Die alte Golduhr oder das geerbte Silberkettchen – seit Jahrzehnten liegen sie zu Hause und stauben vor sich hin. Warum diese Schätze also nicht zu Geld machen? Der Zeitpunkt scheint günstig, schließlich haben Gold und Silber so stark an Wert zugelegt, dass sich der Aufwand für den Verkauf jetzt lohnen dürfte. Aber: Man sollte etwas Zeit investieren, um beim Verkauf nicht über den Tisch gezogen zu werden.
- Zum Artikel: Goldpreis steigt immer weiter - wie lange noch?
Wieviel könnte Schubladen-Schatz wert sein?
Viele Menschen taxieren den Wert für ihren persönlichen Schmuck zu hoch ein. Ein Collier, das toll gearbeitet wurde und für das die Großmutter noch ein Vermögen ausgegeben hat, muss heute nicht automatisch auch viel wert sein. Selten wird bei einem Ankauf die Handwerkskunst vergütet, emotionale Werte ohnehin nicht. Es geht meist ganz nüchtern nur um den Gehalt an Gold oder Silber.
Die Verbraucherzentralen empfehlen (externer Link) deshalb, sich die Gravuren genau anzuschauen. Die Ziffern 333, 585 und 750 verweisen auf den Goldanteil in Promille. 333 etwa zeigt an, dass ein Drittel des Gesamtgewichts aus Gold besteht. Nun muss man herausfinden, wie viel Gramm der Gold- oder Silberanteil im Schmuckstück steckt. Man kann hierfür einfach eine Briefwaage nutzen.
Bei komplizierten Fällen braucht es Experten
Bei einer Halskette ist das etwas einfacher, als etwa bei einer goldenen Uhr. Hier müsste man schätzen, wie viel das Uhrwerk wiegt, und das abziehen. Einen genauen Wert wird man so leider nicht bekommen.
Ein anderes Problem könnte sein, dass keine Gravur zu finden ist. Die Verbraucherzentralen empfehlen in solchen Fällen zu einer Scheideanstalt, Edelmetallhändlern oder Juwelierinnen zu gehen. Sie können den Feingehalt an Gold oder Silber mittels geeigneter Verfahren feststellen. Man sollte aber unbedingt vorher fragen, was das kostet.
Grafik: Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen 12 Monaten in Euro
Eine simple Goldketten-Rechnung
Wir zeigen hier am Beispiel einer 100 Gramm schweren Kette, wie sich der Wert bei unkomplizierten Fällen relativ schnell berechnen lässt. Wissen muss man dafür noch, dass der Goldpreis in Feinunzen angegeben wird, das sind 31,1 Gramm. Unsere Goldkette hat die Prägung 585. Die Rechnung lautet:
100g x 0,585 x 4.600 € (Goldpreis Stand 29.1.2026) : 31,1g = 8.653 Euro.
Diese Summe ist nun ein guter Richtwert. Trotzdem wird man so viel Geld wahrscheinlich bei keinem Händler bekommen. Fast immer wird etwa ein Risikoabschlag oder ein Abschlag für Einschmelzkosten einkalkuliert. Der Berufsverband des deutschen Münzfachhandels listet zertifizierte Goldankäufer auf (externer Link), die als seriös gelten.
Möglichst viele Händler vergleichen
Die Stiftung Warentest hat die Probe auf's Exempel gemacht und ist mit dem gleichen Schmuckstück zu vielen verschiedenen Händlern gegangen. Das Ergebnis war ernüchternd. Für die Goldkette wurden zwischen knapp 1.500 und gut 2.100 Euro geboten. Die meisten Angebote lagen weit unter dem aktuellen Marktpreis.
Von daher sei Vorsicht geboten, rät Stefan Fischer. Er hat bei der Stiftung Warentest die Stichprobe begleitet und sagt, man solle wenigstens drei Angebote von verschiedenen Händlern einholen, am besten mehr. Grundsätzlich gilt: Je besser der Zustand der Münzen und Barren ist, desto geringer dürften die Abschläge sein.
Fallen beim Verkauf von Gold und Silber
Wer unbekannte Aufkäufer ins Haus lässt, sollte sich der Risiken bewusst sein. Schlimmstenfalls wollen die Besucher nicht unbedingt Gold oder Silber aufkaufen, sondern prüfen, ob sich hier ein Einbruch lohnt.
Der Schubladen-Schatz lässt sich aber auch per Internet verkaufen. Der Versand birgt allerdings ebenfalls Risiken. Pakete sind meist nur bis zu einem bestimmten Wert versichert. Und obwohl Werttransporte nur direkt an den Empfänger gegen Vorlage eines Ausweises übergeben werden dürfen, wird das nicht immer eingehalten.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu verkaufen?
Eine alte Binse sagt: Der perfekte Zeitpunkt lässt sich immer erst im Nachhinein bestimmen und dann ist es zu spät. Gold und Silber könnten weiter im Kurs steigen, es spricht aktuell sogar viel dafür. Anlageberater empfehlen allerdings meist, nur rund zehn Prozent eines Depots in Gold zu halten. Das heißt auch: Ist der Goldanteil durch den Aufschwung nun etwa auf 20 Prozent angestiegen, könnte das ein guter Zeitpunkt sein, einen Teil zu verkaufen.
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