Mehr Fahrgäste, aber auch mehr Verlust: Die Bilanz der Deutschen Bahn fällt erwartbar schlecht aus, besonders im Fernverkehr.
Bildrechte: picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen

Mehr Fahrgäste, aber auch mehr Verlust: Die Bilanz der Deutschen Bahn fällt erwartbar schlecht aus, besonders im Fernverkehr.

Per Mail sharen
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Milliardenminus trotz Fahrgastrekord: Bahn präsentiert Bilanz

Mehr Fahrgäste, aber auch mehr Verlust: Die Bilanz der Deutschen Bahn fällt erwartbar schlecht aus, besonders im Fernverkehr. Woran das laut Konzern liegt – und warum die neue Bahn-Chefin trotzdem von einer Trendwende spricht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Es dürfte ein unangenehmer Termin mit Ansage für die frisch gebackene Bahn-Chefin Evelyn Palla gewesen sein: die Vorstellung des Bilanzberichts, den der bundeseigene Konzern regelmäßig vorlegen muss. Unterm Strich macht die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust – erneut.

Trendwende: Schwarze Zahlen – vor Zinsen und Steuern

Das operative Konzernergebnis lag zwar mit knapp 300 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern im positiven Bereich, doch nach Steuern blieb ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bilanzbericht hervorgeht. Palla sieht darin eine Trendwende, trotz allem: Der Konzern kam erstmals seit Jahren wieder in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf 27 Milliarden Euro. 

Mit dafür verantwortlich ist die gestiegene Nachfrage im Schienenverkehr – die trotz der hohen Unpünktlichkeit und zahlreicher Infrastrukturprobleme weiter hoch ist. So zählte der Konzern über alle Verkehrssparten hinweg im vergangenen Jahr rund 1,93 Milliarden Fahrgäste. Das waren 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie seit Jahren nicht. Insgesamt kommt die Bahn auf 87 Milliarden sogenannte Personenkilometer, das ist ungefähr 20 Mal die Entfernung zwischen Sonne und Neptun.

Fernverkehr: Infrastrukturprobleme beeinflussen das Geschäft

Trotzdem bleibt insbesondere der Fernverkehr ein Sorgenkind des bundeseigenen Konzerns. Gewinn und Umsatz seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben, heißt es von der Bahn. Die Abschreibung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro der Fernverkehrssparte habe sich erheblich auf die Jahresbilanz des Konzerns ausgewirkt.

Die Sparte erwarte zukünftig aufgrund der anhaltenden Probleme bei der Infrastruktur deutlich niedrigere Umsätze. Da sich der Zustand des Netzes und damit auch die Pünktlichkeit nur langsam erholen, wirkt sich das längerfristig auf das Geschäft im Fernverkehr aus. Die Bahn rechnet mit einer langsameren Sanierung des maroden Schienennetzes bis 2036 und damit auf Jahre unpünktliche ICEs.

Bahn-Chefin: "Realität klar benennen"

Palla bezeichnete die Abschreibung als Ausdruck eines "neuen Realismus": Es werde mindestens zehn Jahre dauern, die Schiene wieder in einen guten Zustand zu bringen. "Diese Realität müssen wir klar benennen und auch in unseren Zahlen abbilden."

Was zur schlechten Bilanz beiträgt

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn die gut laufende Logistiktochter DB Schenker im vergangenen Jahr verkauft hat. Damit fehlt dem Konzern nun ein wichtiger Gewinnbringer. Der Verkaufserlös ging nahezu ausschließlich in den Abbau des hohen Schuldenbergs, der dadurch im vergangenen Jahr laut Bahn um knapp 12 Milliarden auf nunmehr 20,7 Milliarden Euro abgebaut werden konnte. Die Regionalverkehrstochter DB Regio kam 2025 auf ein operatives Ergebnis von rund 191 Millionen Euro.

Insgesamt habe die Bahn bei Umsatz und operativem Ergebnis im vergangenen Jahr einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht, betonte Bahn-Chefin Palla. Zufriedenheit sei gleichwohl fehl am Platz: "Erst wenn wir wieder nachhaltig Jahresüberschüsse erwirtschaften und Investitionen aus eigener Kraft stemmen können, sind wir am Ziel."

Mit Informationen von dpa und AFP.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!