Gisèle Pelicot in der Berufungsverhandlung im Verfahren um sexuelle Gewalt an ihr.
Bildrechte: picture alliance / Hans Lucas | Pierre Meuriot

Pelicot-Fall: Täter bekommt höhere Strafe in Berufung

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Fall Gisèle Pelicot: Höhere Strafe für Täter in Berufungsprozess

Nach dem Strafprozess gegen 51 Männer in Frankreich wegen Vergewaltigung von Gisèle Pelicot hat einer der Verurteilten in zweiter Instanz eine höhere Strafe bekommen. Er war als Einziger in Berufung gegangen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Jahrelang haben Dutzende Männer der Französin Gisèle Pelicot sexuelle Gewalt angetan, 51 Täter wurden 2024 dafür verurteilt. Nun ist einer von ihnen in der Berufungsverhandlung zu einer höheren Strafe verurteilt worden. Der 44-Jährige war in der ersten Verhandlung zu neun Jahren Haft verurteilt worden; in der Berufung im südfranzösischen Nîmes lautete das Urteil: zehn Jahre Haft wegen schwerer Vergewaltigung. Das berichteten französische Medien aus dem Verhandlungssaal.

Nur einer der Verurteilten ging in Berufung

Die Urteile der ersten Instanz waren Ende 2024 gefallen. Gisèle Pelicots Ex-Mann Dominique hatte zuvor gestanden, dass er seine damalige Frau fast zehn Jahre lang immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und von Fremden vergewaltigen lassen hatte. Er bekam damals die Höchststrafe von 20 Jahren Haft und verzichtete auf eine Berufung. 50 weitere Männer erhielten Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren - meist wegen Vergewaltigung. Nach dem Urteil wollten zunächst 17 der Verurteilten in Berufung gehen, aber nur einer hatte sich letztendlich dazu entschieden.

Ex-Ehemann zeichnete Vergewaltigungen auf Video auf

Im Berufungsprozess hatte die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft für den 44-Jährigen gefordert, dessen Taten Pelicots Ex-Mann - wie auch das der anderen Täter - ausführlich auf Video festgehalten hatte. Wie viele seiner Mittäter stritt der 44-Jährige dennoch eine Vergewaltigung ab. Gisèle Pelicots Ehemann habe ihm gesagt, seine Frau stelle sich nur schlafend, das gehöre zu einem Sex-Spiel. Er habe also keine Gewalt angewendet.

Staatsanwalt Dominique Sié beharrte darauf, dass das Opfer keine Einwilligung zu sexuellen Handlungen gegeben habe. Damit sei der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt.

Gisèle Pelicot empört über Aussagen des Mittäters

In dem Prozess reagierte die zu einer feministischen Ikone gewordene 72-jährige Gisèle Pelicot empört auf die Aussage des Angeklagten. Der Mann zeige sich vor Gericht weiterhin keiner Schuld bewusst. "Wann habe ich Ihnen meine Zustimmung gegeben? Sie haben mich vergewaltigt, zwei Stunden sind eine lange Zeit, ich schäme mich für Sie", sagte sie im Zeugenstand.

Als Gisèle Pelicot das Gericht nach dem Urteil unter Applaus verließ, sagte sie dem Sender Europe 1, sie sehe sich "am Ende dieser fünfjährigen Tortur" und wolle nun ihr Leben neu aufbauen wolle: "Ich bin keine Ikone, ich bin eine ganz normale Frau, die die Geheimhaltung aufgehoben hat."

Mit Informationen von dpa

Im Video: Fall "Pelicot" - Höchststrafe für Hauptangeklagten (19.12.2024)

Fall "Pelicot" - Höchststrafe für Hauptangeklagten
Bildrechte: BR
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Fall "Pelicot" - Höchststrafe für Hauptangeklagten

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!