Es ist 23:45 Uhr an einem Abend im Mai 2025, als Aleksandra H. aus dem Schlaf gerissen wird. Ein Videoanruf mit dem Klingelton, der nur bei ihrer Tochter ertönt. Doch es meldet sich ihre achtjährige Enkelin: "Sie hat ständig rechts und links geschaut, hatte riesige Pupillen", so Aleksandra H. Dann habe ihre Enkelin gesagt: "Oma, bitte, du musst kommen! Mama liegt am Boden und da ist überall Blut. Ich habe sofort angefangen zu zittern und meine Enkelin gefragt: 'Kannst Du schauen, ob die Mama noch atmet?'". Die Enkelin habe geantwortet: "Ich weiß nicht, Oma! Da ist so viel Blut!"
Mutter fährt zum Haus ihrer erschossenen Tochter
Die Mutter der Getöteten rafft sich auf, mit zitternden Händen wählt sie den Notruf. "Danach bin ich zum Haus meiner Tochter gefahren. Dass meine Tochter tot ist, habe ich erst morgens um vier erfahren", sagt Aleksandra H. vor dem Augsburger Landgericht, wo sich jetzt ein 29 Jahre alter Deutscher wegen Mordes verantworten muss. Dort berichtete die Mutter der Toten auch von der komplizierten Vorgeschichte der Tat.
Ex-Partner soll Getötete gedemütigt haben
Im Zentrum steht dabei der Vater der beiden jüngeren Kinder, von dem sich die getötete Nina H. wenige Wochen vor der Tat getrennt hat. Der Kindsvater habe Nina H. vor und auch noch nach der Trennung runtergemacht und gedemütigt. Beispielsweise habe er sie eine "dreckige Hure" genannt und sie an den Haaren gezogen. Danach habe er ihr Blumen und Schokolade geschenkt, um sie wieder zurückzugewinnen.
Nach der Trennung habe ihre Tochter Angst vor ihrem Ex-Partner gehabt, berichtet die Mutter der Toten. Unter anderem habe sie gesagt: "Es wird etwas passieren, ich habe es in seinen Augen gesehen." Am Tag der Tat hätten die Hände des Vaters gezittert, als er den gemeinsamen Sohn zu Nina H. gebracht hatte. Angeklagt ist jedoch nicht der Ex-Partner, sondern der 29 Jahre alte Gino F., er soll der jungen Mutter vier Mal in den Kopf geschossen haben.
Ziehsohn des Ex-Partners soll die Frau getötet haben
Der Angeklagte soll eine Art Ziehsohn des Kindsvaters sein; Gino F. selbst soll zu der Getöteten eigentlich gar kein enges Verhältnis gehabt haben. "Gino war für den Kindsvater das Mädchen für alles", berichtete die Mutter der Getöteten. Er habe auch ihn immer wieder "runtergemacht" und "den Dummen, den Blöden" genannt.
Weiter berichtet die Mutter der Toten: "Wenn der Kindsvater Gino was aufgetragen hat, dann hat er es gemacht und wieder einen Fünfziger dafür bekommen." Am Tag der Tat soll Gino F. auf einer Parkbank in der Nähe des Tatorts gesessen haben, "mit Kapuze und Sonnenbrille". So ähnlich habe die achtjährige Tochter später auch den mutmaßlichen Täter einer Polizistin beschrieben.
Achtjährige Tochter in Traumatherapie
Seit dem Mord an ihrer Tochter kümmert sich die Mutter um ihre drei Enkelkinder. "Manchmal kratze ich an der Tür der Trauer. Aber ich öffne sie nicht", sagte die dunkelhaarige Frau vor dem Augsburger Landgericht. "Sonst war es das. Dann gibt es die Oma auch nicht mehr."
Die achtjährige Tochter, die die Schüsse auf ihre Mutter mit ansehen musste, sei inzwischen in Traumatherapie. Schlimm sei es besonders, wenn es Nacht werde. "Mir tut mein Herz weh", flüstere sie dann, berichtet die Oma. Die Achtjährige erinnere sich an den Schrei ihrer Mutter. Auch der Jüngste könne nun sprechen. Er sagt, dass seine Mutter "ein Aua" im Gesicht gehabt hätte.
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