Schnell und gründlich sanieren – dafür aber komplett sperren. Das ist das Konzept, mit dem die Deutsche Bahn stark sanierungsbedürftige Strecken im deutschen Schienennetz sanieren möchte. Den Auftakt machte 2024 die "Riedbahn" zwischen Mannheim und Frankfurt. Jetzt steht die erste Generalsanierung in Bayern an: die Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg.
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Fünf Monate Komplettsperrung mit SEV
Die Bauarbeiten beginnen laut Deutscher Bahn am Freitag, 6. Februar; beendet werden sie laut Plan bis zum Freitag, 10. Juli. Betroffen sind die Linien RB 51 und RE 50 Neumarkt-Regensburg, S3 Nürnberg-Neumarkt sowie die Teilstrecken der Linien RE 22 zwischen Nürnberg und dem Münchner Flughafen. Zwischen Nürnberg und Regensburg werden die Züge durch Busse ersetzt, auf dem übrigen Linienweg fahren die Züge normal weiter.
Die Komplettsperrung hat für Reisende erheblich längere Fahrzeiten im Schienenersatzverkehr (SEV) zur Folge: Sie müssen mit dem Expressbus, der ohne Halt zwischen Regensburg und Nürnberg verkehren wird, laut DB Navigator mit einer Fahrzeit von 1:45 Stunden statt 59 Minuten rechnen.
Busse mit WLAN, Strom und teils Toiletten ausgestattet
Fahrgäste müssen während der Sanierung auf Schienenersatzverkehr mit Bussen umsteigen. Über 90 barrierefreie Busse mit WLAN und USB-Ladesteckdosen auf acht Linien sollen zwischen Regensburg und Nürnberg pendeln. Teilweise werden die Fahrzeuge eine Toilette an Bord haben. Die Busse werden zur Übersichtlichkeit dieselben Nummern haben wie die Zugverbindungen. Es wird außerdem Expressbusse ohne Halte und Linien mit Zwischenstopps entlang der rund 88 Kilometer langen Strecke geben.
Fahrräder dürfen im gesamten SEV nicht mitgenommen werden, Stauraum für Gepäck ist nur sehr begrenzt vorhanden. Die Bushaltestellen werden entweder an den Bahnhöfen oder zentral in den Kommunen eingerichtet. Der SEV ist durch Wegweiser in den Bahnhöfen ausgeschildert, die knallige Farbe "verkehrspurpur" soll die Orientierung zusätzlich erleichtern. Anzeigebildschirme in den Bussen sollen in Echtzeit Orientierung über den Fahrplan und mögliche Änderungen geben.
Fahrgäste müssen angeschnallt sein - sonst nur Tempo 60
Zu Hauptverkehrszeiten werden alle 30 Minuten Busse abfahren. In den Linien, die über die Autobahn führen, müssen Fahrgäste angeschnallt sein. Sollten Reisende stehen müssen, darf der Bus nur 60 km/h fahren. In Nürnberg und Regensburg werden sogenannte Reisenden-Lenker eingesetzt, die Fahrgästen bei der Orientierung helfen sollen. Laut Angaben der Deutschen Bahn werden die Kapazitäten in den Bussen ausreichen, um alle Fahrgäste befördern zu können. Für den SEV wurden rund 270 Busfahrer aus mehr als zehn EU-Ländern angeworben.
Zug über Schwandorf als Ausweichmöglichkeit
Schneller als mit den SEV-Bussen geht’s über Schwandorf: Die Fahrt auf der Strecke Nürnberg-Schwandorf-Regensburg (RE 40) dauert dennoch rund 30 Minuten länger als die normale Zugverbindung. Die Deutsche Bahn will auf dieser Strecke mehr Sitzplatzkapazitäten schaffen.
Der Fernverkehr wird größtenteils über Ingolstadt umgeleitet. Die Fahrzeit wird sich dadurch voraussichtlich um eine Stunde verlängern. In Straubing werden vorübergehend keine Fernzüge halten.
Einschränkungen auf benachbarten Strecken
Auch auf angrenzenden Regionalbahnstrecken wird es Einschränkungen geben, da neben dem Fernverkehr auch der Güterverkehr über andere Strecken umgeleitet wird. Ausgedünnt wird zum Beispiel der Donau-Isar-Express RE 3 zwischen München und Plattling sowie bei den Linien RB 17 und RE 18 auf der Donautalbahn zwischen Neustadt a.d. Donau und Regensburg. Auch hier wird es für die ausfallenden Verbindungen SEV geben.
2.000 Arbeiter und 80 Maschinen im Einsatz
Saniert werden neben Gleisen, Weichen und Oberleitungen auch Bahnhöfe. Außerdem werden der Deininger Bahndamm bei Neumarkt und eine Brücke bei Burgthann saniert. In den ersten zwölf Wochen werden laut Angaben der DB rund 2.000 Bauarbeiter gleichzeitig an der Strecke arbeiten, rund 80 Maschinen werden im Einsatz sein. Material wird teilweise per Hubschrauber in das streckenweise unwegsame Gelände eingeflogen.
In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll dann die Strecke Obertraubling-Passau generalsaniert werden.
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