Mehr als jeder dritte Fernzug der Deutschen Bahn kam im Mai zu spät. Obwohl im vergangenen Monat mehr Züge als im März und April unpünktlich waren, stabilisieren sich die Zahlen. Die Pünktlichkeitsrate sei bisher noch nicht – wie im vergangenen Jahr – vielfach unter die 60-Prozent-Schwelle gerutscht. Auch der Wert für das Gesamtjahr 2026 kratzt demnach nun mit 59,9 Prozent an der 60-Prozent-Marke. Das geht aus internen Daten der Deutschen Bahn (DB) hervor, über welche die "Süddeutschen Zeitung" berichtete (Externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt).
Zugausfälle in Statistik absichtlich nicht mitberücksichtigt?
Im Fernverkehr kamen demnach 61,3 Prozent der ICE- und Intercity-Züge pünktlich am Ziel an. Im vergangenen Jahr lagen die Werte teils deutlich unter 60 Prozent. Als verspätet gilt ein Zug, sobald er sechs Minuten nach der geplanten Ankunftszeit am Ziel ankommt.
Allerdings: Zugausfälle sollen in der Statistik nicht berücksichtigt worden sein, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Und das anscheinend mit Absicht: Laut SZ nehme die Bahn "seit dem Jahreswechsel eine Vielzahl von ICE, die entweder bereits deutlich zu spät sind oder denen Verspätungen drohen, 'grundlos in den Ausfall'". Die SZ beruft sich dabei auf interne Chats von Lokführern und Zugchefs. Die Bahn dementierte auf SZ-Nachfrage, dass es 2026 signifikant mehr Zugausfälle gegeben habe. "Auch lassen wir grundsätzlich keine Züge für Pünktlichkeit ausfallen", teilt eine Bahn-Sprecherin der SZ mit.
Bahn dementiert: "DB schönt keine Statistiken"
Der Vorwurf, die Bahn würde mit Zugausfällen ihre Statistik schönen, wurde bereits im September vergangenes Jahr nach Spiegel-Recherchen erhoben (Externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt). Auch damals widersprach der Konzern, dass Züge zur Verbesserung der Statistik aus dem Verkehr genommen würden. "Die DB schönt keine Statistiken", teilte das Unternehmen im September mit. Zudem stimme es nicht, dass gestrichene Züge nicht in der Pünktlichkeitsstatistik erfasst werden. "Ganz wichtig bei der Reisenden-Pünktlichkeit: Hier werden auch Zugausfälle berücksichtigt", hießt es dazu.
Der bundeseigene Konzern kämpft seit Jahren mit der Pünktlichkeit, der Start ins laufende Jahr fiel dabei besonders schlecht aus. Begründet wurden die schlechten Zahlen mit dem strengen Winterwetter, der maroden Infrastruktur und den vielen Baustellen im Netz. Die Bahn rechnet mit einer Sanierung des maroden Schienennetzes bis 2036 und damit auf Jahre unpünktliche Züge.
Zahl der Fahrgäste steigt kontinuierlich
Zuletzt hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) mehrfach zu Protokoll gegeben, er sei schon froh, wenn am Ende des Jahres bei der Pünktlichkeit "vorne eine sechs" stehe. Er vertraue zudem auf die Aussage von Bahnchefin Evelyn Palla, "dass wir den Boden erreicht haben".
Trotz der hohen Unpünktlichkeit und zahlreicher Infrastrukturprobleme ist die Nachfrage nach Bahnfahrten nach wie vor ungebremst. So zählte der Konzern über alle Verkehrssparten hinweg im vergangenen Jahr rund 1,93 Milliarden Fahrgäste. Das waren 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie seit Jahren nicht.
Bahn-Chefin sieht Konzernumbau auf gutem Weg
Laut Konzernchefin Evelyn Palla ist die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr seit Januar kontinuierlich gestiegen und liege mittlerweile bei 70 Prozent trotz weiterhin schwacher Pünktlichkeitswerte. "Unsere Sofortprogramme zeigen Wirkung", sagte Palla am Montagabend in Berlin zu Journalisten. Der Umbau der Deutschen Bahn komme voran. Man liege etwas vor dem Zeitplan und sei auf einem guten Weg.
Mit Informationen von dpa und AFP.
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