Verschiedene Kirchtürme und der Turm des Rathauses zeichnen sich vor dem bewölktem Himmel in Würzburg ab.
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Über 13.000 Kirchen in Bayern: Ringen um Geld und Denkmalschutz

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Über 13.000 Kirchen in Bayern: Ringen um Geld und Denkmalschutz

Bayern hat ein dichtes Netz aus Kirchen und Kapellen. Doch der Druck wächst, Gebäude aufzugeben oder neu zu nutzen. Ein Symposium in München zeigt, wo es hakt: am Geld und oft an ganz praktischen Dingen – wie denkmalgeschützten Kirchenbänken.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Glauben Zweifeln Leben am .

Kirchtürme prägen Ortsbilder, Glocken geben den Takt vor, drinnen stehen Bänke, Altäre, Orgeln und Kunst. Doch immer häufiger bleibt es still, weil die Gemeinden kleiner werden und der Unterhalt der Gebäude zu teuer ist. In Bayern stellt sich deshalb vielerorts dieselbe Frage: Was passiert mit Kirchen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden?

Zukunft der Kirchengebäude ist nicht nur Aufgabe der Kirchen selbst

Genau darum geht es aktuell bei einem dreitägigen Symposium in der Katholischen Akademie in München. Verantwortliche aus evangelischer und katholischer Kirche sitzen mit Entscheidungsträgern aus Pfarr- und Kirchengemeinden, Vertretern von Denkmalschutz und Heimatpflege und weiteren Fachleuten an einem Tisch.

Der Tenor: Um die Zukunft der Kirchengebäude zu ringen, ist nicht nur Aufgabe der Kirche selbst.

Über 13.000 Kirchen und Kapellen: Bayern hat ein dichtes Netz

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum das Thema drängt. BR24 liegen Daten der sieben bayerischen Bistümer und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vor, Stichtag 31. Dezember 2025. Allein die gemeldeten Bestände summieren sich auf über 13.000 Kirchen und Kapellen.

  • Bistum Augsburg: rund 2.090 Sakralgebäude
  • Erzbistum Bamberg: etwa 700 Kirchen und Kapellen
  • Bistum Eichstätt: 834 Kirchen und Kapellen
  • Erzbistum München und Freising: 3.312 Gottesdiensträume
  • Bistum Passau: rund 550 Pfarr- und Filialkirchen
  • Bistum Regensburg: 2.513 Kirchen und Kapellen
  • Bistum Würzburg: rund 1.170 Kirchen und Kapellen
  • Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB): etwas mehr als 2.000 Kirchen und Gemeindezentren

Wie groß die Denkmalschutz-Dimension ist, zeigen zwei Beispiele, zu denen konkrete Zahlen vorliegen: Im Bistum Augsburg stehen 1.809 der 2.090 Sakralgebäude (86 Prozent) unter Denkmalschutz. In der ELKB sind es 1.344 von etwas mehr als 2.000 Kirchen und Gemeindezentren (etwa 65 Prozent).

Schließungen seit 2015: Noch wenige, aber dennoch spürbar

Trotz des noch dichten Netzes sind seit 2015 in fast allen Regionen Gebäude aufgegeben worden. Noch relativ wenige, aber spürbar. Das Erzbistum Bamberg nennt zehn aufgegebene Kirchen seit 2015. Würzburg spricht von acht aufgegebenen Gotteshäusern seit 2019. Regensburg und Eichstätt melden drei Profanierungen, München und Augsburg sprechen von jeweils einer Aufgabe. In der evangelischen Landeskirche wurden seit 2015 etwa 30 Kirchen und Gemeindezentren entwidmet, umgenutzt oder abgerissen.

Landesbischof Kopp: "Das ist ein langer Weg"

Auf dem Symposium in München war man sich in einem Punkt schnell einig: Verkauf oder Abriss sollen die letzte Option sein. Gleichzeitig rechnen viele damit, dass es nicht wie bisher bei Einzelfällen bleiben wird. Landesbischof Christian Kopp bringt es auf den Punkt: "Wir sind da, glaube ich, wenn man es mal ganz böse sagt, doch noch ziemlich am Anfang. (…) Das ist ein langer Weg, den wir gehen werden."

Der Oberpfälzer Heimatpfleger Tobias Appl wirbt dafür, die Bedeutung der Gotteshäuser nicht nur religiös zu erklären. Man müsse auch den Rest der Bevölkerung sensibilisieren, "welche Bedeutung diese Kirchen und Gotteshäuser auch für die gesamte Gesellschaft haben, für unsere Kultur".

Geld und Kirchenbänke: Warum Umnutzung oft stockt

Ein Hauptproblem bleibt das Geld. Viele Gemeinden können den Unterhalt nicht mehr stemmen, Umbauten sind oft teuer. Gleichzeitig stehen viele Kirchen unter Denkmalschutz. Das betrifft häufig auch den Innenraum und damit praktische Fragen wie: Dürfen Kirchenbänke raus, damit ein Raum überhaupt anders genutzt werden kann?

Katja Mark-Engert, Diözesanbaumeisterin im Bistum Würzburg, kritisiert, "dass Kirchenbänke im Endeffekt erhalten werden müssen" – und zwar in der Kirche, obwohl man sie auch mit einem einzelnen eingelagerten Muster dokumentieren könnte. Landesdenkmalpfleger Mathias Pfeil nennt das einen Spagat. "Wie kann ich einen Raum, der umfassend geschützt ist, für eine andere Nutzung qualifizieren, ohne dass ich Schutzgut zerstöre? Das ist momentan ein bisschen das Problem."

Beispiel Rüdenhausen: Wenn am Ende der Verkauf steht

Wie schnell es am Ende trotzdem in Richtung Verkauf gehen kann, zeigt Rüdenhausen im Landkreis Kitzingen. Pfarrer Matthias Eller sagt: "Letztlich war die Schwierigkeit, dass eigentlich niemand einen Bedarf vor Ort wahrgenommen hat." Die Kirche wurde auf einem Immobilienportal ausgeschrieben, geplant sind Wohnungen und Büros.

Eller bleibt dennoch optimistisch: "Unser Glaube hängt nicht an Gebäuden. Ich sehe das eher als einen Transformationsprozess und nicht als einen Abriss oder Abbruch".

Im Video: Klettern unterm Kreuz – Ein Kindergarten in der Kirche

Die Pauluskirche in Trabitz stand meist leer. Heute lachen hier Kinder, klettern an der Wand und ziehen mit Eseln zur "Kirche im Wald".
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Die Pauluskirche in Trabitz stand meist leer. Heute lachen hier Kinder, klettern an der Wand und ziehen mit Eseln zur "Kirche im Wald".

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