Drei Wasservögel sitzen auf dem Rücken des Wals, der sich weiter in der Wismarbucht befindet.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Philip Dulian

Nach seiner zwischenzeitlichen Befreiung von einer Sandbank liegt der Wal weiter vor Wismar. Sein Zustand hat sich deutlich verschlechtert.

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Drama um Ostsee-Wal: Zustand hat sich deutlich verschlechtert

Es ist ein Auf und Ab: In der Nacht hat sich der in der Ostsee gestrandete Buckelwal zum zweiten Mal von einer Sandbank befreit. Doch das Tier liegt weiter in der Wismarbucht und bewegt sich kaum noch. Ein Experte hat nicht viel Hoffnung.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Es ist Drama mit mehreren Akten. Vor knapp einer Woche war der in der Ostsee gestrandete Buckelwal zum ersten Mal auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand gesichtet worden. Einige erfolglose Rettungsaktionen später konnte sich das Tier dann selbst befreien - jedoch nur vorübergehend. Denn aktuell soll der Wal wieder feststecken und die Kräfte des Meeressäugers scheinen zu schwinden.

Wal hat Wismarbucht noch nicht verlassen

Am späten Samstagabend sei es ihm zunächst gelungen, mit steigendem Wasserstand von einer Sandbank in der Wismarbucht freizukommen, teilte der Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern, Claus Tantzen, mit. Dort war der verirrte Buckelwal hängengeblieben, nachdem er sich am Freitagnacht nach seiner ersten Strandung auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand freigeschwommen hatte.

Am Sonntagmorgen schwamm der geschwächte Wal allerdings in der Wismarbucht – nur wenige hundert Meter vom Ufer entfernt. Das bestätigten Tantzen und die Organisation Greenpeace der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Nachfrage. Nach aktuellen Erkenntnissen steckt das Tier derzeit aber nicht auf einer Sandbank fest, sondern befindet sich in zwei Meter tiefem Wasser, wie der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack gegenüber der dpa sagte.

Meeresbiologe: Prognose sieht nicht gut aus

Umweltschützer und Einsatzkräfte waren mit einem Schlauchboot in die Nähe des Wals gefahren und hatten vergeblich versucht, ihn zum Losschwimmen zu animieren. Zwar sei das Tier gut genährt, gleichzeitig aber auch geschwächt und seine Haut "extrem angegriffen", so Maack. "Der Wal muss jetzt sehr schnell freikommen, damit er überhaupt noch eine Chance hat."

Von weiteren Rettungsversuchen will man Abstand nehmen. Dem Wal solle nun Ruhe gegeben werden, damit er sich womöglich doch noch selbst freischwimmt, sagte der Meeresforscher Burkard Baschek in Wismar nach einer Begutachtung vor Ort. Der Fitnesszustand des Wals und damit seine Rettungsaussichten hätten sich seit Samstag aber "deutlich verschlechtert". "Die Prognose sieht insgesamt nicht gut aus."

Tier soll nun in Ruhe gelassen werden

Nach Angaben von Baschek findet sich der Wal in einer Wassertiefe, die tief genug ist, dass er sich selbst freischwimmen könnte. "Das Tier wäre in der Lage, selber freizukommen", sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Inzwischen unternehme der Wal aber keine eigenen Versuche mehr, sich zu bewegen. Sollte er sich nochmals befreien, sei die Gefahr inzwischen groß, dass er bald wieder strande.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte sich ebenfalls von einem Boot aus ein Bild von der Situation gemacht, wie ein Ministeriumssprecher der dpa bestätigte. Damit der Wal in Ruhe gelassen wird, erließen die Behörden Backhaus zufolge ein Sperrgebiet in einem Umkreis von 500 Metern um den Wal. Schiffführer würden darüber per Funk informiert.

Schicksal des Wals beschäftigt die Menschen seit knapp einer Woche

Die Aussichten drohen sich für den Wal unterdessen zu verschlechtern. Baschek sagte, bis Montagnacht, 4.00 Uhr, werde der Wasserstand voraussichtlich um etwa 40 Zentimeter sinken. "Wenn der Wal nicht aus eigener Kraft in den nächsten Stunden freikommt, wird die Situation insgesamt für ihn erst mal schlechter, weil die Wassertiefe sich verändert an dem Ort." 

Der 12 bis 15 Meter lange Buckelwal war Montagfrüh auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt worden. Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das tonnenschwere Tier in der Nacht zum Freitag überraschend selbst von der Sandbank befreit – Bagger hatten zuvor den Meeresboden um das Tier ausgehoben und ihm eine Rinne gegraben.

Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch

Die Hoffnung ist, dass sich das Tier in Richtung Nordsee bewegt, um schließlich wieder in den Atlantik zu gelangen, wo sein natürlicher Lebensraum ist.

Warum der Wal vor Timmendorfer Strand aufgetaucht war, ist bislang unklar. Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch, die Bedingungen sind für sie nicht geeignet. Sie können nach Expertenangaben auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könne eine Rolle spielen.

Mit Informationen von dpa und AFP

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!