Von einem Aufschwung gibt es in der deutschen Wirtschaft nach wie vor keine Spur. Selbst das von der Regierung versprochene schuldenbasierte Milliardeninvestitionspaket kann in den Betrieben nicht für Zuversicht sorgen. Dabei hatte es im vergangenen Jahr durchaus einen zaghaften Aufwärtstrend gegeben.
Nach zwei Rückgängen im November und Dezember bleibt der ifo-Geschäftsklimaindex im Januar unverändert bei 87,6 Punkten. Analysten hatten eigentlich mit einem leichten Anstieg gerechnet. Für das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer befragt das Münchner ifo-Institut monatlich rund 9.000 Firmen.
ifo-Geschäftsklima: Kaum Hoffnung auf Besserung
Abgefragt wird darin unter anderem, wie die Unternehmen die aktuelle Lage einschätzen und wie sie in die Zukunft blicken. Während die Unternehmen die aktuelle Lage minimal besser einschätzen, blicken sie skeptischer auf die kommenden Monate als bislang.
Zwar beurteilten Firmen im Rüstungsbereich und im Tiefbau ihre Aussichten mittlerweile etwas besser. Doch insgesamt reichten die Versprechen der rot-schwarzen Regierung nicht, um die deutsche Wirtschaft aus der Stagnation zu ziehen, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest im BR-Interview. Die Betriebe seien enttäuscht, weil es keine durchgreifenden Reformen gebe. Noch immer belasten sie zu viel Bürokratie und die zu teure Energie.
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Im Tourismus läuft es jetzt schlechter
Vor allem eingetrübt hat sich die Stimmung im Dienstleistungsbereich. Der Tourismus, der sich lange Zeit gegen den negativen Trend stemmen konnte, ist nun ebenfalls von Skepsis geprägt. Die Deutschen geben in ihrer Freizeit offenbar weniger Geld aus.
Die schlechten Werte bei den Dienstleistern haben in der Folge einen Anstieg beim Geschäftsklima verhindert. Denn in Industrie, Handel und Bau sind die Umfragewerte besser ausgefallen, wenn auch weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.
ifo-Präsident: Wirtschaftspolitische Veränderungen notwendig
Dem ifo-Index zufolge ist die deutsche Wirtschaft sehr verhalten ins neue Jahr gestartet. "Zwar konnte eine Bruchlandung der Unternehmensstimmung aufgrund der Rücknahme der Zolldrohung durch die USA vermieden werden", sagte Deka-Analyst Andreas Scheuerle gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, "doch sie scheint Spuren hinterlassen zu haben".
Spätestens jetzt werde klar, dass die USA Zölle nicht mehr nur zur Erreichung ökonomischer Ziele einsetzten, sondern zunehmend auch, um geopolitische Positionen durchzusetzen. "Unsicherheit ist die Folge." Die Hoffnungen ruhten damit einmal mehr auf den von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Reformen.
Auch nach Ansicht von ifo-Präsident Fuest hängt jetzt viel davon ab, ob CDU und SPD es schaffen, in den nächsten Monaten wirtschaftspolitische Veränderungen in Gang zu setzen. Nur viel Geld in die Rüstung und die Infrastruktur zu stecken, werde die Probleme nicht lösen.
Grafik: ifo Geschäftsklimaindex seit 2022
Im Video: So schätzen deutsche Unternehmen die Wirtschaftslage ein
Wie schätzen deutsche Unternehmen die aktuelle Lage und ihre Aussichten ein? Antworten liefert der ifo Geschäftsklimaindex.
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