Ob in Griechenland, Frankreich oder Spanien: In vielen Ländern ist es ganz normal, dass Kellner ihren Gästen kostenloses Leitungswasser bringen. In einigen europäischen Regionen ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. Warum ist das aber in Bayern nicht so?
Gratis Leitungswasser im Biergarten?
Der Garten des Waldgasthofs Buchenhain ist am Dienstagmittag gut gefüllt. Schon um 12 Uhr sind fast alle Tische besetzt. Gäbe es hier ein kostenloses Glas Leitungswasser zum Schnitzel?
"Natürlich!", sagt der Wirt Stefan Kastner. Er führt den Familienbetrieb in vierter Generation. "Also, ich mach da kein Fass auf. Wenn’s da um so Kleinigkeiten geht, da ist mir die Diskussion zu mühsam", erklärt er und fügt hinzu: "Aber das kommt wirklich sehr, sehr selten vor, weil die Leute es hier ja gar nicht gewöhnt sind".
In Italien ist das Trinkwasser oft Teil des "Coperto"
Kostenloses Trinkwasser, das ohne Nachfrage serviert wird, sobald man in einer Taverne oder in einem Restaurant Platz nimmt: In manchen Regionen, wie etwa in Italien, gehört das zum sogenannten "Coperto" ("Gedeck"). Es deckt die Kosten für das Eindecken des Tisches ab, sowie oftmals auch Brot und manchmal auch Oliven oder Grissini. Mit dabei ist dann meist auch die Karaffe Wasser. Allerdings: Da das "Coperto" (etwa 1,50 bis fünf Euro, je nach Stadt und Lage) bereits eine gesetzlich erlaubte Servicegebühr ist, ist zusätzliches Trinkgeld dann weniger üblich.
Frankreich, Spanien, England: Kostenloses Trinkwasser gesetzlich geregelt
Ganz anders sieht es zum Beispiel in Frankreich aus: Die kostenlose "Carafe d’eau" ist dort nicht nur gängige Praxis, sondern auch ausdrücklich gesetzlich geregelt. Heißt: Restaurants müssen zu einer Mahlzeit Leitungswasser gratis anbieten. Das ist auch in Spanien so. Dort sind seit 2022 Bars und Restaurants gesetzlich dazu verpflichtet, Wasser bereitzustellen. Auch in England, Schottland und Wales müssen alle Pubs und Betriebe, die Alkohol ausschenken, ebenfalls gratis Leitungswasser anbieten.
In der Trinkwasserrichtlinie der EU wird Gastronomiebetrieben empfohlen, Wasser kostenlos oder gegen eine geringe Servicegebühr anzubieten – auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Ein automatisches Recht auf Gratiswasser in Restaurants ist darin jedoch nicht festgeschrieben.
Gaststättenverband: Jeder Wirt soll selbst entscheiden
Diese Freiwilligkeit ist auch im Sinne des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Josef Stark betont, dass jedes Unternehmen grundsätzlich selbst entscheiden sollte, ob und zu welchen Konditionen Wasser angeboten wird: "Wir halten da nichts davon, weil eine Verpflichtung – das ist einfach ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit."
Stark führt selbst einen Landgasthof und erklärt, dass kostenloses Trinkwasser auch mehr Aufwand fürs Personal bedeute. Etwa, weil die Gläser wieder gereinigt werden müssen. "Und gerade bei uns ist das Personal ein hoher Kostenfaktor, anders als in südlicheren Ländern".
Freistaat Bayern: Keine gesetzliche Änderung geplant
Ähnlich sieht es auch der Freistaat Bayern. Auf BR-Anfrage teilt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Tourismus mit: "Diese Haltung der Freiwilligkeit wird von der Bayerischen Staatsregierung geteilt. Daher gibt es im Freistaat keine gesetzliche Verpflichtung zur kostenlosen Bereitstellung von Leitungswasser in Gaststätten; dies ist derzeit auch nicht geplant".
Umfrage: "Finde ich eindeutig gut"
Aber was sagen eigentlich die Gäste dazu? Eine stichprobenartige BR-Umfrage zeigt klar: Fast alle Befragten würden sich auch hierzulande über kostenfreies Wasser zum Essen freuen.
"Wenn 0,2-Liter in manchen Wirtschaften 4,20 Euro kosten, dann ist das schon Wucher", sagt etwa ein Mann. Sein Bekannter erklärt: "Ja, finde ich eindeutig gut, weil bei uns ist meines Erachtens sowieso sehr wenig Service, gerade in der Gastronomie". Ein Rentner meint, dass der erste Schritt "in die richtige Richtung" schon getan sei durch die kostenlosen Wasserbrunnen auf größeren Volksfesten. Und eine Frau erklärt: "Das muss ja nicht das ganze Jahr über sein, aber in den heißen Sommermonaten würde ich das schon begrüßen".
In Bayern aber bleibt es vorerst dabei: Wer kostenloses Leitungswasser haben will, muss aktiv darum bitten – und hoffen, dass der Wirt es bereitstellt.
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