Zwei Senioren sitzen auf einer Bank mit Blikc auf den Tegernsee
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Riester geht – was kommt?

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Private Altersvorsorge: Riester geht – was kommt?

Die Riester-Rente sollte die private Altersvorsorge stärken – und sinkende staatliche Renten ausgleichen. Doch die vom Staat geförderten Verträge wurden nie wirklich populär. Nun soll ein neues Modell kommen. Hier die wichtigsten Fakten.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Die Riester-Rente sollte das ausgleichen, was bei der staatlichen Rente wegfiel. So hatte sich Rot-Grün das 2002 gedacht. Aber von den einst abgeschlossenen 15 Millionen Riester-Verträgen werden gerade 10 Millionen noch aktiv bespart. Hohe Verwaltungskosten, die vorgeschriebene Garantie, dass mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen erhalten bleiben – das drückt auf die Rendite. Außerdem war vielen Bürgern Riester zu kompliziert, der Wechsel zwischen Anbietern nur schwer möglich.

  • Zum Artikel: Altersvorsorge - Was geplant ist und Riester-Sparer wissen müssen
  • Was soll sich jetzt ändern?

    Die Koalition arbeitet an einer Reform der privaten Altersvorsorge. Geplant ist, dass Banken und Versicherungen ein "Standardprodukt" anbieten müssen, also ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot mit begrenzten Kosten. Die Verwaltungskosten sollen hier auf 1 Prozent gedeckelt werden.

    Grundsätzlich sollen Vertriebs- und Abschlusskosten über die gesamte Laufzeit verteilt werden – um zu verhindern dass bei einen Anbieterwechsel Verluste entstehen. Außerdem sollen – anders als bei Riester – nun auch Selbständige staatlich geförderte Altersvorsorgeverträge abschließen können.

    Welche Angebote werden in Zukunft gefördert?

    Verträge, die 100 Prozent der eingezahlten Beiträge und Zulagen garantieren, soll es auch weiterhin geben. Neu dazu kommen eine Variante mit 80-Prozent-Garantie, und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgabe.

    So sollen Anbieter und Sparer ermutigt werden, trotz des Risikos mehr in Aktien zu investieren, die ganz langfristig gesehen eine höhere Rendite erwarten lassen. Außerdem müssen Anbieter keine lebenslange Rente mehr zahlen, sondern dürfen auch z.B. Auszahlungspläne bis zum Alter von 85 Jahren anbieten.

    Was wird für kleine Einkommen und Familien verbessert?

    Die maximale Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr wird ausgezahlt, wenn im Monat mindestens 25 Euro selbst angespart werden. Außerdem gibt es – anders als bei Riester – keine Mindestsparsumme mehr, die man erreichen muss, um die staatliche Zulage zu bekommen.

    Statt dessen bekommen die Bürger für jeden angesparten Euro zunächst 50 Cent vom Staat dazu, bis zu einer Höhe von 360 Euro im Jahr. Danach gibt es 25 Cent pro gespartem Euro, bis zu einer Höhe von 1.800 Euro im Jahr.

    Dürfen nur Banken und Versicherungen die Produkte anbieten?

    Nein, in Zukunft soll es für die Altersvorsorge ein Standard-Depot eines öffentlichen Trägers geben – ähnlich wie es z.B. Norwegen oder Schweden für ihre Bürger anbieten. Also ein Fonds, der zum Beispiel von der Bundesbank oder der KfW verwaltet werden könnte - das ist aber noch nicht festgelegt.

    Die Koalition will damit ein günstiges und transparentes Produkt anbieten, das auch für Sparer ohne Erfahrung mit Aktien und ETFs attraktiv ist. Dieses Standard-Depot soll digital verfügbar sein, und damit unbürokratisch abgeschlossen werden können.

    Ab wann gilt das Gesetz – und was passiert mit meinem Riester-Vertrag?

    Für bestehende Riester-Verträge ändert sich nichts. Das Gesetz für die neuen Altersvorsorgeprodukte soll am Freitag im Bundestag verabschiedet werden und ab 1.1.2027 gelten.

    Wie kommen die Vorschläge an?

    Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern kritisiert, dass der Deckel von 1 % bei den Verwaltungskosten für Standardprodukte noch immer viel zu hoch sei. Außerdem könnten Banken und Versicherungen weiterhin Abschlusskosten für viele Produkte geltend machen.

    Der Regensburger Grünen-Abgeordnete Stefan Schmid findet vieles an den Plänen richtig, kritisiert aber, dass das Angebot weiterhin an vielen Menschen vorbei gehen werde. Besser wäre es, wenn alle Beschäftigten automatisch einen kleinen Teil ihres Einkommens in die private Altersvorsorge geben würden – mit der Möglichkeit zu widersprechen. In Schweden funktioniere dieses Modell gut.

    Im Video: Nachfolger für Riester - Grünes Licht für neue private Altersvorsorge

    Nachfolger für Riester - Grünes Licht für neue private Altersvorsorge
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    Nachfolger für Riester - Grünes Licht für neue private Altersvorsorge

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