11.01.2024, Jochenstein - Oberhalb der Donau könnte ein Pumpspeicher entstehen.
Bildrechte: BR/Katharina Häringer

Pumpspeicher Riedl - möglicher Bauort

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Verbund will Pumpspeicher Riedl trotz Klagen bauen

Das Gezerre um den möglichen Bau des Pumpspeicherkraftwerks Riedl bei Untergriesbach nahe Passau geht weiter. Die Donaukraftwerk Jochenstein AG hat beim Landratsamt Passau einen Antrag eingereicht, den Planfeststellungsbeschluss sofort umzusetzen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Die Geschichte "Streit um den Bau des Pumpspeicherkraftwerks Riedl" ist ein Kapitel reicher.

Die Donaukraftwerk Jochenstein AG hat am Montagabend beim Landratsamt Passau einen Antrag eingereicht, den Planfeststellungsbeschluss zum Energiespeicher Riedl sofort umzusetzen – trotz laufender Klagen.

Rollen bald die Bagger?

Mit dem Antrag will die Donaukraftwerk AG den sogenannten Sofortvollzug beantragen. Damit könnten die Vorarbeiten für den Bau beginnen, obwohl beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof drei Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht wurden. Ohne die Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns würde sich das Projekt um mehrere Jahre verzögern, erklärte Verbund-Chef Michael Strugl.

"Riedl eines der wichtigsten Speicherprojekte Bayerns"

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Aiwanger begrüßt in einer Pressemitteilung den Sofortantrag und wird mit den Worten zitiert: "Während in Niederbayern Solaranlagen abgeschaltet werden müssen, weil Speicherkapazitäten fehlen, wird eines der wichtigsten Speicherprojekte Bayerns durch Klagen ausgebremst. Das versteht kein Mensch mehr. Der Energiespeicher Riedl sollte schon längst am Netz sein – wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren. Wer die Energiewende ernst meint, darf den Bau von Stromspeichern nicht länger blockieren. Der Sofortvollzug ist deshalb das richtige Signal: Jetzt muss gehandelt werden, statt das Projekt weiter zu verzögern."

Gerichtliches Ping-Pong-Spiel wird weitergehen

Das Landratsamt Passau bestätigt auf BR-Anfrage den Eingang des Antrags. Wie lange die Prüfung und Entscheidung dauert, kann die Behörde aktuell nicht einschätzen.

Grundsätzlich teilt das Landratsamt aber mit, dass auch die Kläger gegen den Bau des Pumpspeicherkraftwerks jetzt wieder die Möglichkeit haben, gegen die Anordnung des Sofortvollzugs vorzugehen. Das muss dann wieder ein Gericht klären.

Bund Naturschutz "überrascht"

Karl Haberzettl, der Vorsitzende der Kreisgruppe Passau des Bund Naturschutz Bayern e.V. zeigt sich auf BR-Anfrage überrascht von dem Antrag der Donaukraftwerk AG: "Ich kann bisher nur für mich sprechen, aber ich denke ich spreche auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, wenn ich sage, dass wir gegen diesen Antrag vorgehen werden", so Haberzettl. Das geplante Pumpspeicherkraftwerk bezeichnet Haberzettl als "überdimensioniert". Die Tierwelt, insbesondere die Fische, sowie die Donau als Fluss, würden unter dem Bau leiden.

Die Anlage Riedl soll eine Leistung von mehr als 300 Megawatt und eine Speicherkapazität von 3,5 Gigawattstunden haben. Damit zählt das Vorhaben zu den größten geplanten Energiespeichern in Süddeutschland.

💡 Wie funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk?

Pumpspeicherkraftwerke sind Wasserkraftwerke, die überschüssige elektrische Energie speichern, um sie bei späterem Bedarf wieder abgeben zu können. Wenn der Stromverbrauch niedrig ist und es überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien gibt, soll das Wasser aus der Donau gesaugt und über unterirdische Rohre den Berg nach oben hochgepumpt werden.

Der Stausee, der an die fünf Millionen Kubikmeter Wasser fassen soll, dient als Energiespeicher. Wenn der Energiebedarf hoch ist, soll das Wasser aus dem Stausee abgelassen werden. Es fließt auf dem Weg zur Donau durch Turbinen, die Generatoren antreiben und so Strom erzeugen. Laut Betreiber könnte mit einer einzelnen Beckenfüllung der Energiebedarf der Stadt Passau für zehn Tage gedeckt werden.

(Quelle: BR24/Häringer)

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!