Drei Steinmetzschulen gibt es in Bayern: in München, Wunsiedel und Aschaffenburg. Wobei letztere sich von den beiden anderen Standorten unterscheidet. Hier wird nahezu ausschließlich mit Hammer und Meißel gearbeitet – an dem für die Region typischen Buntsandstein. In Wunsiedel arbeiten die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich mit Granit. Hier und auch in München kommen Presslufthammer zum Einsatz. Aber gerade die Handwerkskunst – wie sie seit Jahrhunderten praktiziert wird – macht Aschaffenburg zu einem besonders attraktiven Standort.
"Arbeiten wie die alten Ägypter"
Schon von weitem hört man das Klopfen in der Aschaffenburger Altstadt. Zwölf Schülerinnen und Schüler, elf Männer und eine Frau, bearbeiten rötlich schimmernde Buntsandstein-Blöcke. Per Hand. "Ich hab mich für Aschaffenburg entschieden, weil hier die manuelle Arbeit im Vordergrund steht", sagt Bianca Koca aus Köln. Ihr gefällt die Schule direkt gegenüber des Schlosses und der historische Bezug. Die altvorderen Meister haben das nach dem Krieg zerstörte Schloss Johannisburg mit aufgebaut.
"Wenn hier zwölf Schülerinnen und Schüler mit Pressluft arbeiten würden, dann wäre das sehr störend für die umliegenden Nachbarn, und wenn wir aber mit traditionellem Werkzeug den Stein bearbeiten, wie es die alten Ägypter und Handwerker in der Gotik gemacht haben, dann ist das eigentlich wie Musik!", sagt Ulrike Ader. Sie leitet die Aschaffenburger Steinmetzschule seit 25 Jahren.
Aschaffenburg: Schule mit Strahlkraft
Stein spalten ohne Maschinen – damit hat Aschaffenburg unter den sieben Steinmetzschulen in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal. Das Steinmetz-Handwerk hat hier eine über 100-jährige Tradition. Seit 55 Jahren gibt es die Schule im historischen Marstall. Mit Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Auch Bianca Koca und ihr Freund Moritz aus Füssen sind nach verschiedenen Stationen in Deutschland und Südtirol in Aschaffenburg gelandet, um hier ihre Meisterausbildung zu machen. Diese dauert ein Jahr – in Vollzeit. Das hat auch Bernhard Baumhackl aus der Steiermark angezogen. In Österreich gebe es Meisterschulen nur berufsbegleitend, erklärt er.
Steinmetze bayernweit begehrt, aber immer weniger
Die Meister-/Fachschulen in Aschaffenburg, Wunsiedel und München haben mit Blick auf die Aus- und Weiterbildung einen besonderen Stellenwert. Laut Handwerkskammer für München und Oberbayern ist die Nachfrage nach Steinmetz- und Steinbildhauerarbeiten landesweit groß – und dementsprechend auch der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. "Der Hauptgrund ist die vielseitige Einsetzbarkeit", schreibt die Handwerkskammer für München und Oberbayern auf BR24-Nachfrage.
"Steinmetze/Steinbildhauer sind in der Grabgestaltung, im Innenausbau mit Treppen, Spülbecken und Wänden und bei der Gestaltung von Fassaden tätig. […] Hinzu kommt der künstlerische Bereich wie Skulpturen und – unter Einsatz alter Handwerkstechniken – die Restaurierung und der Denkmalschutz." Aber seit 2021 schrumpft die Zahl der Auszubildenden in Bayern (2021: 220 / 2024: 191) und auch die Zahl der ausbildenden Betriebe geht zurück (2021: 162 / 2024: 133). Dafür betont die Kammer: Die Zahl der weiblichen Azubis wächst.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

