Der Angeklagte hinter Papieren
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Der Angeklagte hinter Papieren

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Opfer betäubt, vergewaltigt und gefilmt? Angeklagter schweigt

Ein Student steht in München vor Gericht, weil er seine Freundin mehrmals betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt haben soll. Aufnahmen davon soll er in Telegram-Chats gezeigt haben. Der Fall erinnert an den französischen Fall Pelicot.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Am Landgericht München hat der Prozess gegen einen 27-jährigen Studenten begonnen. Ihm werden unter anderem schwere Vergewaltigungen und Mordversuche an seiner Freundin und Nachbarin vorgeworfen. Der Angeklagte schweigt zunächst.

Anklage: Freundin mit Medikamentencocktails betäubt

Der Mann, ein 27-Jähriger aus China, bleibt ohne erkennbare Regung, als die Anklageschrift verlesen wird. Er liest offenbar auf einem eigenen Exemplar mit, was der Staatsanwalt gut 45 Minuten lang vorträgt und ein Dolmetscher übersetzt.

Detailliert wird in der Anklageschrift geschildert, wie der Student den Ermittlungen zufolge seine chinesische Freundin mehrmals mit Medikamentencocktails und einem Anästhetikum außer Gefecht gesetzt hat, um sie auf verschiedene Art zu vergewaltigen. Wie dabei vorzugehen ist, soll er demnach vorher in Chats beim Messengerdienst Telegram mit Gleichgesinnten besprochen haben. Betäubte Frauen sollen dabei als "tote Schweine" bezeichnet worden sein.

Dem Studenten wird auch versuchter Mord vorgeworfen

Der Angeklagte habe die Taten dann gefilmt und teilweise auch Aufnahmen in den Chats geteilt, so die Staatsanwaltschaft. Angesichts der hohen Betäubungsdosis war es laut Anklage Zufall, dass die Frau daran nicht gestorben ist. Deshalb werden dem Studenten neben schweren Vergewaltigungen auch Mordversuche vorgeworfen.

Er selbst wollte sich dazu zunächst nicht selbst äußern. Nach Angaben seines Verteidigers soll das aber zu einem späteren Zeitpunkt geschehen. Die Öffentlichkeit soll bei dem Prozess zum Teil ausgeschlossen werden, etwa wenn die Videofilme gezeigt werden und es um "Darstellungen sexuell intimer Handlungen" geht, wie der Vorsitzende Richter es formuliert.

Ähnlichkeiten zu Fall Pelicot

Für den Prozess am Landgericht München sind 17 Tage angesetzt. Das Urteil soll es am 31. März geben.

Das Verfahren stößt nicht zuletzt wegen gewisser Ähnlichkeiten mit dem französischen Fall Pelicot auf Medieninteresse. Gisèle Pelicot war von ihrem damaligen Mann über Jahre immer wieder betäubt und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden.

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