Ein Gold- oder Silberbarren ist ein recht unspektakuläres Anlageobjekt. Länger als fünf Sekunden schaut man sich das eigentlich nicht an, ohne dass einem langweilig wird. Münzen machen da deutlich mehr her. Der südafrikanische Krügerrand etwa mit seinem Springbock, oder der kanadische Maple Leaf mit dem Ahornblatt – einfach hübsch.
Wem das zu wenig lokalpatriotisch ist, dem bietet die bayerische Staatsregierung seit 2025 den Bayern Thaler in Gold und Silber, mit Schloss Neuschwanstein als Prägung. Der Einstiegspreis liegt bei 120 Euro für einen Thaler in Silber (Stand 30.1.2026). Wer mehr anlegen möchte, kann auch eine 3.000-Thaler-Gold-Münze für 149.250 Euro erwerben, das entspricht einem Kilo Gold.
Ist das eine sinnvolle Geldanlage?
Grundsätzlich sind Gold- und Silber-Münzen eher etwas für Liebhaber. Sie kosten mehr als der reine Anteil an Gold oder Silber, der drinsteckt. Ein Beispiel: Während der 100er-Thaler in Gold mit einer Feinunze aktuell für 4.476 Euro verkauft wird, steht der Marktpreis für die gleiche Menge Gold zur gleichen Zeit bei 4.230 Euro. Das sind rund fünf Prozent Aufschlag.
Auch beim Silber gibt es eine ähnliche Differenz. Wobei es sein kann, dass Münzpreis und Marktpreis kurzzeitig mehr auseinanderklaffen, wenn am Markt viel Bewegung ist. Das bayerische Münzamt, das die Thaler ausgibt, passt seine Preise nur zwei- bis dreimal täglich an.
Ob man sein Geld generell in Gold oder Silber anlegen sollte, ist dabei eine andere Frage. Auch wenn es momentan viele Gründe für steigende Preise gibt, bleibt ein großes Kursrisiko bestehen.
Thaler werden Goldpreis nicht überflügeln
Wer darauf spekuliert, dass es beim Verkauf seiner Thaler vielleicht einen Sammler-Aufschlag gibt, weil die Münze so beliebt ist, wird wahrscheinlich enttäuscht. Das zeigt die Erfahrung mit jenen Münzen, die schon länger verkauft werden. Es gebe kaum einen alten Krügerrand, der für mehr als den Materialwert gekauft werde, sagt Michael Becker, erster Vorsitzender beim Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels. Vom "Bayern Thaler" hat er übrigens noch nie gehört und muss ihn sich erst einmal für uns ansehen.
Bayern Thaler ist "kein schlechtes Produkt"
Die Reaktion fällt positiv aus. Das sei ein ordentliches Produkt, erklärt der Fachmann, der Preis durchaus moderat. Und wenn jemand für Neuschwanstein gerne ein bisschen mehr zahlen wolle … warum nicht. An der Bezeichnung Thaler stört sich Becker allerdings. Er verweist darauf, dass es den Thaler als Währung ja schon längst nicht mehr gibt. Der "Bayern Thaler" ist dementsprechend auch kein Zahlungsmittel und keine Münze, sondern lediglich eine Medaille.
Einkaufen kann man damit nicht. Und auch am Bankschalter wird man ihn eher nicht los. Übrigens nimmt ihn auch das Hauptmünzamt nicht mehr zurück. Für einen Verkauf muss man einen Goldhändler suchen, der diese Medaillen auch anbietet.
Für den Freistaat ist der "Bayern Thaler" ein gutes Geschäft
Seit dem Start hat das bayerische Hauptmünzamt 40.000 silberne und 9.000 goldene Thaler verkauft. In Metallgewicht entspricht das 120 Kilogramm Gold und zwei Tonnen Silber. Damit haben die Bayern-Thaler-Fans inzwischen nach aktuellen Preisen rund 25 Millionen Euro zu Hause eingelagert. Die Thaler seien ein "Verkaufsschlager", freut sich auch Finanzminister Albert Füracker (CSU). Ein Teil des Gewinns fließt dabei in die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung.
Neue Münzen in den nächsten Wochen
Und da das Geschäft so gut läuft, legt der Finanzminister gleich nach: Am 2. Februar startet der Verkauf einer neuen Auflage, mit einer etwas anderen Ansicht auf das Schloss Neuschwanstein. Mit der Auslieferung kann es noch etwas dauern wie Reinhard Riffel erklärt, der Leiter des Bayerischen Hauptmünzamtes. Die Silbermünzen werden demnach voraussichtlich in der zweiten Februarwoche rausgehen. Auf Goldmünzen müssen die Interessenten noch rund zwei Wochen länger warten.
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