(Archivbild) Bayerns Ministerpräsident Markus Söder
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(Archivbild) Zeit, "dass nach fast 25 Jahren ein bayerischer Ministerpräsident in die USA fährt": Söder fliegt nach South Carolina und Texas

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"Mission possible": Söder besucht NASA, BMW und einen Gouverneur

Die USA sind für Bayern enorm wichtig, aber politische Gespräche mit der Trump-Administration sind derzeit schwierig. Also fliegt der bayerische Ministerpräsident nicht nach Washington, sondern führt in zwei US-Bundesstaaten Gespräche.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Es sei mal wieder Zeit, "dass nach fast 25 Jahren ein bayerischer Ministerpräsident in die USA fährt", sagt Markus Söder vor dem Abflug vom Münchner Flughafen. Und in der Tat: Zuletzt war 2002 Ministerpräsident Edmund Stoiber in Washington. Und weil er damals Kanzlerkandidat der Union war, wurde Stoiber sogar vom damaligen Präsidenten George W. Bush empfangen. Diesmal also bleibt das Weiße Haus für Bayern geschlossen und Markus Söder ist ja auch nicht Kanzlerkandidat.

Raumfahrtachse Bayern–Texas

Stattdessen fährt er nach South Carolina und Texas. Das sind zwei wirtschaftliche Power-Regionen in den USA. Mit denen beabsichtigt Söder, Allianzen auszubauen und zu schmieden. In Texas bedient das sogar einen Herzenswunsch. Stichwort: Luft- und Raumfahrt. Denn in Houston, der ersten Station auf Söders Reise, befindet sich das "NASA-Mission Control Center". Dort wird seit 1961 das bemannte Raumfahrtprogramm der USA koordiniert.

Das Pendant dazu ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Dort entsteht bis 2030 das Kontrollzentrum für Mond- und Marsmissionen. Der Besuch bei der NASA ist also eine ideale Gelegenheit, sagt Söder, um die Raumfahrtachse Bayern–Texas weiter auszubauen. Dazu gehört dann auch ein Abkommen zwischen der "University of Texas" und der TU München im Bereich KI und Raumfahrt.

Brossardt: Texas und South Carolina sind hochattraktive Wirtschaftsstandorte

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) bewertet solche Reisen als wichtigen Beitrag zur transatlantischen Partnerschaft. "Die Ausfuhren des Freistaats in die Vereinigten Staaten sind 2025 zwar um knapp zehn Prozent zurückgegangen", sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Mit einem Anteil von 11,5 Prozent seien die USA für die bayerische Wirtschaft aber immer noch der wichtigste Exportmarkt. Und insbesondere South Carolina sei für die bayerische Automobilindustrie und ihre Zulieferer ein bedeutender Investitionsstandort.

Und deshalb, so Brossardt, sei gerade in einer Phase zunehmender handelspolitischer Unsicherheiten, Söders Reise wichtig, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kooperationen anzustoßen. Die US-Bundesstaatenebene sei genau die richtige, sagt auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, um in den USA wirtschaftlich den bayerischen Footprint auszubauen und als politischer Türöffner dafür zu sorgen, dass die USA größter bayerischer Exportmarkt bleiben. Diese Einschätzung brachte Aiwanger aus South Carolina mit, als er vor Kurzem mit einer Wirtschaftsdelegation dort war.

Dass der Ministerpräsident jetzt ebenfalls den Schwerpunkt auf Wirtschaft setzt, sagt der für Außenwirtschaft zuständige Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Tobias Gotthardt, baue nun vielversprechend auf der Reise von Hubert Aiwanger auf, aus der bereits viele neue Beziehungen zu den USA entstanden sind und auch neue Verträge für bayerische Firmen.

BMW und Everllence

Ministerpräsident Söder wird in Spartanburg (South Carolina) das weltweit größte Werk der BMW-Group besuchen. Zur Eröffnung im Jahre 1994 war der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel dort und vor ein paar Wochen eben auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. BMW beschäftigt in Spartanburg rund 11.000 Mitarbeiter, täglich laufen 1.500 Fahrzeuge vom Band, hauptsächlich SUVs für den gesamten Weltmarkt.

Söder trifft dort unter anderem den designierten CEO von BMW, Milan Nedeljkovic, und man will über das Auto der Zukunft, über die Zukunft der Autos und über Fahrzeugtechnik reden. BMW sei ein Pfeiler der bayerischen Exportstrategie, sagt Söder, und Garant dafür, dass Bayern ein Autoland bleibt, auch durch unser Engagement im Ausland.

Zuvor wird Söder dem US-Ableger der Augsburger Firma Everllence (vormals MAN-Solutions) einen Besuch abstatten. 250 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Everllence baut große Schiffsmotoren, Kompressoren und Turbinen, spezialisiert sich aber immer mehr auf stationäre Energieerzeugung. Große Motoren sind für die weltweit boomenden riesigen Gigafactories eine gefragte Alternative zu Turbinen, und Everllence sieht darin ein enormes Wachstumspotenzial, vor allem auch auf dem US-Markt. All dies will man dem bayerischen Ministerpräsidenten bei seinem Besuch vorstellen.

Ein wenig Politik dann doch

Politisch setzt Markus Söder derzeit gezielt auf Kontakte unterhalb der amerikanischen Präsidialebene. Da lassen sich, sagt er, Netzwerke pflegen und Partnerschaften ausbauen. Geplant sind deshalb ein Empfang bei South Carolinas republikanischem Gouverneur Henry McMaster, sowie Termine im Senat und im Repräsentantenhaus des Bundesstaates.

Bleibt schließlich noch die Frage, was eigentlich aus der geplanten Bayerischen Vertretung in Washington wird. Der Ministerpräsident hat das nach wie vor im Blick. "Wir sind derzeit in der Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt in Berlin", sagt Söder. Und das Ziel sei, die Repräsentanz Bayerns in den USA zu erhöhen und damit die Stärken Bayerns wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell und heimatbezogen zu zeigen. Das lässt den Schluss zu, dass ein prestigeträchtiger Aufschlag in Washington diesmal zwar nicht realisierbar war, aber spätestens zur Eröffnung der Bayerischen Vertretung in Washington gibt es wieder eine Gelegenheit. Allerdings steht noch in den Sternen, wann das sein wird.

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