"Politik ist fast alles!", sagt Diana, 16 Jahre alt, aus Ottobrunn bei München. Alles sei davon betroffen: die Bildung, der Nahverkehr, das Leben um einen herum. Deswegen möchte sie auch mitbestimmen. "Es ärgert mich wirklich sehr, dass wir nicht wählen können! Ich würde sogar sagen, es ist ungerecht!"
Wählen ab 16: Jugendliche wollen mitbestimmen
Der gleichen Meinung sind ihre Mitschülerinnen und Mitschüler vom Gymnasium Ottobrunn. "Wenn es in anderen Bundesländern möglich ist, ab 16 zu wählen, warum dann nicht in Bayern?", fragt Bene, 16 Jahre. Helena, 15 Jahre, argumentiert: "Teilweise fangen Jugendliche mit 16 an zu arbeiten, das heißt, sie sind Teil des Erwachsenenlebens, dürfen aber nicht komplett am Erwachsenenleben teilnehmen." Auch Anja, ebenfalls 15, findet es "schon sehr blöd", dass sie mit 16 nicht wählen darf. "Es geht ja um mich, um meine Zukunft und was passieren wird!"
Alba, 17 Jahre: "Wählen ab 16 stärkt unsere Demokratie."
Andere Schule – gleiches Stimmungsbild. Alba und Tom von der Europäischen Schule München sind beide 17 Jahre alt, interessieren sich für Politik, verfolgen die Nachrichtenlage über die Sozialen Medien. Alba ist besorgt: "Ich sehe, wie sich die Weltordnung um mich verschiebt." Umso mehr wünscht sie sich, unter 18 wählen zu dürfen.
Gerade zur Kommunalwahl jetzt sei das sinnvoll, sagt Tom. "Wir sind die Zukunft, wir haben auch ein Recht, gehört zu werden, weil wir auch etwas zu sagen haben." Alba ergänzt: "Wählen ab 16 nimmt niemandem etwas weg. Im Gegenteil, es stärkt unsere Demokratie."
Wahl-Experte plädiert für Herabsetzen des Wahlalters auf 16
Unterstützung bekommen die Schülerinnen und Schüler von Politikwissenschaftler Jörg Siegmund von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. "Ich halte das Wählen ab 16 für eine sehr gute Idee, weil es dazu beiträgt, die jungen Menschen an die Demokratie aktiv heranzuführen, sie einzubinden und ihnen zu zeigen: 'Ihr könnt was mitbewirken'", sagt der Experte für Wahlforschung. Darüber hinaus seien 16- und 17-Jährige durchaus reif genug, um verantwortungsvoll zu wählen.
Mehrere Initiativen in Bayern für Wählen ab 16 - aber erfolglos
Immer wieder hat es in Bayern verschiedene Initiativen und Anträge gegeben, die sich für Wählen ab 16 eingesetzt hatten – bisher ohne Erfolg. Zuletzt hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Kommunalwahl eingereicht. Der wurde mit den Stimmen der CSU, der Freien Wähler und der AfD abgelehnt. Die SPD hat sich enthalten.
Gründe gegen Wählen ab 16
Es gibt auch Argumente gegen Wählen ab 16. Die Jugendlichen seien nicht reif genug, nicht politisch informiert, erklärt Politikwissenschaftler Jörg Siegmund. Auf der einen Seite werde dabei gerne auf die Einheitlichkeit der Rechtsordnung verwiesen und darauf, dass die Volljährigkeit auch erst mit 18 Jahren einsetzt. "Vielleicht spielt aber bei manchen auch die Sorge eine Rolle, dass die eigene Partei dann schlechter abschneiden würde."
Deutschlandweit macht die Altersgruppe der 16- und 17-Jährigen rund zwei Prozent der Wahlberechtigten aus, so Jörg Siegmund weiter. Andere Bundesländer, in denen Wählen ab 16 möglich ist, zeigten, dass Jugendliche nicht viel anders wählen als ältere Altersgruppen. Dabei stellt der Politikwissenschaftler eine gewisse Polarisierung unter den Jugendlichen fest. "Ein Teil engagiert sich stark politisch, zum Beispiel bei Fridays-for-Future. Viele andere in dieser Altersgruppe interessieren sich nicht für Politik, denen ist das zu kompliziert."
Andere Bundesländer zeigen: Trend geht zu Wählen ab 16
In insgesamt elf Ländern ist Wählen ab 16 bei Landtags- und/oder Kommunalwahlen möglich, dazu gehören Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Immer mehr Bundesländer senken das Wahlalter auf 16 ab. Dieser Trend sei nicht aufzuhalten, stellt Politikwissenschaftler Jörg Siegmund fest. "Irgendwann wird sich sicher auch Bayern dazu durchringen, das Wählen ab 16 zu ermöglichen."
Im Video: Wählen ab 16 - Diskussionen im Freistaat (13.02.2026)
(Symbolbild) In 23 Tagen ist Kommunalwahl. In 11 Bundesländern dürfen Jugendliche ab 16 ihre Stimme abgeben. Nicht so in Bayern.
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