Chappell Roan erscheint in einem transparenten Naked Dress zur Grammy-Verleihung 2026.
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Bei den Grammys 2026: Chappell Roan ist der Hingucker des Abends.

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Grammy-Hingucker: Chappell Roans Weg an die Popspitze

Chappell Roan geht bei den Grammys 2026 zwar leer aus, schreibt mit ihrem Naked Dress aber trotzdem Grammy-Geschichte. Wie wurde aus einer Kleinstadt-Sängerin die queere Pop-Ikone von heute?

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Mit diesem Kleid geht Chappell Roan sicherlich in die Grammy-Popgeschichte ein. Es wird nicht durch Träger auf den Schultern gehalten, sondern sie hat es direkt an ihren Brustpiercings befestigt. Und spätestens jetzt ist klar, dass sie nicht nur ein Szene-Phänomen ist, sondern zum Pop-Mainstream gehört. Doch dieser Erfolg kam nicht über Nacht. Wie wurde eine junge Frau aus dem ländlichen Missouri zu einem der sichtbarsten queeren Popstars unserer Zeit?

"Hier gibt's mehr Kühe, als Menschen", so hat Chappell Roan einmal das ländliche Missouri beschrieben, wo sie als Kayleigh Rose Amstutz aufgewachsen ist. Ihr Aufwachsen ist durch die Kirche und eine klare Vorstellungen geprägt, wie die Zukunft für eine Frau aussehen soll: früh heiraten, Kinder bekommen. Zeitgleich entdeckt Kayleigh früh die Musik. Sie spielt Gitarre, singt bei lokalen Events und besucht mit 16 ein Songwriting-Camp.

Musikalisch orientiert sie sich an dem Sound der 2010er-Jahre: Lana Del Rey, Lorde, diese Sad-Girl-Mood eben. Schließlich entsteht ihr erster Song "Die Young". Doch die Single findet keine Beachtung und der große Durchbruch lässt auf sich warten. Warum zündet Chappell Roans Karriere damals nicht?

Die Nacht im Gay Club, die alles veränderte

Es könnte daran liegen, dass ihrer Musik noch die Ehrlichkeit fehlt. Heute ist Chappell Roan für explizit lesbische Songtexte bekannt, aber 2017 fehlt die Queerness in den Texten. Sie zieht 2018 nach Los Angeles, wo endlich erfolgreiche Musik entstehen soll. Und dann ist da diese Nacht im The Abby, einem legendären Gay Club in West Hollywood. Hier erlebt sie zum ersten Mal queere Selbstverständlichkeit, Freiheit und Community – ein Schlüsselmoment.

Diese Erfahrung verändert alles. Jetzt schreibt sie kompromisslos ehrlich, die neuen Songtexte handeln von queerer Liebe und Beziehungen – und vom Leben jenseits der Erwartungen ihrer Heimat. Aus Kayleigh wird Chappell Roan.

"Pink Pony Club" und die Geburt eines neuen Popstars

Das Ergebnis dieser inspirationsvollen Nacht ist eine neue Single: "Pink Pony Club" erscheint 2020 und darin besingt Chappell Roan ihre Erfahrungen in dem Gay Club. Zwar führt der Song nicht zum sofortigen Erfolg, öffnet ihr aber neue Türen. Es entstehen weitere Singles, Chappell geht mit Olivia Rodrigo auf Welttournee und 2023 ist es dann endlich soweit: Ihr erstes Album erscheint – "The Rise and Fall of a Midwest Princess".

Der Durchbruch: Sapphic Pop im Mainstream

Ein Rekordpublikum beim Lollapalooza-Festival, gefeierte Tourneen und ein Grammy im vergangenen Jahr als beste neue Künstlerin – Chappell Roan wird zum Pop-Star. Mit ihrem Erfolg gelingt ihr erstmals etwas, das lange als unmöglich galt: explizit lesbische Popmusik fest verankert im Mainstream. Ob als bewusste Marktlücke oder echte Revolution – fest steht, dass Chappell Roan den Weg für Sapphic Pop neu definiert hat. Also Popmusik, die von queeren Frauen für queere Frauen geschrieben wird. Mit Songs, die sich nicht nur, aber häufig, um Beziehungen zwischen Frauen drehen. Diese eine Nacht im Gay Club hat also nicht nur ihr Leben verändert, sondern den Pop gleich mit.

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