Die Bemühungen um eine Beendigung des Iran-Kriegs werden intensiver – doch eine Einigung auf eine Waffenruhe ist vorerst nicht in Sicht. Die US-Regierung hat der Führung in Teheran einen 15 Punkte umfassenden Plan für ein Kriegsende unterbreitet. Der Iran lehnt den US-Vorschlag, der von Pakistan übermittelt wurde, jedoch ab.
Der englischsprachige Kanal des iranischen Staatsfernsehens, Press TV, zitierte einen ungenannten, angeblich hochrangigen Vertreter des Regimes mit den Worten, der Iran habe den 15-Punkte-Plan zurückgewiesen. Teheran werde entscheiden, wann der Krieg vorüber sei. Die Vorschläge der USA seien überzogen. Dazu zählten die Übergabe angereicherten Urans, das Aus des iranischen Raketenprogramms und die Freigabe der Straße von Hormus.
Iran stellt fünf Bedingungen für Kriegsende
Der Iran stellt laut dem Regimevertreter selbst fünf Bedingungen für ein Kriegsende: unter anderem einen Stopp sämtlicher kriegerischer Handlungen auch gegen iranfreundliche Gruppen wie die Hisbollah im Libanon, Garantien, dass der Krieg nicht wieder aufflamme, und Reparationszahlungen. Der iranische Rote Halbmond spricht von mehr als 80.000 beschädigten oder zerstörten zivilen Einrichtungen im Land, darunter zehntausende Wohnungen sowie hunderte medizinische Einrichtungen und Schulen.
Der Plan aus Washington war laut pakistanischen Regierungsvertretern über Islamabad an den Iran übermittelt worden. Pakistan gilt als möglicher Gastgeber, sollte es zu neuen Gesprächen zwischen Vertretern aus Teheran und Washington kommen. Auch Ägypten sei in Bemühungen involviert, den Krieg zu beenden, hieß es.
15-Punkte-Plan der USA zielt vor allem auf Atomprogramm
Die meisten Punkte des US-Plans adressieren laut einer Quelle in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA fordern dem Vernehmen nach unter anderem die Zerstörung wichtiger Atomanlagen, einen Stopp der Urananreicherung und der Herstellung ballistischer Raketen. Zudem solle der Iran seinen Bestand an bereits angereichertem Uran abgeben – und damit Befürchtungen entkräften, die Ajatollahs in Teheran könnten eines Tages Atomwaffen in ihre Hände bekommen.
Zudem geht es darum, wie künftig der Schiffsverkehr in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Straße von Hormus geregelt wird. Ein Vorschlag ist demnach eine gemeinsame maritime Einsatzgruppe durch die USA, den Iran, Pakistan und einige Golfstaaten.
Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten
Trump gibt sich zuversichtlich
Themen im Gegenzug seien die Aufhebung der internationalen Sanktionen und der Wiederaufbau des Irans. Beide Seiten würden demnach eine einmonatige Waffenruhe ausrufen, während der sie auf Grundlage des US-Vorschlags aus Washington verhandeln würden. Ein Regierungswechsel im Iran werde in dem US-Plan nicht gefordert, hieß es.
US-Präsident Donald Trump hatte sich vor der Reaktion aus Teheran zuversichtlich geäußert. Er sagte, der Iran wolle angeblich "unbedingt einen Deal abschließen". Die widersprüchlichen Aussagen – Zuversicht aus den USA und heftige Dementis aus dem Iran – ließen sich zunächst nicht auflösen. Klar ist aber: Eine schnelle Einigung auf eine Waffenruhe scheint eher unrealistisch.
Teheran warnt vor Einsatz von Bodentruppen
Der Iran warnte die USA unterdessen vor einem möglichen Einsatz von Bodentruppen. "Wir beobachten alle Bewegungen der USA in der Region genau, insbesondere Truppenverlegungen", schrieb Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf auf X. "Stellt unsere Entschlossenheit, unser Land zu verteidigen, nicht auf die Probe", fügte der frühere General hinzu.
Die US-Regierung hat Medienberichten zufolge die Verlegung Tausender Soldaten einer Luftlandedivision in die Region des Nahen Ostens angeordnet. Die Rede ist von einer möglichen Invasion der iranischen Insel Charg, dem wichtigsten Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf.
Raketen in Richtung Flugzeugträger abgefeuert
Die gegenseitigen militärischen Angriffe gingen auch am Mittwoch weiter. In Isfahan etwa ist nach iranischen Angaben ein Marktviertel zerstört worden. Mutmaßlich war der Angriff gegen ein Gebäude des Regimes gerichtet. Der Iran wiederum behauptet, Raketen auf den US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" abgefeuert und das Schiff somit zu einer Kursänderung gezwungen zu haben. Israels Polizei meldete zudem mehrere Einschläge iranischer Raketen im Land.
Währenddessen geht Israels Armee eigenen Angaben zufolge weiter gegen die proiranische Hisbollah im Libanon vor. Die Miliz selbst teilte mit, sie habe mehr als hundert Raketen Richtung Israel und auf israelische Soldaten im Südlibanon abgefeuert.
Im Video: Trumps Gesprächsbereitschaft - und die Lage in Nahost
US-Präsident Donald Trump.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!



