Es ist eine kleine Sensation, die sich am Sonntagabend im Landkreis Ansbach abgespielt hat: Marco Meier von den Freien Wählern gewinnt die Stichwahl für den Posten des Landrats – und das mit gerade einmal 33 Jahren. Sein Gegner, der bisherige Amtsinhaber von der CSU, ist gut 20 Jahre älter. "Jung schlägt alt" könnte man damit – ganz weit heruntergebrochen – sagen.
- Zum Artikel: Der Tag nach der Stichwahl – Analyse und Reaktionen
Anfang 30 und schon Landrat in Bayern
Meier ist bei weitem kein Einzelfall. Auffallend oft setzten sich in diesem Jahr sehr junge Bewerber bei OB- und Landratswahlen in Bayern durch. Ein Zufall? Daran will Meier im BR-Gespräch nicht glauben: "Ich denke schon, dass es ein Trend ist, weil sich mehr Jüngere trauen zu kandidieren."
Für den 33-Jährigen, der übrigens schon mit 27 Jahren zum Bürgermeister seiner Gemeinde Ornbau gewählt wurde, eine gute Sache: "Ich kann wirklich nur alle interessierten jungen Menschen motivieren, dass sie sich aufstellen lassen, weil ich glaube, dass wir auch mehr jüngere Leute in der Politik unbedingt brauchen, um unsere Demokratie auch aufrechtzuerhalten."
Aber kann man in Bayern wirklich von einer systematischen Entwicklung sprechen? BR24 Data hat sich die Zahlen angeschaut – mit einem überraschenden Ergebnis.
Statistik zeigt: Zahl der ganz jungen Landräte hat deutlich zugenommen
Verglichen wurde das Alter von Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern von Kommunen mit über 10.000 Einwohnern in Bayern bei Amtsantritt – vor und nach der aktuellen Kommunalwahl 2026.
Tatsächlich hat die Zahl der ganz jungen Landräte deutlich zugenommen. War in der vorherigen Wahlperiode nur eine Landrätin 34 oder jünger, sind es nach der jüngsten Kommunalwahl fünf. Bei den Oberbürgermeistern in den kreisfreien Städten wuchs besonders die Altersgruppe 35 bis 44.
Diese jungen Spitzenkräfte erhielten viel Aufmerksamkeit. Dass man die Entwicklung allerdings nicht generalisieren kann, zeigt die folgende Grafik:
Aber: Kein systematischer Trend erkennbar
Entsprechend ist auch nur der Altersdurchschnitt der Oberbürgermeister in den kreisfreien Städten deutlich gesunken – um rund drei Jahre, von 50,7 auf 47,8.
Das deckt sich mit dem Eindruck von Politikwissenschaftler Johannes Steup von der Bundeswehr-Uni in München. Er erläutert im BR-Interview: "Man sieht halt, dass Alter kein Ausschlusskriterium mehr ist. Also es werden auch junge Menschen in Ämter gewählt." Von einem systematischen Trend will aber auch Steup nicht sprechen. "Dass jetzt ein großer, breiter Aufschwung der Jüngeren oder eine vollständige Erneuerung oder sowas im Gange ist, das sehe ich nicht", sagt der Politikexperte.
Jüngeren hilft oft mehr Social Media-Erfahrung
Statistisch lässt sich der Eindruck vom Wahlabend auch anders erklären. Es sei etwa nicht so, dass die Leute jüngeren Kandidaten plötzlich mehr zutrauen würden. Stattdessen gebe es wieder mehr junge Menschen, die auch Lust auf Politik haben, meint Steup. "Und entsprechend machen die dann häufig auch das Rennen, bekommen Kandidaturen und können sich dann auch manchmal durchsetzen."
Hinzukommt, dass jüngere Menschen den Wahlkampf auf Social Media oft besser umsetzen. "Sie nutzen regelmäßiger die sozialen Medien, erklären hier ihre Politik", so Politikwissenschaftler Steup. Das zeigt sich auch am Beispiel Philine Blees. Gleich nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin von Obermaiselstein hat die 27-jährige CSU-Politikerin ein Video vor ihrem künftigen Rathaus gedreht und gepostet.
Im Video: Junge Rathauschefs in Bayern – Der frühe Weg ins Bürgermeisteramt
Amtsbonus wirkt nur mit Einschränkungen
Junge neue Kandidaten haben auch gute Chancen, wenn der Amtsinhaber Fehler gemacht hat oder wegen eines umstrittenen Projekts abgewählt wurde. Der Amtsbonus oder auch die Bindung an eine bestimmte Partei spielen laut Politikwissenschaftler Steup dagegen nur dann eine Rolle, wenn man auch Erfolge und eine skandalfreie Bilanz vorzeigen kann.
Das zeigen auch die Zahlen: In knapp der Hälfte der kommunalen Spitzenämter, die BR24 Data analysiert hat, fand ein Wechsel statt. Wieder stechen die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte heraus – von 16, die erneut antraten, konnten nur sieben ihr Amt behaupten. Nicht wenige der Abgewählten verlassen ihren Posten nach einer langen Amtszeit – 18, 24 oder sogar 31 Jahre.
Fazit: Kommunalwahlen sind Personenwahlen
Letztlich komme es laut Steup doch immer auf die Person drauf an. "Kommunalpolitik lebt von Engagement."
So sieht es auch Daniela Groß. Die Grünen-Politikerin ist 37 Jahre alt und übernimmt künftig den Chefsessel im Landratsamt Landsberg am Lech. "Es gibt auch Personen, die lebensälter sind, und die viele gute Ideen auch mitbringen." Wichtig sei es, dass man einem Menschen den Job zutraut, dafür einzustehen und eine andere Art der Politik zu machen, erklärt Groß.
Im Video: 33-Jähriger wird neuer Landrat in Ansbach
Kurz war die Nacht nach dem Sieg von Marco Meier (FW) bei der Stichwahl um den Posten des Landrats in Ansbach.
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