Der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ist wieder geöffnet. Das teilten Vertreter der ägyptischen und israelischen Sicherheitskräfte am Montagmorgen mit. Staatliche Medien in Ägypten bestätigten die Angaben. Die Wiederöffnung hat zunächst weitgehend symbolischen Charakter: Reisen in beide Richtungen sind nur wenigen Menschen gestattet, und die Einfuhr von Waren bleibt untersagt.
20.000 Kinder warten auf medizinische Behandlung
Am ersten Tag sollten jeweils 50 Palästinenserinnen und Palästinenser den Grenzübergang in jede Richtung passieren dürfen, sagte ein ägyptischer Beamter, der anonym bleiben wollte. Im Gazastreifen hoffen laut den Gesundheitsbehörden dort etwa 20.000 Kinder und Erwachsene, das verwüstete Küstengebiet über den Grenzübergang für eine Behandlung verlassen zu können. Tausende Palästinenser außerhalb des Gebiets wollen einreisen und in ihre Heimat zurückkehren.
Das ägyptische Gesundheitsministerium teilte am Montag mit, 150 Krankenhäuser im ganzen Land seien darauf vorbereitet, palästinensische Patienten aufzunehmen, die über den Grenzübergang Rafah evakuiert werden.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat angekündigt, Israel werde täglich 50 Patienten die Ausreise gestatten. Ein an den Gesprächen beteiligter Beamter sagte, jeder Patient dürfe von zwei Angehörigen begleitet werden. Gleichzeitig könnten täglich 50 Menschen zurückkehren, die den Gazastreifen während des Krieges verlassen hätten.
Grenzöffnung ist Teil des Waffenruheplans
Israel will die Einreisenden am Grenzübergang gemeinsam mit Ägypten überprüfen. Die Kontrollen werden von EU-Grenzschutzbeamten in Anwesenheit von Palästinensern durchgeführt. Bewährt sich das System, soll die Zahl der Reisenden schrittweise gesteigert werden.
Die Wiedereröffnung ist ein wichtiger Schritt im Waffenruheplan von US-Präsident Donald Trump für den Gazastreifen, der am 10. Oktober in Kraft getreten war. Der Plan sah für die erste Phase die Rückgabe aller bei dem Terrorangriff verschleppten Geiseln vor, sowohl der lebenden als auch der getöteten. Zur zweiten Phase gehören schwierige Prozesse wie die Entwaffnung der Hamas, die Bildung einer internationalen Stabilisierungstruppe und die Übergabe der Macht an eine Regierung von Technokraten, nachdem die Hamas dort fast 20 Jahre regiert hat.
32 Tote bei israelischen Luftangriffen
Wie brüchig die Waffenruhe ist, zeigte das vergangene Wochenende. Nach palästinensischen Angaben wurden allein am Samstag mindestens 32 Menschen bei israelischen Luftangriffen getötet. Die meisten Toten seien Frauen und Kinder, teilte die von der Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde am Samstag mit. Ägypten und Katar, die im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas vermittelt hatten, verurteilten die Angriffe und warnten vor weiteren Verstößen gegen die seit Oktober geltende Waffenruhe.
Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde bei einem Angriff in der Stadt Gaza eine Wohnung in einem Haus im Stadtteil Rimal vollständig zerstört. Unter den Toten seien drei Mädchen, die in der Wohnung geschlafen hätten, sagte Samer al-Atbasch, ein Verwandter der Familie.
Die israelische Armee teilte mit, sie habe die Angriffe als Reaktion auf "Verstöße der Hamas gegen das Waffenruhe-Abkommen" geflogen. Konkret verwies Israel auf einen Vorfall am Freitag, bei dem acht militante Palästinenser aus einem Tunnel in Rafah im südlichen Gazastreifen gekommen seien. Bei den Luftangriffen am Samstag seien "vier Kommandeure und weitere Terroristen" der Hamas und des verbündeten Islamischen Dschihad getötet worden.
Israelische Armee bestätigt 70.000 Tote im Gazastreifen
Unterdessen wurde bekannt, dass die israelische Armee mittlerweile von rund 70.000 Toten in Gaza ausgeht und damit die Zahlen weitestgehend bestätigt, die die palästinensische Gesundheitsbehörde bislang angegeben hatte. Mehrere israelische Zeitungen berichteten von einem "Briefing für Militärjournalisten", dort habe Israels Armee erstmals eingeräumt, dass sie die Zahlen anerkennt. Bislang hatte die israelische Regierung die Opferzahlen stets zurückgewiesen, eine offizielle Erklärung dazu steht auch weiterhin aus. Ein Team des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung geht sogar von mehr als 100.000 Toten aus (externer Link). Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass ein Drittel der Opfer Kinder sind.
Ausgelöst wurde der Gaza-Krieg vom Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 unter Führung der Hamas. Die Extremisten töteten etwa 1.200 Menschen und verschleppten 251 weitere, teils bereits als Leichen, als Geiseln.
Im Audio: Grenzübergang Rafah teils für Personenverkehr geöffnet
Einsatzkräfte des Roten Halbmonds stehen am Grenzübergang Rafah.
Mit Informationen von dpa, AFP
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