Donald Trump selbst hat die Spekulationen um einen Einsatz von US-Bodentruppen im Iran weiter angeheizt. In einem Interview mit der "Financial Times" sagte der US-Präsident: "Vielleicht nehmen wir die Insel Charg ein, vielleicht auch nicht. Wir haben viele Optionen." Über die Insel Charg im Persischen Golf wickelt der Iran etwa 90 Prozent seiner Ölexporte ab.
Vergangenen Freitag waren nach Angaben von US-Medien 3.500 Marinesoldaten neu in der Region eingetroffen. Das Nachrichtenportal "Axios" und die Zeitung "Washington Post" berichteten am Wochenende unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsmitarbeiter, das US-Verteidigungsministerium bereite die Entsendung weiterer 10.000 Soldaten in die Golf-Region vor.
Noch keine Entscheidung über Einsatz am Boden
Betont wird in allen Berichten, die endgültige Entscheidung über einen Bodentruppen-Einsatz sei noch nicht gefallen. Zudem gehe es bei den Überlegungen nicht um eine umfassende Bodeninvasion im Iran, sondern um punktuelle Einsätze von Spezialtruppen, die allerdings mehrere Wochen dauern könnten.
Das "Wall Street Journal" berichtet, Trump denke auch über den Versuch nach, durch Spezialtruppen mehrere hundert Kilogramm hochangereichertes Uran bergen zu lassen. Ein solcher Einsatz wird von Experten als noch gefährlicher eingeschätzt als die Landung von Bodentruppen auf einer Insel oder entlang der Küste an der Straße von Hormus. Laut "Wall Street Journal" lässt Trump einen solchen Einsatz trotz aller Risiken prüfen, um einem zentralen Ziel des gesamten Militäreinsatzes näher zu kommen: Iran daran zu hindern, jemals über Atomwaffen zu verfügen.
Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA befinden sich die angereicherten Uranbestände vor allem in unterirdischen Tunneln der Atomanlagen Isfahan und Natans. Diese hatten Israel und die USA bereits vergangenen Juni bombardiert. Damals hatte Trump noch davon gesprochen, das Atomprogramm des Iran sei "vollständig zerstört" worden, was Experten umgehend bezweifelten. Vor den Bombardierungen im Juni besaß der Iran nach IAEA-Angaben rund 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Für den Bau von Atomwaffen sind mehr als 90 Prozent Reinheitsgrad notwendig.
Senator nennt Einsatz "viel zu riskant"
Ein möglicher Einsatz von Bodentruppen ist in den USA besonders stark umstritten. Der demokratische Senator Andy Kim aus New Jersey meinte bei CNN kategorisch: "Wir dürfen keine amerikanischen Bodentruppen im Iran einsetzen." Ein solcher Einsatz sei viel zu riskant und würde den Konflikt nur weiter verlängern, betonte Kim.
Der republikanische Senator James Lankford aus Oklahoma dagegen befürwortete die Entsendung von Bodentruppen. Hauptziel sei, "den Druck auf das iranische Regime zu erhöhen, um einen Deal zu erreichen", sagte Lankford dem Sender NBC. Als Hauptziele von Verhandlungen nannte der Senator ein Ende des iranischen Atomprogramms, den Stopp der terroristischen Bedrohung durch Iran und von ihm unterstützte Milizen und die Öffnung der Straße von Hormus, um Öltankern wieder freie Fahrt zu gewähren. Zuvor hatte auch US-Außenminister Marco Rubio betont, den Einsatz von Bodentruppen vorzubereiten, heiße nicht, sie in jedem Fall einzusetzen. Es gehe vielmehr darum, "dem Präsidenten maximalen Handlungsspielraum zu geben".
Erstmals wieder Huthi-Angriff auf Israel
Auch an anderer Stelle wächst das Risiko weiterer Eskalation in der Nahost-Region. So griff die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz am Wochenende vom Jemen aus erstmals in den aktuellen Nahost-Krieg ein. Nach israelischen Angaben wurden zwei von den Huthi gestartete Drohnen abgefangen. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat seine Armee am Sonntag außerdem angewiesen, weiter in den Süden des Libanon vorzudringen. Dies nährt Befürchtungen vieler Libanesen, Israel könnte nicht nur weiter Stellungen der Hisbollah-Miliz angreifen, sondern eine großangelegte Bodeninvasion mit anschließender Besatzung großer Teile des südlichen Libanon starten.
Ein Hoffnungsschimmer für den Gesamtkonflikt hat sich mit den jüngsten Vermittlungsbemühungen Pakistans aufgetan. Sein Land werde in den "kommenden Tagen" Gastgeber von Gesprächen zwischen den USA und dem Iran sein, sagte der pakistanische Außenminister Ishaq Dar am Sonntag in einer Fernsehansprache. Er betonte, dass die Bemühungen um direkte oder zumindest von Drittstaaten vermittelte indirekte Verhandlungen zwischen USA und Iran auch von Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei unterstützt werden.
Trump-Post gibt erneut Rätsel auf
Ein Truth Social-Post von Donald Trump machte am Montag allerdings schnell wieder deutlich, dass völlig offen bleibt, ob ein Schritt Richtung diplomatischer Lösung oder ob eine Eskalation des Kriegs wahrscheinlicher ist. Trump schrieb zwar auf seiner Online-Plattform: "Die Vereinigten Staaten von Amerika führen ernsthafte Gespräche mit einer neuen und vernünftigeren Regierung, um unsere Militäroperationen im Iran zu beenden."
Dabei ließ Trump aber nicht nur offen, wen er innerhalb des iranischen Regimes mit einer "neuen und vernünftigen Regierung" meint. Er drohte im gleichen Truth Social-Post in aller Schärfe, wenn "in Kürze" keine Einigung erzielt werde, würden die USA im Iran "alle Kraftwerke, Ölquellen, und die Insel Charg … in die Luft jagen und vollständig auslöschen". Nach wirklicher Hoffnung für die Kriegsregion klang das zunächst nicht.
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