Winzerin Tanja Strätz
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Würzburger Winzerin ist enttäuscht über das Mercosur-Debakel

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Würzburger Winzerin enttäuscht über Mercosur-Debakel

Winzerin Tanja Strätz hatte auf zollfreien Handel nach Südamerika gehofft. Es fehlte nur noch die Zustimmung des EU-Parlaments. Dazu kam es aber nicht. Jetzt soll das Mercosur-Abkommen juristisch überprüft werden.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Der Traum von Tanja Strätz ist vorerst zerplatzt. Mit ihrem Würzburger Silvaner den Markt in Brasilien erobern – das war ihr Ziel. Sie hoffte auf das Mercosur-Abkommen. Der wohl größten Freihandelszone der Welt. Für Tanja Strätz hätte dies bedeutet: Sie hätte ihren Silvaner zollfrei und damit günstiger nach Südamerika verkaufen können (externer Link).

Deutscher Silvaner kostet in Sao Paolo 100 Euro

Der Würzburger Wein ist in Brasilien gerade bei jungen Leuten sehr beliebt. Tanja Strätz zeigt ihre Weinkisten im Keller: "Das ist der Wein, der auf der Straßenparty in Sao Paulo 100 Euro gekostet hat, und hier kostet er 13,50 Euro". Der teure Preis erklärt sich unter anderem durch den aktuellen Einfuhrzoll auf europäische Weinprodukte. Dieser liegt in Brasilien bei 27 Prozent. Mit dem Mercosur-Abkommen wäre dieser gestrichen worden. Ein Traum für die Winzerin des Juliusspitals in Würzburg – alles war für die Ausweitung Ihres Geschäfts nach Brasilien vorbereitet: "Ja, und dann kam irgendwie alles anders."

Die Abstimmung im EU-Parlament machte Tanja Strätz einen Strich durch die Rechnung: Eine knappe Mehrheit der europäischen Abgeordneten stimmte in Brüssel für eine rechtliche Überprüfung des Abkommens am Europäischen Gerichtshof. Das europäische Zukunftsprojekt: Vorerst aufgeschoben. Auch eine große Mehrheit der deutschen Grünen – acht Abgeordnete – stimmte im EU-Parlament für die rechtliche Prüfung – und damit: für eine weitere Verzögerung von Mercosur. Für Tanja Strätz bedeutet das konkret: Ihre Pläne, in Brasilien zu expandieren, liegen erstmal auf Eis.

Deutsche Industrie: "Unsicherheit ist Gift"

Kritik gab es auch von Verbänden aus dem Export- und Industrieland Baden-Württemberg (externer Link). Besonders die deutsche Automobilzulieferer-Branche könnte von derartigen Handelsabkommen profitieren. Auch der Unternehmer Detlev Haas hoffte auf das Freihandelsabkommen mit Südamerika; sein mittelständischer Betrieb in Esslingen am Neckar produziert Maschinenbauteile für die Automobilindustrie. Unerwartete Entscheidungen, wie beim Mercosur-Abkommen bedeuten für ihn, schlechter planen zu können: "Dieses Thema Unsicherheit ist für uns natürlich das größte Gift."

Cem Özdemir distanziert sich von EU-Grünen

In Baden-Württemberg, einem der größten Automobil- und Industriestandorte Deutschlands, will Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, Ministerpräsident werden. Das Abstimmungsverhalten seiner Parteikollegen in Brüssel holt ihn auch im Wahlkampf in Waiblingen ein. Er distanzierte sich dort vom Abstimmungsverhalten seiner deutschen Parteikollegen: "Mit Irrsinn haben wir nichts am Hut", so der Grünen-Spitzenpolitiker.

Özdemir bezieht seine Aussage auf Politiker wie den EU-Abgeordneten und Delegationsleiter der Grünen Erik Marquardt. Der hatte in Brüssel für eine juristische Überprüfung gestimmt. Gegenüber report München sagte Marquardt: "Ich bedauere, dass dieses Signal ausgesetzt ist. Wir werden in Zukunft daraus lernen, auch solche Mehrheiten noch besser zu vermeiden in der Zukunft."

Ifo-Institut: Gemeinsam als Europäer handeln

Welche Chancen in solchen Handelsabkommen für Europa stecken, hat das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in einer Studie (externer Link) errechnet. Das Ergebnis: Ein Gesamtpaket von insgesamt sieben geplanten Handelsabkommen könnte den wirtschaftlichen Ausfall durch die Trump-Zölle mehr als wettmachen. Das Institut geht von einem möglichen Exportwachstum für Deutschland von vier Prozent aus. Handelsökonom Andreas Baur vom Ifo-Institut appelliert an die EU, in der Handelspolitik zusammenzurücken: "Wir können nur als Europäer gemeinsam handeln. Gemeinsam sind wir auch interessant für diese anderen Mittelmächte."

Schnelles Agieren der EU, das wünscht sich auch die Würzburger Winzerin Tanja Strätz: "Ohne diesen Zoll erstmal auch mehr Weine, mehr Flaschen auf diesen Markt zu bringen, wäre auch eine Erleichterung." Ob und wann das EU-Mercosur-Abkommen vollständig in Kraft tritt, bleibt offen.

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