind SPD-Mitglied. Überraschend kamen die Entscheidungen nicht: Alle drei hatten schon vor längerer Zeit bekanntgegeben, heuer nicht mehr zu kandidieren.

Erster muslimischer Bürgermeister Bayerns?

Ozan Iyibas nimmt einen zweiten Anlauf, um Bürgermeister von Neufahrn im Landkreis Freising zu werden. Wenn es ihm gelingt, wäre er damit wohl der erste muslimische Bürgermeister Bayerns. Iyibas ist 43 Jahre alt und Alevit. Er wurde in Deutschland geboren und hat türkische Wurzeln. Er hat 20 Jahre bei der Sparkasse gearbeitet, zuletzt als Leiter der Hauptfiliale in Freising. Seit 2020 ist er in Neufahrn 3. Bürgermeister für die CSU.

Bei der vergangenen Wahl war Iyibas noch gescheitert. Heuer aber tritt Amtsinhaber Franz Heilmeier (Grüne) nicht mehr an, was Iyibas' Chancen erhöht. Trotzdem muss er sich gegen fünf weitere Bewerber durchsetzen: Auch Grüne, SPD, Freie Wähler, ÖDP und die Liste "Bosch als Bürgermeister" schicken Kandidaten ins Rennen.

München: Wer schafft es gegen den Amtsinhaber in die Stichwahl?

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gilt als beliebt. Er kommt, wenn es nötig ist, mit CSU-Ministerpräsident Markus Söder zurecht und zapft verlässlich mit nur zwei Schlägen das erste Fass auf der Wiesn an, sogar mit Verletzung. Seine Chancen auf eine dritte Amtszeit stehen ziemlich gut.

Spannender ist die Frage, gegen wen er antreten muss, sollte eine Stichwahl nötig sein: gegen seinen ehemaligen Wirtschaftsreferenten und Ex-Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) oder gegen seinen 2. Bürgermeister, den 35-jährigen Dominik Krause von den Grünen.

Pardeller: Wiederwahl trotz Koks-Strafe?

Thomas Pardeller (CSU) ist Bürgermeister von Neubiberg im Landkreis München – und will das auch bleiben. Er stellt sich zur Wiederwahl. Unumstritten ist das nicht: Der 38-Jährige ist im Dezember 2025 zu einer Geldstrafe über 11.400 Euro verurteilt worden, weil die Polizei bei einer Kontrolle vor einem Münchner Nachtclub Kokain bei ihm gefunden hatte.

Nach dem Vorfall hatte sich Pardeller eine sechswöchige Auszeit genommen, führt aber seit Anfang Dezember wieder die Amtsgeschäfte. Sein Slogan für die Kommunalwahl: "Erfolgreich weiter machen".

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